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Interview

OhO-Vereinspräsidentin Nadine Knecht: «In der Ostschweiz ist der Wunsch gross, vor Ort zu helfen»

Die Weihnachtsaktion Ostschweizer helfen Ostschweizern (OhO) wird dieses Jahr zum 14. Mal durchgeführt. OhO-Vereinspräsidentin Nadine Knecht sagt, was die Aktion erfolgreich macht, wer davon profitieren kann und welche Gesuche ihr besonders nahegehen.
Katharina Brenner
«Wenn Kinder betroffen sind, geht mir das immer nahe», sagt OhO-Vereinspräsidentin Nadine Knecht. (Bild: Hanspeter Schiess)

«Wenn Kinder betroffen sind, geht mir das immer nahe», sagt OhO-Vereinspräsidentin Nadine Knecht. (Bild: Hanspeter Schiess)

Nadine Knecht, braucht es in einem wohlhabenden Land wie der Schweiz eine Spendenaktion?

Auch in der Schweiz gibt es Armut. Aber sie ist versteckt. Wer in der Schweiz arm ist, zieht sich zurück. Aus Scham und weil gesellschaftliche Teilhabe oft an Geld gebunden ist. Wer jeden Rappen umdrehen muss, für den sind fünf Franken für ein ÖV-Ticket in die Stadt viel Geld und der kann sich auch kein Skilager für seine Kinder leisten.

Gehen Ihnen manche Gesuche besonders nahe?

Wenn Kinder betroffen sind, geht mir das immer nahe. Es ist erschreckend, welchen Rucksack viele Kinder in der Ostschweiz tragen müssen. Wenn ältere Menschen aus Armut vereinsamen, geht mir das auch jedes Mal nahe. Und natürlich die zahlreichen Schicksalsschläge – mit einem Mal geraten Personen in Notsituationen und ihr Erspartes schmilzt regelrecht weg. Not kann jeden von uns treffen. Schneller als man meint.

Wen unterstützt OhO?

Personen, die in den Kantonen St.Gallen, Thurgau und den beiden Appenzell leben und durch die Maschen des sozialen Netzes fallen. Häufig sind es Working Poor: Personen, die arbeiten, deren Lohn aber gerade zum Überleben reicht. Grössere Rechnungen oder Anschaffungen können sie nicht stemmen. OhO unterstützt auch Personen, die durch einen Schicksalsschlag in eine Notlage geraten sind. Wir können keine Sozialwerke ersetzen, das wollen wir aber auch nicht.

Sie versuchen, so viele Beträge wie möglich vor Weihnachten auszuzahlen. Warum?

OhO will zu Weihnachten eine Freude bereiten. Die Vorweihnachtszeit ist für den Verein und den Beirat sehr intensiv. Eine Schwierigkeit ist, dass zuerst Gesuche eingehen und die Spenden etwas zeitversetzt fliessen. Während wir Geld sammeln, sprechen wir bereits Beträge und zahlen aus, damit der Wunsch vor Weihnachten erfüllt werden kann. Rein logistisch können wir nicht das ganze Jahr über aktiv sein. OhO wird vom St.Galler Tagblatt und seinen Regionalausgaben, von TVO und FM1 durchgeführt. Das hält unsere administrativen Kosten tief und die Wege kurz, aber auch unsere Ressourcen begrenzt.

Wen kann OhO nicht unterstützen?

Die Gesuche müssen unseren Statuten entsprechen, zum Beispiel, dass der Lebensmittelpunkt in der Ostschweiz liegt. Die Notsituation muss ausreichend begründet und die Beträge gerechtfertigt sein. OhO macht ein «Weihnachtsgeschenk» und kann nicht Menschen in langjährigen, schwierigen Lebenslagen aus der Misere holen. Zudem müssen alle erforderlichen Dokumente und Referenzen komplett eingereicht werden, sonst kann sich der Beirat kein umfassendes Bild machen und nicht entscheiden.

Wer entscheidet über die Gesuche?

Der ehrenamtliche Beirat, dem 15 Ostschweizerinnen und Ostschweizer aus Politik und Privatwirtschaft angehören.

Bis Ende November konnten Gesuche eingereicht werden. Wie viele waren es dieses Jahr?

2237 – so viele wie noch nie.

Auch die Spendensumme steigt jedes Jahr. 2017 kamen über 1,5 Millionen Franken zusammen. Wie erklären Sie sich den Erfolg von OhO?

In der Ostschweiz ist der Wunsch gross, vor Ort zu helfen. Weil Armut häufig versteckt ist, wissen viele aber nicht, wie sie helfen können. OhO ist ein Scharnier, die Weihnachtsaktion bietet diese Möglichkeit.

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