OPEN AIR FRAUENFELD: US-Konzern übernimmt auf der Allmend

Einen Tag nach dem Festival folgt ein Paukenschlag: Der amerikanische Unterhaltungskonzern Live Nation erwirbt die Aktienmehrheit des Open Airs Frauenfeld. Damit werde es einfacher, an grosse Stars heranzukommen, sagen die Veranstalter.

Samuel Koch
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Der US-amerikanische Rapper Nas an seinem diesjährigen Open-Air-Auftritt. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Der US-amerikanische Rapper Nas an seinem diesjährigen Open-Air-Auftritt. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Samuel Koch

samuel.koch@thurgauerzeitung.ch

Szenekenner gehen schon seit einiger Zeit davon aus, dass künftig vermehrt finanzstarke Grossunternehmen in den Schweizer Konzertmarkt drängen (Ausgabe vom 29. Juni). Die Vermutung bestätigt sich nun für das Open Air Frauenfeld: Wie gestern bekannt wurde, hat der amerikanische Unterhaltungskonzern Live Nation die Mehrheit des Aktienpakets der First Event AG übernommen, welche das Open Air Frauenfeld veranstaltet.

Live Nation ist ein Gigant in der globalen Festivallandschaft. Das Unternehmen ist in 40 Ländern tätig und hat vergangenes Jahr gemäss eigenen Angaben Live-Veranstaltungen mit 550 Millionen Zuschauern durchgeführt. Der US-Konzern hat Exklusivverträge mit Stars wie Madonna, Jay-Z oder U2 und organisiert deren Tourneen. Mit über 90 internationalen Festivals wie Download und Lollapalooza in Europa oder Bonnaroo in den USA besitzt Live Nation das weltweit grösste Festivalportfolio.

«Wir sind ausserordentlich stolz auf die Partnerschaft mit dem Open Air Frauenfeld und freuen uns, unserem Portfolio eines der weltbesten Festivals hinzuzufügen», erklärt Andre Lieberberg von Live Nation. Die Verbindung biete Partnern eine einzigartige Plattform in der Schweiz und dem deutschsprachigen Markt.

«Open Air Frauenfeld wird weiterwachsen»

Die bisherigen Organisatoren des Open Airs Frauenfeld um Verwaltungsratspräsident Wolfgang Sahli übernahm das Festival 2004, nachdem Formate wie das «Out in the Green» oder das «Ministry of Rock» trotz Auftritten von David Bowie oder The Rolling Stones gescheitert waren. Mit neuem Design und Konzept führte es Sahli zusammen mit Geschäftsführer René Götz und seinem OK erfolgreich in eine andere Richtung: Das «Frauenfelder» etablierte sich als grösstes Hip-Hop-Festival Europas.

Zur neuen Partnerschaft mit Live Nation will sich Wolfgang Sahli nicht äussern. Schriftlich lässt er verlauten: «In Live Nation haben wir einen starken Partner gefunden, mit dem das Open Air Frauenfeld weiterwachsen und sich entfalten wird.» Gegenüber der «Sonntagszeitung» sagte Sahli: «Der Aufwand in Sachen Sicherheit und Umweltschutz nimmt für die Veranstalter ständig zu. Es werden sicher nicht alle Festivals in der Schweiz überleben.» Gerade im Buhlen um bekannte Bands und Künstler bringe die Zusammenarbeit mit Live Nation grosse Vorteile. Dank des Netzwerks von Live Nation werde es in Zukunft einfacher, an grosse Stars heranzukommen. Während des diesjährigen Festivals kritisierten einige Hip-Hop-Fans das Line-Up als zu wenig attraktiv. Christof Huber, Chef des Open Airs St. Gallen, will den Verkauf des Open Airs Frauenfeld nicht kommentieren. Gegenüber der «Sonntagszeitung» sagte er: «Unabhängige Festivalveranstalter können mit den finanziellen Mitteln der grossen Konzerne nicht mithalten.»

Obwohl Live Nation neu die Aktienmehrheit trägt, bleibt das Festival-OK für das kommende Jahr dasselbe wie heuer. «Die Umsetzung bleibt gleich, wir werden Live Nation als Unterstützung einbeziehen», sagt Joachim Bodmer, Medienchef des Open Airs Frauenfeld. Welche Früchte die neue Zusammenarbeit auf der Allmend tragen wird, kann Bodmer noch nicht sagen.