OLMA: Paganinis nächster Hosenlupf

Der Thurgau als Gastkanton: Für Olma-Direktor Nicolo Paganini steht eine Art Heimspiel bevor – er stammt aus Bischofszell. Die Karriere des 51-Jährigen hat auch ein bisschen mit Beni Thurnheer zu tun.

Silvan Meile
Drucken
Teilen
«Diese Chance musste ich einfach packen»: Nicolo Paganini in der Arena auf dem Olma-Gelände. (Bild: Urs Bucher)

«Diese Chance musste ich einfach packen»: Nicolo Paganini in der Arena auf dem Olma-Gelände. (Bild: Urs Bucher)

Silvan Meile

silvan.meile

@thurgauerzeitung.ch

Für einen Appenzeller Alpen­bitter ist es noch zu früh. Im Büro des Olma-Direktors wird Kaffee serviert. Passend wäre aber ein Appenzeller gewesen, denn der Kräuterlikör-Hersteller hat als Aussteller an der Olma noch nie gefehlt. Nur der Landverband St. Gallen und die F & W Wurst sind ebenfalls ohne Absenz. ­Diese Jubilare speziell zu ehren und zu beschenken, gehört an der 75. Olma zu den Aufgaben des ­Direktors. «Das sind jeweils lange Tage», weiss Nicolo Paganini. Wer wissen wolle, was bis in die hinterste Ecke der Messe läuft, müsse sie auch intensiv erleben. An der Wand im Büro des Direktors hängen Bilder eines Thurgauers im Sägemehl. «Ich bin ein grosser Fan von Sämi Giger.» ­Paganinis nächster Hosenlupf wird die Olma im Oktober. Die alte Heimat kommt zu Besuch. Der Kanton Thurgau ist Gast­kanton an Paganinis siebter Olma als Direktor.

Sieger bei «Tell-Star», Kandidat für Bundesbern

«Extrem wichtig» sei der Nachbar als Gast, sagt Paganini. Der Thurgau bringt, was die Olma braucht: einen grossen Umzug, eine spannende Sonderschau und viele Leute. Denn zahlreiche Thurgauer, die nur gelegentlich alle paar Jahre die Olma besuchen, werden sich diesen Herbst für eine Reise nach St. Gallen entscheiden. Mit dem Slogan «De Leu isch los», haben sich die Thurgauer bereits angekündigt. Viele von ihnen kennt Paganini.

Der Olma-Direktor ist in Bischofszell aufgewachsen, drückte später an der Kanti Frauenfeld die Schulbank. Und dann bahnte sich eine steile Karriere in der Thurgauer CVP an. 1991 schaffte er bei den Nationalratswahlen mit erst 25 Jahren den Sprung auf den ersten Ersatzplatz. «Chancen rechnete ich mir dennoch keine aus. Hansueli Raggenbass wurde damals für die CVP neu in den Nationalrat gewählt», erinnert sich Paganini. Seine Bekanntheit, die zu diesem Achtungserfolg verhalf, sei auf den Jahressieg in der Fernsehendung «Tell-Star» mit Beni Turnheer zurückzuführen gewesen. Die Sendung war ein Quotenrenner, Paganinis Spezialgebiet die Fussball-Weltmeisterschaft 1990 in Italien. Der Sieg gab auch Selbstvertrauen. «Mein Leben wäre sonst vielleicht anders verlaufen», sagt Paganini. Ein halbes Jahr nach den Nationalratswahlen schaffte er die Wahl in den Thurgauer Grossen Rat, später wurde er Fraktionschef der CVP.

Nirgends ein Sesselkleber

Mit seinen 51 Jahren hat Paganini beruflich viel erreicht. Er war in der Geschäfts­leitung der Rutishauser Weine, arbeitete im Thurgau als Anwalt und danach als Chef des kantonalen Amtes für Wirtschaft in St. Gallen. Bevor er Olma-Direktor wurde, machte er einen Abstecher zur St. Galler Kantonalbank. Ein Sesselkleber war er nirgends. «Manchmal suchte ich den Weggang, manchmal hat es sich er­geben.»

Diese Chance habe er damals einfach packen müssen, erinnert sich Paganini an die Stellen­ausschreibung für den Direktor der Olma-Messen. Nebst dem Flaggschiff Olma organisiert er mit 85 Angestellten neun weitere Messen und mehr als 100 Veranstaltungen im Jahr, Kon­gresse, Generalversammlungen, Firmenanlässe oder Lehr­abschlussfeiern.

Seit 15 Jahren wohnt der gebürtige Thurgauer bereits im Kanton St. Gallen. Wie gut er angekommen ist, haben die ver­gangenen Nationalratswahlen gezeigt. Was Paganini einst im Thurgau gelang, schaffte er auch in St. Gallen. Vom zweitletzten Platz der CVP-Liste wählten ihn die St. Galler auf den ersten Ersatzplatz. Diesmal sind die Chancen wesentlich grösser, dass er auch tatsächlich noch auf einen Sitz in Bern nachrückt.