OPEN AIR FRAUENFELD: Behinderte zelten auf dem Camping

Menschen mit Handicap mischen sich auf dem Camping mitten unter die Hip-Hop-Fans. Für den Leiter der Lebenshilfe Würzburg ist die Erfahrung für die Behinderten Gold wert. Und die Rückmeldungen der nichtbehinderten Festival-Besuchern seien überwiegend positiv.

Samuel Koch
Drucken
Teilen
Geistig Behinderte der Lebenshilfe Würzburg geniessen den Kontakt mit dem nichtbehinderten Partyvolk. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Geistig Behinderte der Lebenshilfe Würzburg geniessen den Kontakt mit dem nichtbehinderten Partyvolk. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Auf dem Camping des Frauenfelder Open Airs geht es zu und her wie auf dem Ameisenhaufen. Hunderte Festival-Besucher tummeln sich auf den provisorischen Wegen quer durchs Gelände. Zelt an Zelt an Zelt, in allen möglichen Farben und soweit das Auge reicht. Mittendrin hat auch die Gruppe Lebenshilfe Würzburg ihre Zelte aufgeschlagen.

Insgesamt sind sie 14 Leute, neun davon mit geistiger Behinderung, wie Gruppenleiter Holger Klüpfel sagt. Sie sind zum ersten Mal in Frauenfeld und es gefalle ihnen gut. Die Lebenshilfe und Klüpfel organisieren Jahr für Jahr Reisen und Besuche an Grossveranstaltungen, wie etwa vergangenes Jahr auch am Open Air St. Gallen. «Die Erfahrungen, die unsere Leute machen, sind Gold wert», meint Klüpfel. Dass sie sich auf dem gewöhnlichen Campingplatz aufhalten würden, sei nichts Aussergewöhnliches. Im Premium-Bereich sei alles viel anonymer, wo eben der Kontakt zu nichtbehinderten Festival-Besuchern fehlen würde.

Schlechtes Wetter kein Hinderungsgrund

Seit einigen Jahren ist das gesamte Gelände des Open Airs Frauenfeld rollstuhlgängig. Es stehen Behinderten-Toiletten zurück Verfügung und dank der Stiftung Cerebral gibt es auch ein rollstuhlgängiges Podest mit Sicht auf die Bühne. Das OK reist jedoch darauf hin, dass das Leben für Rollstuhlgängige bei schlechtem Wetter umständlich werden könnte.

Für Klüpfel und seine Gruppe Lebenshilfe wäre auch Regenwetter kein Hinderungsgrund, um ans Open Air Frauenfeld zu kommen. «Klar, es würde schwieriger und dreckiger, aber nicht unmöglich», meint er. Positiv sind auch die Feedbacks von anderen Open-Air-Besuchern. «Viele loben uns und finden es schön, dass wir Teil des Ganzen sind», sagt Klüpfel. Es gebe aber auch Besucher, die quasi ein Helfersyndrom entwickelten, was eher mühsam sei.