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Pro & Contra

Online vs. Laden: Warten aufs orange Päckli oder Einkaufen mit dem Velo im nahen Laden?

Online einkaufen boomt, aber bedroht Fachgeschäfte. Lieber von zu Hause per Mausklick einkaufen oder sich beraten lassen und das Produkt direkt mitnehmen? Ein Pro und Contra.
Jolanda Riedener

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Sie sind fast vor jeder Haustüre anzutreffen: Die orangen Päckli des Internethändlers Zalando. 69,2 Millionen Bestellungen und 3,64 Millionen Euro Umsatz verzeichnet der Betrieb laut Geschäftsbericht für das Jahr 2016. Keine schlechte Bilanz. Nicht nur im Kleidergeschäft boomt der Onlinehandel. Von der Heimelektronik bis zum Lebensmitteleinkauf ist alles bequem von zu Hause bestellbar und wird bis vor die Haustür geliefert.

China will die Seidenstrasse 2.0

Bis jetzt wird in der Schweiz mehrheitlich von inländischen oder europäischen Onlineanbietern gekauft. Doch bald drängt sich auch Konkurrenz aus China auf. Die Preise chinesischer Produkte sind unschlagbar tief. Aufgrund hoher Zollkosten und langen Lieferzeiten wurde aber bis jetzt vergleichsweise wenig aus dem Fernen Osten bestellt. Dies könnte sich bald ändern, da China ehrgeizig die Vision einer neuen Seidenstrasse verfolgt. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis asiatische Onlinegiganten wie Alibaba ihre Produkte problemlos in die Schweiz liefern.

Der Onlinehandel bringt viele Fachgeschäfte in Bedrängnis. Für einige bleibt nur die Schliessung. In Ostschweizer Städten wie Rorschach gehören die Schaufenster der kleinen Boutiquen und Händler zum Stadtbild. Doch immer mehr Ladenlokale stehen leer. Prägen bald nur noch dieselben Grosshändler die leblosen Gassen?

Im Laden testen, online kaufen

Sich im Laden zum Produkt beraten zu lassen, Kleidung anzuprobieren, um dann doch online einzukaufen, klingt daneben, passiert aber immer häufiger. Man spricht dabei von «Showrooming». Zudem ersetzen Erfahrungsberichte im Internet oft die Beratung durch das Ladenpersonal. Damit wird den Fachgeschäften ihre einzige Waffe im Kampf gegen das Onlineshopping genommen. Was spricht für den Onlineeinkauf und welche Vorteile bietet das klassische Fachgeschäft? Sollte man als Konsument lokale Geschäfte unterstützen oder müssen Detailhändler ganz einfach ihr Konzept an den Wandel der Zeit anpassen?

Pro – Einkaufen als nötiges Übel, das uns Onlineshops abnehmen

Jolanda Riedener, Redaktorin

Jolanda Riedener, Redaktorin

Die überfüllte St.Galler Multergasse am Samstagnachmittag oder der Besuch beim Grossverteiler vor den Feiertagen: Das ist Horror pur. Dennoch braucht man hie und da eine neue Jeans oder ein Geburtstagsgeschenk. Für Shoppingmuffel sind Onlineshops ein wahrer Segen. Mit Mode experimentieren, nach Lust und Laune Farben und Stoffe kombinieren, das kann Spass machen. Dennoch greift man mit den Jahren gerne auf Bewährtes zurück. Wer weiss, was einem steht oder was er tragen will, braucht sich nicht mehr durch etliche Modegeschäfte zu wühlen. Die Turnschuhe der Lieblingsmarke oder die bewährten Jeans müssen auch nicht mehr anprobiert werden.

Für Shoppingmuffel sind das ideale Voraussetzungen, denn das Angebot im Internet ist riesig.

Wer genau weiss, was er will, ist wohl nirgends so gut bedient wie im digitalen Warenladen.

Zalando hat dahingehend neue Massstäbe geschaffen. Trotz einer schier unglaublichen Auswahl lässt sich mit einem Mausklick Material, Farbe, Grösse und Label selektieren: Das Portal spukt die Treffer in Sekunden aus. Fotos zeigen das Produkt aus verschiedenen Perspektiven, so weiss man ganz genau, auf was man sich einlässt.

In hiesigen Kleidergeschäften muss die Kundin das selber übernehmen: Die Ware an den unzähligen Kleiderstangen prüfen, Material und Schnitt beurteilen, schliesslich ist oft die benötigte Grösse gar nicht mehr verfügbar. Zwar sollten Detailhandelsangestellte Entscheidungshilfen geben und ehrlich beraten. Doch meist haben sie gar keine Zeit für die Kundschaft oder schwatzen der Kundin lieber das teuerste statt das passendste Produkt auf. Und wenn sich die Nachbarin, Kollegin oder Freundin genau das gleiche Teil kauft? Das kann gerade in kleineren Städten leider vorkommen: Schwesternlook geht gar nicht!

Das Schlimmste für Einkaufshasser ist allerdings, Kleider anzuprobieren.

Vor schmuddeligen Umkleidekabinen und bei schlechtem Licht Schlangestehen – da ist der Frust vorprogrammiert, wenn das ausgewählte Teil zu klein ist oder sonst nicht so toll aussieht.

Mit der Onlinebestellung ist das Prozedere entspannter. Denn ist die Bestellung raus, liegt das Päckli bereits zwei Tage später vor der Tür. Sollte der neue Pulli gar nicht passen, schickt man ihn halt zurück.

Contra – Der Tante-Emma-Laden ist mehr wert als Amazon oder Alibaba

Rudolf Hirtl, Redaktionsleiter

Rudolf Hirtl, Redaktionsleiter

Pakete, die im Regen vor der Haustüre liegen, Kleidung, die hinten und vorne nicht passt, technischer Schnickschnack, der nach dem ersten Gebrauch in seine Einzelteile zerfällt, und überzogene Lieferkosten. Es gibt genug Gründe, um auf Onlineshopping zu verzichten.

Da stehe ich nun in der Küche und kreiere ein leckeres Essen. Doch oh Schreck, im Schrank steht die beinahe leere Schachtel Reis, der Halbrahm im Kühlschrank schmeckt nicht mehr so, wie er sollte, und den Salat könnte man mit Croûtons noch etwas aufpeppen. Dafür fehlt das Toastbrot.

Also, rasch das Handy zücken und die fehlenden Zutaten im Internet bestellen. Nein, so ein Quatsch. Selbstverständlich steige ich aufs Velo mit Bastkörbchen vorne am Lenker und fahre zum nahen Volg-Laden.

Der hat nicht nur, was ich brauche, sondern erst noch allabendlich bis 21 Uhr geöffnet. Ein toller Service.

Online-Supermärkte haben 24 Stunden geöffnet, wird jetzt der eine oder andere argumentieren. Toll. Die liefern dann auch «schon» am nächsten Tag. Das nutzt hungrigen Gästen herzlich wenig. Denen hat es übrigens geschmeckt. Auch der exzellente Wein vom Thaler Buechberg. Was auch daran liegen mag, dass dieser nicht so weit reisen musste wie der Barossa Valley Shiraz aus Australien, den man online bestellen könnte.

Haufenweise Kleider bestellen, vom Einkaufsrausch benebelt probieren und was nicht passt einfach zurückschicken. Pustekuchen, die Realität sieht anders aus. Was der Pöstler ein paar Tage nach der Bestellung anschleppt, ist schon farblich meilenweit von jener Hose entfernt, die online als «abenteurer-kaki» angepriesen wird. Nicht nur, dass Indiana Jones dieses beige-rosarote Beinkleid mit Sicherheit nicht angezogen hätte, es hat auch noch einen italienischen Schnitt. Selbst nach einer Hungerkur hätte ein normal gewachsener Mann dort nicht hineingepasst.

Die Bestellung wieder einpacken und in der Post hinter all den anderen Schlange stehen, die ihr Paket auch zurücksenden wollen – nein danke, darauf kann ich verzichten.

Da besuche ich doch lieber eines der verbliebenen Modegeschäfte und gehe mit einer kakifarbenen Hose nach Hause, die erst noch wie angegossen passt. Dies hilft denn auch dem Lädeler und seinem Personal ums Eck. Onlineshoppen erhält nämlich keine Arbeitsplätze, sondern macht nur Reiche noch etwas reicher.

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