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«Ach, du bist auch hier?» – Ein Olma-Neuling stürzt sich ins Getümmel

Es gibt sie noch, die Ostschweizer, die noch nie an der Olma waren. Ein Rundgang am ersten Festwochenende.
Marco Cappellari
Die Menschenmassen an der Olma sind nichts für Klaustrophobiker. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Menschenmassen an der Olma sind nichts für Klaustrophobiker. (Bild: Hanspeter Schiess)

Dass die Olma, die grösste Publikumsmesse der Schweiz, viel Volk anlockt, war bekannt. Die Massen, die sich am ersten Festwochenende im und um das Messegelände ansammeln, beeindrucken den Olma-Neuling aber doch. Auf dem Weg von der Innenstadt Richtung Messe ist spätestens ab der Tonhalle kein leichtes Durchkommen mehr. Wer zum Eingang der Olma gelangen will, muss sich durch den Jahrmarkt kämpfen – oder ergibt sich der Situation und lässt sich von der Menschenmasse im Schneckentempo mittreiben. Krethi versucht, der Situation mit Sarkasmus zu begegnen: «Zum Glück sind mir die Einzige.» «Jo, säg nüt», antwortet ihm Plethi. Ein junger Mann dreht sich um und sagt zu seinem Kollegen: «Ich bin vorbereitet.» Daraufhin zieht er ein Pfefferspray aus der Jackentasche.

(Bild: Hanspeter Schiess)(Bild: Hanspeter Schiess)
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33 Bilder

Der Olma-Samstag in Bildern: Die Sonne lockt aus der Halle, am Jahrmarkt heben die Flieger ab

Vor dem Eingang vermischen sich die Jahrmarktbesucher, Messegänger und jene, die dringend zur Toilette müssen. Der Geruch von Mist dringt in die Nase, woher, ist nicht sicher auszumachen. Ein Mädchen zerrt am Arm seiner Mutter:

«Mami, gömer ine?» – «Wart schnell, de Papi muss no Geld hole.»

Daneben stösst ein Mann um die 50 mit einer etwa gleichaltrigen Frau zusammen. «Hey! Pass doch auf», beginnt diese, bevor sie sich umdreht und sich ihre Blicke treffen. «Ach, du bist auch hier?» – «Schön, dich zu sehen.»

Marktplatz: So ruhig wie nie

Wer das Glück hat, bereits ein Billett zu besitzen, umgeht die Schlange am Eingang. Im Messegelände ist die Körperdichte nur unwesentlich geringer als am Jahrmarkt. Junge Pärchen, ältere Männer im Edelweisshemd, Frauen in Trachten, Hinz und Kunz drängen durch das Freigelände zwischen den Messehallen. Am Rande sitzen bereits einige beim Mittagessen und dem ersten Bier. Der Menschenfluss passiert den Stand eines Tabakherstellers, der seine Cannabiszigaretten präsentiert, Proberauchen inklusive. «Isch es legal?», fragt ein älterer Herr mit starkem Appenzellerdialekt. «Ide Schwiz scho», antwortet ihm ein zweiter.

Statt dem Mittagessen muss ein Kaffee her, nicht jeder ist es gewohnt, am Samstag so früh aufzustehen. Die Aufgabe gestaltet sich schwieriger als gedacht. Es dauert eine Weile, bis der Fluss durch die Halle 2 strömt, wo der rettende Lavazza-Stand wartet. Ausgerüstet mit einem Cappuccino geht es zurück in den Menschenstrom. Dieser stockt immer mal wieder, besonders vor den interessanteren Ständen und dort, wo es etwas gratis gibt.

Heisse Ware: Auch Überwachungskameras mit Wärmebild-Funktion werden an der Olma präsentiert. (Bild: Marco Cappellari)

Heisse Ware: Auch Überwachungskameras mit Wärmebild-Funktion werden an der Olma präsentiert. (Bild: Marco Cappellari)

Zsssch! Ein heisser Dampfstrahl verfehlt nur knapp das Gesicht eines Besuchers, der hinter seiner Frau durch die Haushaltsgeräte-Abteilung hergeht. Es wird nicht die letzte Beinaheverbrühung gewesen sein: Die Maschine, die an ein Dampfreinigungsgerät erinnert, stösst ihren Strahl in unregelmässigen Abständen immer wieder aus.

Genehmigen sich die ersten Besucher auf dem Freigelände das erste Bier, sind ihnen jene in den Degustationshallen längst voraus. Auf den Tischen der zahlreichen Weinproduzenten und Brauereien stehen volle, halb volle und leere Weingläser und Bierkrüge.

Der Journalist verköstigt sich am Marktplatz. Selten wirkt dieser so ruhig wie an diesem Olma-Wochenende. Eine willkommene Auszeit. Gleich im Anschluss geht es wieder zurück zum Messegelände. Es gibt noch einiges zu sehen – die Tiere etwa kann man sich nicht entgehen lassen.

Halle 7: Platz im Gehege

In Halle 7 riecht es nach Mist. Hier fällt einem ein, dass die Olma eigentlich eine Landwirtschaftsmesse ist. Beim Anblick der Rinder, die im Stroh liegen, könnte man neidisch werden. Ihnen steht in ihrem Gehege weit mehr Platz zur Verfügung als den Messebesuchern, die sich an das Geländer drängen.

Grosszügige Gehege in Halle 7: Die Besucher müssen mit weniger Platz auskommen. (Bild: Marco Cappellari)

Grosszügige Gehege in Halle 7: Die Besucher müssen mit weniger Platz auskommen. (Bild: Marco Cappellari)

In der Arena gleich daneben steht der Festakt kurz bevor. Tambouren, Jodlerchöre, Alphorn und Hackbrett erklingen. Gleich werden Olma-Funktionäre und geladene Politiker ihre obligaten Ansprachen halten. Im «Backstage-Bereich» dösen drei Jodler im Partnerlook auf ihrem Stuhl. Hinter ihnen tun es ihnen ein paar Schweine gleich. Ein Betrunkener erschrickt an der Grösse der Kühe daneben. «Isch das es Viech!» Ein Rega-Helikopter überfliegt den Festakt ungewohnt tief und landet auf dem Dach des Kantonsspitals.

Jahrmarkt: Jesus am Himmel

Zeit, sich den Jahrmarkt anzuschauen. Magenbrot, Plastikspielsachen, Lederwaren, Gemüsehobler – allerlei wird feilgeboten. Eine Ordensschwester blickt plötzlich gen Himmel und ruft:

«Er chunt abe!»

Der Blick geht nach oben, dort ist aber nicht etwa die Wiederkunft Jesu zu sehen, sondern das Karussell, das sich über die Stadt erhebt und wagemutige Gäste furchterregend hoch im Kreis schwingt. Drei Jugendliche rennen lachend vorbei. «Das nächste Mal gibt’s eine Ohrfeige!», ruft ein Standbetreiber hinterher. Die Halbstarken antworten mit Kraftausdrücken. Nach einem halben Tag an der Olma wächst das Verständnis für die Besucher, die um 11 Uhr mit dem Trinken beginnen.

Hoch hinaus geht es am Jahrmarkt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Hoch hinaus geht es am Jahrmarkt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Der Journalist steuert die berüchtigten Degustationshallen erneut an. Die Luft dort ist dick und heiss. Es fallen jetzt mehr Junge auf, die den Gang bevölkern. Die Älteren sitzen lieber. Der Geräuschpegel hat mittlerweile die Schmerzgrenze erreicht. Ein ohrenbetäubendes «Hallo!» schreit eine Gruppe Mittdreissiger jedem Vorbeigehenden ins Ohr. Der Boden ist klebrig. Am Rande des Ganges stapeln sich Weinkartons. Ein Jugendlicher tippt einem auf die Schulter und entschuldigt sich mit einem «Sorry». Es ist unklar, wofür. Um 19 Uhr ist Schluss mit dem Gelage. Offiziell. Es dauert eine Stunde, bevor die Security es mithilfe von Menschenketten schafft, die letzten Betrunkenen aus der Halle zu bugsieren. Manch einer versucht mit den Kettengliedern zu diskutieren – vergeblich. Unsanft wird er weggestossen.

Auf dem Jahrmarkt geht das Treiben weiter. Es dauert eine Weile, bevor auch hier die Stände schliessen. Sehr viel später wird sich ein Pärchen zwischen den Buden vergnügen. Nichts wie weg hier. Beim Vorbeigehen am FM1-Zelt erklingt ein Schlager. Helene Fischers «Atemlos» überrascht nicht. Dafür aber ein italienisches Partisanenlied, das darauf folgt.

Bei der Genossenschaftsbeiz Schwarzer Engel interessieren sich wenige für die Olma. (Bild: Marco Cappellari)

Bei der Genossenschaftsbeiz Schwarzer Engel interessieren sich wenige für die Olma. (Bild: Marco Cappellari)

Das Partisanenlied ist wohl etwas vom wenigen an der Olma, mit dem die Gäste vor der Genossenschaftsbeiz Schwarzer Engel in der St.Galler Altstadt etwas anfangen könnten. «Mir kann dieser Anlass gestohlen bleiben», sagt eine junge Frau. Über ihr prangt ein Transparent, das zur Verteidigung Rojavas in Syrien aufruft. «Ich werde versuchen, der Olma aus dem Weg zu gehen.» Na dann viel Glück. Sie wird es brauchen.

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