Olma setzt auf Stallgeruch

Strohballen hängen an den Plakatwänden – schweizweit. Sie weisen auf die Olma hin, die in einer Woche ihre Tore öffnet. Hinter dem Stallgeruch steht der Kreuzlinger Grafiker Gabriel Grüter.

Regula Weik
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Stroh wirbt für die näher rückende Olma. (Bild: Coralie Wenger)

Stroh wirbt für die näher rückende Olma. (Bild: Coralie Wenger)

St. Gallen. Der Bauer hatte den Stallboden extra gewischt – wegen des Fotografen, des Grafikers und des Lehrers. Eigentlich unnötig, denn die Aufnahmen sollten möglichst authentisch sein. Einen Tag lang «belagerten» die drei dann seinen Stall – gemeinsam mit drei Strohballen mit grüner Etikette. Am Abend standen die Aufnahmen für das diesjährige Olma-Plakat.

Es verbreite Stallgeruch – «ein sympathischer Duft» – hatte die Jury zum Entwurf festgestellt und sich für die Idee des jungen Kreuzlinger Grafikers Gabriel Grüter entschieden.

Entwurf auf Entwurf

Am Anfang freilich hatte Grüter verschiedenste Ideen im Kopf – das Stroh war eine davon. Die Vertiefung dieses Sujets sei «aus einem Prozess» heraus entstanden, erzählt er.

Und weiter: Aus der Vorstellung heraus sei es schwer zu beurteilen, ob ein Thema «verhebi» oder nicht – ob es auch grossflächig wirke. Er müsse ein Sujet konkret vor sich haben. Und so folgten Entwurf auf Entwurf, Korrekturen, Änderungen.

Sich von Stereotypen lösen

Ein wichtiger Begleiter und Berater war sein Lehrer Andreas Tschachtli, Leiter der Grafik-Fachklasse an der Schule für Gestaltung an der GBS (Gewerbliches Berufs- und Weiterbildungszentrum St.

Gallen), die Grüter absolviert hat. Für Tschachtli ist die Olma kein Neuland; er hat das Olma-Plakat 1991 gestaltet – «eine Kuh, die abwärts läuft, weil es der Landwirtschaft damals schlecht ging».

Heute sagt er: «Ein Teil der Begleitung ist, die Schüler von Stereotypen, wie im Olma-Kontext der Kuh, zu lösen.» Tschachtli war es denn auch, der Grüter – er arbeitet heute in Zürich – zum Bauern in den Stall schickte – «weil nicht im Studio eine künstliche Atmosphäre erzeugt werden sollte».

Zuvor hatte der Kreuzlinger die Idee mit Hamster-Stroh, gepresst, wie es überall für Haustiere angeboten wird, vorangetrieben und verbessert. Nach dem Stallbesuch klärten sich auch die grüne Etikette mit den Olma-Hinweisen – in Anlehnung an den Lieferschein des Strohballens –, der Holzboden im Stall als Hintergrund – wie wirkt das Stroh am besten? –, die Schnur, welche Stroh und Etikette fasst.

Was geht Grüter durch den Kopf, wenn er heute sein Olma-Plakat betrachtet? «Ich bin schon ziemlich glücklich damit», sagt er.

Gabriel Grüter (Bild: pd)

Gabriel Grüter (Bild: pd)