Olma
«Die letzten 15 Tage haben wir Tag und Nacht gearbeitet»: Beim Herbstjahrmarkt werden die letzten Schrauben angezogen

Ab Donnerstag heisst es wieder «Magenbrot» und «heisse Marroni» und auf dem Spelteriniplatz werden Besucherinnen und Besucher auf Achterbahnen in alle Richtungen gewirbelt. Der Herbstjahrmarkt in St.Gallen findet auch in diesem Jahr wieder in abgespeckter Form statt. Doch Schausteller und Markthändler sind froh, dass überhaupt ein Jahrmarkt durchgeführt wird.

Sabrina Manser Jetzt kommentieren
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Der Aufbau des Jahrmarkts in St.Gallen ist im Gang – am Donnerstag geht es los.

Der Aufbau des Jahrmarkts in St.Gallen ist im Gang – am Donnerstag geht es los.

Bild: Benjamin Manser

Es steht schon: das Riesenrad. Das Einzige, was sich bewegt, sind zwar erst die Schweizer Fähnchen auf den Gondeln. Die farbigen Lichter sind noch dunkel, auch die Musik läuft noch nicht, dafür hört man es scheppern und hämmern. Schaulustige bleiben stehen, blicken durch die Gitter, beobachten, was auf dem Spelteriniplatz abläuft. Der Parkplatz verwandelt sich immer mehr in eine Chilbi. Ein Mann reibt mit einem Tuch die Gondel ab, dann dreht sich das Riesenrad langsam. Funktioniert alles? Spätestens am Donnerstag, wenn die Olma und der Jahrmarkt eröffnen, muss es das.

Hiltrud Frei, Präsidentin der Ostschweizer Sektion des Schweizerischen Marktverbandes.

Hiltrud Frei, Präsidentin der Ostschweizer Sektion des Schweizerischen Marktverbandes.

Bild: Benjamin Manser

«Es ist alles auf Kurs», sagt Hiltrud Frei, Präsidentin der Ostschweizer Sektion des Schweizerischen Marktverbands. Vor einem Monat sah es noch ganz anders aus, als die Stadt St.Gallen den Herbstjahrmarkt absagte. Schon letztes Jahr organisierte der Schweizerische Marktverband eine Light-Version des Herbstmarktes, nun springt der Verband erneut in die Bresche.

In diesem Jahr ist der Jahrmarkt wieder etwas grösser. Auf dem Spelteriniplatz und vor der Pädagogischen Hochschule sind die Achterbahnen und einige Verpflegungsstände aufgestellt. Die Chilbi sei 30 Prozent kleiner als sonst, sagt Hanspeter Maier, Vizepräsident des Schaustellerverbandes Schweiz. 30 statt 40 bis 50 Schausteller seien es. Die Zäune rund um die Achterbahnen fallen auf. In diesem Bereich gilt die 3G-Regel. Die Marktstände an der Sonnenstrasse sind frei zugänglich. Dort würden Schutzkonzepte gelten und der Alkoholausschank sei im Gegensatz zur Chilbi verboten, sagt Hiltrud Frei.

Neue Bahnen, neue Plätze

Ein Lastwagen fährt vom Platz, ein anderer Lieferwagen wird gerade ausgeräumt. Bei der einen Kinderbahn leuchten schon die Lichter, bei einer anderen Bahn ist noch nicht viel zu erkennen. Auf dem Boden liegen meterlange Kabel herum, in schwindelerregender Höhe schraubt ein Mann an einem Lämpchen rum.

Auch in schwindelerregender Höhe wird noch geschraubt.

Auch in schwindelerregender Höhe wird noch geschraubt.

Bild: Benjamin Manser
Hanspeter Maier, Vizepräsident Schausteller Verband Schweiz.

Hanspeter Maier, Vizepräsident Schausteller Verband Schweiz.

Bild: Benjamin Manser

Einige Bahnen sind neu auf der Chilbi, wie ein Karussell oder ein Free Fall für Kinder. Dafür fehlt der grosse Free Fall Tower. Die Achterbahn vor der PH, bei der man gefährlich nah an der Wand hin und her geschaukelt wird, scheint dieses Jahr kleiner zu sein. Es gab zudem Platzänderungen: Für das Riesenrad sei der höchste Punkt ausgewählt worden, damit man es schon von weitem sehe, sagt Hanspeter Maier. Und die Autoscooterbahn ist nicht mehr auf dem Spelteriniplatz, sondern neben der PH. Bei der Auswahl der Schausteller habe man auf die Attraktivität geachtet, sagt Hanspeter Maier. Und weiter:

«Wir wollen den Leuten Abwechslung bieten, weil die Chilbi etwas kleiner ausfällt.»

«Gleich viele Besucher»

«Die letzten 15 Tage haben wir praktisch Tag und Nacht gearbeitet», sagt Hanspeter Maier. Man sei bereit, es würden nur noch Kleinigkeiten anstehen. Man sei froh, dass die Stadt und die Stadtpolizei St.Gallen dem Verband entgegengekommen seien. «Für die Schausteller und Markthändler ist der Jahrmarkt einer der wichtigsten Anlässe im Jahr.»

Peter Howald, Präsident Schausteller Verband Schweiz.

Peter Howald, Präsident Schausteller Verband Schweiz.

Bild: Benjamin Manser

Nun müssen nur noch genug Leute kommen. «Wir hoffen, dass das Budget reicht», sagt Hiltrud Frei. Die Einzäunung der Chilbi, die Kontrolle der Zertifikate, die eine Security-Firma übernehme, und die zusätzlichen WC-Wägen im abgesperrten Bereich würden Mehrkosten verursachen. Doch der Vizepräsident des Schaustellerverbands ist zuversichtlich: «Ich rechne mit gleich vielen Leuten wie in anderen Jahren.» Auch der Präsident des Schausteller Verband Schweiz, Peter Howald, sagt:

«Die Leute wollen raus. Darum wollten wir auch diesen Markt durchführen.»
Hier wirbelt es bald Besucherinnen und Besucher im Kreis herum.

Hier wirbelt es bald Besucherinnen und Besucher im Kreis herum.

Bild: Benjamin Manser

Kleinerer Markt, längere Öffnungszeiten

Die Schriftzüge der Verpflegungsstände werben mit Magenbrot, Öpfelchüechli, Chässchnitte. Bei den meisten Ständen sind die Rollläden unten, einzelne Händlerinnen und Händler räumen ihre Ware ein. Die Sonnenstrasse sieht etwas verlassen aus, die Stände stehen in grossen Abständen zueinander. Es seien 20 statt wie in anderen Jahren 200 Marktstände, sagt Hiltrud Frei. Dennoch seien die grössten Schausteller und Markthändler vertreten. «Die Auswahl ist uns schwer gefallen, wir mussten auf eine gute Mischung von Angeboten achten.» Dafür seien der kleinere Markt und die Chilbi bis um 22 statt 20 Uhr geöffnet, am Freitag und Samstag bis 22.30 Uhr. Start ist ab 11 Uhr, am Samstag und Sonntag ab 10 Uhr.

Vor dem Verpflegungsstand für Hotdogs und Hamburger steht ein Lieferwagen, Materialien werden ausgeräumt, ein Mann arbeitet am Innenbereich. Noch tummeln sich Arbeiter vor dem Stand, wo es am Donnerstag hoffentlich Besucherinnen und Besucher sind. Die Besitzerin des Standes, Michelle Howald, sagt:

«Wir sind einfach froh, dass wir wieder arbeiten dürfen.»
Letzte Handgriffe und bald läuft die Bahn.

Letzte Handgriffe und bald läuft die Bahn.

Bild: Benjamin Manser
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