Interview

OhO-Vereinspräsidentin Barbara Benz: «Oft zeigen die kleinen Geschichten, dass Not da ist»

Die Weihnachtsaktion Ostschweizer helfen Ostschweizern (OhO) wird zum 15. Mal durchgeführt. Träger des Vereins sind das St.Galler Tagblatt, seine Regionalausgaben sowie das Ostschweizer Fernsehen TVO und Radio FM1. Im Interview spricht die neue Vereinspräsidentin Barbara Benz über das Sinnstiftende ihrer Arbeit und Gesuche, die ihr besonders nahegehen.

Katharina Brenner
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«Es bereitet mir Freude, wenn ich helfen kann»: Barbara Benz, OhO-Vereinspräsidentin (Bild: Urs Bucher/TAGBLATT)

«Es bereitet mir Freude, wenn ich helfen kann»: Barbara Benz,
OhO-Vereinspräsidentin (Bild: Urs Bucher/TAGBLATT)

Was motiviert Sie als OhO-Vereinspräsidentin?

OhO ist etwas Sinnstiftendes. Es bereitet mir Freude, wenn ich helfen kann. Die Arbeit gibt einem viel zurück und sie setzt die eigenen Probleme in Relation.

In den vergangenen zwei Jahren haben Sie die Administration von OhO betreut. Sind Ihnen bestimmte Gesuche besonders nahe gegangen?

Gleich in meiner ersten OhO-Saison hatten wir ein Gesuch von einem Mann, der im Altersheim lebt. Jeden Nachmittag hat er mit seinen Gspänli gejasst. Gerne hätte er dabei eine Apfelschorle getrunken, aber das konnte er sich nicht leisten. Also hat OhO ihm ein Apfelschorle-Jahresabo geschenkt. Oft zeigen diese kleinen Geschichten, dass Not da ist. Und ich freue mich immer besonders, wenn wir Kindern helfen können.

Wen unterstützt OhO?

Personen, die ihren gesetzlichen Wohnsitz in den Kantonen St. Gallen, Thurgau oder den beiden Appenzell haben. Einzelpersonen und Familien können ein Gesuch bei OhO stellen, aber auch Sozialämter, Altersheime oder andere Institutionen. Die Notsituation muss jeweils begründet sein.

Gibt es Bevölkerungsgruppen, die mehr Hilfe brauchen als andere?

Wir haben häufig Gesuche von working poor und Alleinerziehenden, aber es melden sich ganz verschiedene Gruppen: Jüngere, Ältere, Alleinstehende, Ehepaare und Familien. Jeder Mensch kann unerwartet in eine Notsituation geraten. OhO will hier helfen.

Wer entscheidet über die Spendenvergabe?

Der ehrenamtliche 15-köpfige Beirat unter dem Präsidium der ehemaligen Ausserrhoder Nationalrätin Marianne Kleiner. Der Beirat investiert viele Stunden, da er jedes Gesuch individuell prüft. Ich schätze die offene und angenehme Zusammenarbeit sehr.

Wird es Änderungen geben mit Ihnen als Vereinspräsidentin?

Nein, denn OhO ist bereits eine erfolgreiche Spendenaktion. Es gibt deshalb keinen Grund, etwas zu ändern. Wir bleiben unserer Philosophie treu: OhO will ein Weihnachtsgeschenk der besonderen Art machen.

Vergangenes Jahr hat OhO ­1,87 Mil­lionen Franken für Menschen in Not gesammelt. Ein Rekord. ­Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?

Die Spendenaktion hat sich etabliert. Man kennt sie. Und die Spenderinnen und Spender wissen: Das Geld bleibt in der Region. Sie helfen Menschen vor Ort. Es ist mir aber auch wichtig zu sagen, dass wir nicht auf Rekordjagd sind. Für den Verein und den Beirat zählt, dass wir Menschen helfen können.

Bis Ende November konnten Gesuche eingereicht werden. Wie viele waren es in diesem Jahr?

OhO erreichten in diesem Jahr 2120 Gesuche. Viele davon wurden durch den Beirat bereits geprüft und entschieden. Die jetzt noch offenen Gesuche werden, wenn immer ­möglich, noch vor den Festtagen bearbeitet. 

So können Sie spenden:

Weitere Informationen zur Weihnachtsaktion und zu Spenden finden Sie hier: www.tagblatt.ch/oho

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