OFFENSIVE: «Der Verband steckt noch in den Kinderschuhen»

Die Postagenturen wollen stärker auftreten. Präsident Felix Bischofberger, Altenrheiner Agenturnehmer der ersten Stunde, zur Kritik an ihrem Angebot, ihrem Verhältnis zur Post und der schweizweiten Kampagne.

Regula Weik
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Die Post im Gemischtwarenladen: Der Altenrheiner Politiker und Agenturunternehmer Felix Bischofberger will die Agenturen gegenüber der Post einen. (Bild: Keystone (Symbolbild))

Die Post im Gemischtwarenladen: Der Altenrheiner Politiker und Agenturunternehmer Felix Bischofberger will die Agenturen gegenüber der Post einen. (Bild: Keystone (Symbolbild))

Felix Bischofberger, auf Ihrer Postagentur kann ich kein Sperrgutpaket aufgeben und keine einzelne Marke kaufen. Kundenfreundlich ist anders.

Das stimmt. Ich ärgere mich auch darüber. Ich setze mich seit längerem bei der Post für Verbesserungen ein. Das Agenturangebot muss stärker auf die Kunden­bedürfnisse ausgerichtet sein. Postagenturen sind grundsätzlich in der Lage, den Service-public-Auftrag der Post zu erfüllen.

Sind Sie zu wenig hartnäckig?

Die Stimme der Postagenturen hat bisher wenig Gewicht. Die Agenturnehmer sind zu wenig organisiert. Das müssen wir ­angehen. Deshalb lancieren wir dieser Tage eine schweizweite Mitgliederkampagne bei den Agenturnehmern. Nur so erhalten wir gegenüber der Post das notwendige Gewicht.

Es gibt doch einen nationalen Postagenturverband. Ist er eine Totgeburt?

Nein. Wir waren bisher kaum ­aktiv. Der Verband steckt noch in den Kinderschuhen und wird erst jetzt richtig lanciert.

Weshalb erst jetzt? Er wurde vor zwei Jahren gegründet?

Erst mussten die Strukturen aufgebaut werden. Nun stimmen sie. Dem Vorstand gehören heute sieben Nationalräte und eine Ständerätin an; wir sind politisch breit abgestützt. Nun können wir Mitglieder werben und unsere eigentliche Aufgabe anpacken.

Bisher haben die Agentur­nehmer einzeln gekämpft. Wollen Sie künftig überhaupt gemeinsam auftreten?

Wir haben in diversen Gesprächen gespürt, dass viele Postagenturnehmer das Bedürfnis haben, sich zu vernetzen, sich auszutauschen und mit gemeinsamer Kraft für die Agenturen einzustehen und diese weiterzu- entwickeln.

Um mehr Schlagkraft gegenüber der Post zu haben?

Wir sehen uns als Partner der Post. Wir setzen uns konstruktiv für eine optimale postalische Grundversorgung der Bevöl­kerung ein. Wir sind auch keine ­Gewerkschaft. Wir stellen keine Forderungen nach einem Branchengesamtarbeitsvertrag.

Es gibt heute 850 Agenturen in der Schweiz. 200 Mitglieder bis Ende Jahr sind ein bescheidenes Ziel.

Das sehen wir anders. Ungefähr 250 Agenturen sind in Volg-Läden; sie sind nicht eigenständig. Wir sind sie daher im ersten Schritt noch nicht angegangen. Sollten wir unser Ziel von 200 Mitgliedern erreichen, wäre immerhin ein Drittel aller Agenturen im Verband vereint.

Was hat der Kunde davon?

Er soll vor dem Gang auf die Postagentur nicht mehr überlegen müssen, was er dort erledigen kann und was nicht. Dafür muss uns die Post zusätzliche Angebote erlauben wie den Verkauf einzelner Marken, die Einzahlung kleiner Beträge, die Aufgabe von Massenbriefsendungen.

Wann wird das möglich sein?

Wir haben unsere Forderungen bereits mündlich bei der Post deponiert. Zudem sind poli­tische Vorstösse eingereicht worden, die von unseren Vorstandsmitgliedern unterstützt werden.

Interview: Regula Weik