OLMA: Verbot ignoriert - Schulter verletzt

Ein Messebesucher wirft einem Securitas-Mitarbeiter vor, ihn mit Gewalt festgehalten zu haben. Das ­Kreisgericht hatte den Angeklagten von aller Schuld entlastet. Nun standen beide erneut vor Gericht.

Claudia Schmid
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Der Securitas-Mitarbeiter habe den Olma-Besucher wegen des Nachahmeeffekts aufhalten müssen, argumentierte der Verteidiger vor Gericht. (Bild: Samuel Schalch (4. Oktober 2016))

Der Securitas-Mitarbeiter habe den Olma-Besucher wegen des Nachahmeeffekts aufhalten müssen, argumentierte der Verteidiger vor Gericht. (Bild: Samuel Schalch (4. Oktober 2016))

Claudia Schmid

ostschweiz

@tagblatt.ch

Der 65-jährige Privatkläger verlangte eine Verurteilung wegen einfacher Körperverletzung, Schadenersatz von rund 3400 Franken und eine Genugtuungssumme von 3000 Franken. Er habe wegen der verletzten Schulter mehrere Wochen nicht arbeiten können, erklärte er gestern während der Berufungsverhandlung am Kantonsgericht St. Gallen. Der Vorfall hatte sich an der Olma 2014 um etwa 18 Uhr ereignet. Laut Anklageschrift waren Securitas-Mitarbeiter damit beschäftigt, das Messegelände zu schliessen. Um zu verhindern, dass Besucher wieder auf das Gelände gelangen, war die Freitreppe zwischen den Hallen 4 und 3 mit einem Gitter abgesperrt. Der Privatkläger hatte bereits den Ausgang E benutzt, wollte aber über die Freitreppe nochmals zurück, um das Gelände über den Hauptausgang zu verlassen. Er wollte so direkt zu seinem parkierten Auto gelangen.

Als ihm ein Securitas-Mitarbeiter sagte, er dürfe nicht mehr zurück auf das Gelände, ignorierte der Besucher das Verbot und ging weiter. Daraufhin packte ihn ein zweiter Sicherheitsmann am linken Arm und drückte ihn gemäss Anklage auf den Rücken. Ein dritter fasste ihn am rechten Arm. Gemeinsam führten sie ihn ins Nottreppenhaus der Halle 3 und hielten ihn fest, bis die Polizei eintraf. Das Richtergremium befragte den Securitas-Mann als Beschuldigten und den Privat­kläger als Auskunftsperson.

Unkooperatives Verhalten

Der Mitarbeiter der Securitas erklärte, der Mann habe trotz wiederholten Hinweises, er dürfe die Treppe nicht passieren, seinen Weg fortgesetzt. Dabei habe er einen seiner Kollegen weggeschubst. Auch habe er auf Aufforderung seinen Ausweis nicht zeigen wollen. Der Mann habe sich generell sehr unkooperativ verhalten. Deshalb habe man die Polizei gerufen und ihn bis zum Eintreffen der Beamten vorschriftsgemäss fixiert.

Der Olma-Besucher machte geltend, der Securitas-Mitarbeiter habe ihn regelrecht angefallen und seinen Arm auf dem Rücken heftig hochgedrückt. Er habe ­gesagt, er solle nicht so fest drücken, sonst gehe noch etwas kaputt. Das Aufhalten durch die Securitas habe er als reine Schikane empfunden. Es stimme, dass er sich am Securitas-Mann vorbeigedrückt habe, denn er lasse sich sicher nicht von einem Ordnungsdienst sagen, welchen Weg er zum Ausgang gehen müsse.

Der Rechtsvertreter des Olma-Besuchers warf der Vor­instanz vor, sie habe die Beweiswürdigung einseitig zu Ungunsten seines Mandanten ausgelegt. Diese hatte ausgeführt, das Handeln des Securitas-Mitarbeiters basiere auf einer Rechtsgrundlage, weil der Besucher Hausfriedensbruch begangen habe. Zur Durchsetzung des Hausrechts habe ihn der Sicherheitsmann bis zum Eintreffen der Polizei vorläufig festhalten dürfen. Zur Frage der Verhältnismässigkeit der Gewaltanwendung sei zu sagen, dass der Besucher verbal und physisch Widerstand gegen die Anordnung der Securitas-Männer leistete. Dieser Argumentation müsse widersprochen werden, betonte der Rechtsvertreter. Es habe überhaupt keinen Grund gegeben, seinen Mandanten festzuhalten. Er bezeichnete den Vorfall als völlig übertriebene Gewaltanwendung.

Die Sicherheit gewährleisten

Der Verteidiger bezeichnete seinen Mandanten als erfahrenen, gut ausgebildeten Ordnungsmann mit Führungserfahrung. Er habe sich der Situation angemessen korrekt verhalten. Der Besucher sei widerrechtlich auf der Treppe gewesen und habe eine Gefahrensituation geschaffen, indem er den ersten Securitas-Mann geschubst habe. Die Securitas habe den Besucher wegen des Nachahmereffektes aufhalten müssen. «Ihn gewähren zu lassen, hätte bedeutet, dass die Ordnungsleute ihre Arbeit nicht machen.» Das Urteil des Kantonsgerichts wird in den nächsten Tagen erwartet.