OPEN-AIR-PILGER: Mit den Adiletten ans Open Air Frauenfeld

FRAUENFELD. Zu Fuss von Bern nach Frauenfeld: 34 junge Menschen sind vom Bundesplatz auf die Allmend gepilgert, an ihre Grenzen gegangen und als Gruppe zusammengewachsen.

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Erschöpft: Bei ihrer Ankunft erhielten die Pilger erst einmal eine Wurst. (Bild: Coralie Wenger)

Erschöpft: Bei ihrer Ankunft erhielten die Pilger erst einmal eine Wurst. (Bild: Coralie Wenger)

Fabio Andreatta aus dem aargauischen Fricktal hat die grössten. Und wahrscheinlich auch am meisten. Genau zehn Blasen schmücken seine Füsse; teilweise so gross wie ein Zweifränkler. Die Verbände und Pflaster lassen bloss erahnen, welche Strapazen seine Füsse in den letzten vier Tagen durchgemacht haben.

Schlimmer traf es eigentlich nur Felix Erpf aus St. Gallen. Nach zwei Tagen und 82 Kilometern war Schluss für ihn.

Der 31-Jährige, der gerne an sein körperliches Limit geht, weiss jetzt: «Die Achillessehne ist meine Grenze.» Wegen einer schmerzhaften Sehnenscheidenentzündung am rechten Fuss konnte er die Wanderung nur bis zur Hälfte bewältigen und musste den Rest mit dem Auto fahren.

Gute und schlechte Schuhe

Nur einer ist auf dem Fussmarsch von Bern in den Thurgau ohne Blasen davongekommen; und das erst noch mit brandneuen Wanderschuhen.

Er habe sich die Schuhe erst vor der Reise gekauft und davor kein einziges Mal getragen, meint Andy Hilfiker aus Safenwil und ist selbst ein wenig erstaunt über sein Glück. Weniger glücklich mit seiner Schuhwahl war Ozan Günaydin: der 20jährige St. Galler trug am ersten Tag ebenfalls Wanderschuhe, nur waren seine nicht ganz so komfortabel. Deshalb brachte Günaydin den Grossteil des Weges mit Adiletten und drei grossen Blasen an den Füssen hinter sich.

Härter als das Militär

Die 34 Pilgerinnen und Pilger sind in vier Tagen 152 Kilometer gewandert. Vom Bundesplatz in Bern, über Bützberg, Hunzenschwil und Steinmaur bis nach Frauenfeld. Jeden Tag 35 bis 45 Kilometer Fussmarsch bei sengender Hitze. Eine starke Leistung. Und eine, bei der nicht einmal die Schweizer Armee mithalten kann, wie einer der Teilnehmer nicht ohne Stolz erzählt.

Auf dem Weg zum Open Air sind die jungen Leute, von denen die meisten alleine teilgenommen haben, zu einer harmonischen Gruppe zusammengewachsen. «Es gab die ganze Woche über keine Konflikte. Stattdessen stand jeder für den anderen ein», zieht Susanne Leuenberger aus Basel-Stadt ihr Fazit. Dass da durch das gemeinsame Abenteuer ein starkes Wir-Gefühl entstanden ist, merkt man der bunt zusammengewürfelten Truppe auch einen Tag nach ihrer Ankunft noch an.

Zusammen sitzen Plättlileger, Selbständiger und Maturandin auf einem speziell für sie reservierten Campingplatz, scherzen, erzählen sich Reise-Anekdoten und hören Musik.

Zeigen, was die Jungen können

Die gute Stimmung ist auch der sorgfältigen Selektion der Teilnehmer zu verdanken. «Ich habe mit jedem der rund 200 Interessierten telefoniert, um ihre Motivation einzuschätzen», sagt Silvan Müller, Organisator der Pilgerreise. Der grosse Aufwand habe sich gelohnt, ist Müller überzeugt.

Alle seien mit grosser Leidenschaft dabei gewesen. Und so konnte gezeigt werden, was gemäss Müller die Idee hinter dem Projekt war: dass die heutige Jugend nicht nur Saufen und Party im Kopf hat, sondern zusammen auch Grosses leisten kann.

Tobias Hänni

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