«Ich wollte die Leute erschrecken»: Offa-Böllerwerfer stehen vor Bundesstrafgericht

Vor dem Bundesstrafgericht hat der Prozess gegen die beiden Böllerwerfer von der Offa 2017 stattgefunden. Die Verteidigung verneinte eine verbrecherische Absicht.

Gerhard Lob, Bellinzona
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Einer der Böller explodierte bei einem VBSG-Bus. (Bild: Hannes Thalmann)

Einer der Böller explodierte bei einem VBSG-Bus. (Bild: Hannes Thalmann)

War es ein vorsätzlich geplantes Verbrechen? Oder einfach nur eine Dummheit, eine «unerklärliche Scheissidee»? Zwischen diesen beiden Extrempositionen bewegten sich Bundesanwaltschaft und Verteidigung in der Beurteilung der Vorgänge vom 21. April 2017 an der Frühlings- und Trendmesse Offa in St. Gallen.

Am damaligen Freitag warfen zwei junge Ostschweizer – ein heute 24-jähriger Landschaftsgärtner mit Wohnort St. Gallen und ein 26-jähriger Bodenleger aus Goldau – zwei Böller der Marke Petard Shark 5 auf die St.-Jakob-Strasse.

Vier Personen erlitten Tinnitus

Der erste Böller explodierte zwischen einem VBSG-Bus, der an der Haltestelle Passagiere aussteigen liess, und einem Postauto, das stadtauswärts fuhr. Zwei Fensterscheiben der Busse zerbarsten durch die Explosion. Rund eine halbe Stunde später detonierte ein zweiter Böller, durch den vier Personen Beeinträchtigungen am Gehör (Tinnitus) erlitten, ein Stadtpolizist zusätzlich eine Verletzung am Bein.

Die Bundesanwaltschaft ermittelte und klagte schliesslich die beiden jungen Männer an, die man dank Bildern aus der Videoüberwachung ausfindig machen konnte. Die Anklagepunkte: Gefährdung durch Sprengstoff und giftige Gase in verbrecherischer Absicht, einfache Körperverletzung, Störung des öffentlichen Verkehrs sowie mehrfache Sachbeschädigung. Der Stadtpolizist leidet bis heute unter den Folgen der Explosion, wie er gestern in einer äusserst emotionalen Stellungnahme vor Gericht erläuterte.

Die jungen Männer bestritten ihrerseits bei ihren Einvernahmen, dass sie Personen hätten schädigen wollen. Der beschuldigte Landschaftsgärtner, der aus der Fanszene des FC St. Gallen bekannt ist, gab an, sich nicht bewusst gewesen zu sein, dass der Böller einen solchen Schaden überhaupt hätte anrichten können. «Ich bereue die Tat zutiefst», fügt er an.

Warum warf er überhaupt den pyrotechnischen Gegenstand? «Ich wollte die Leute erschrecken.» Und er sei in sehr angetrunkenem Zustand gewesen – Bier, Wodka, Wein und Gin hatte er konsumiert.

Verbliebene Böller weitergegeben

In seinem Rucksack hatte er damals drei Böller. Nachdem er den ersten selbst lanciert hatte, gab er die verbliebenen Böller an andere Personen weiter, die zufällig in der Nähe waren. Kurios: Diese kannten sich untereinander nicht. Doch Tatsache ist: Der zweite Beschuldigte, der einen dieser Böller annahm, warf den pyrotechnischen Gegenstand ebenfalls auf die St.-Jakob-Strasse. Mit den erwähnten Folgen. Bundesstaatsanwältin Simone Burger hielt es als erwiesen, dass die beiden Männer gezielt und vorsätzlich gehandelt hätten, «wissentlich und willentlich». Sie forderte für den 24-jährigen, im Moment arbeitslosen Mann, der die – gemäss Schweizer Gesetz – illegalen Böller bestellt und an die Offa mitgebracht hatte, eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten, davon acht Monate unbedingt. Ausserdem eine bedingte Geldstrafe von 60 Tagsätzen à 30 Franken. Für den zweiten Beschuldigten forderte sie zwei Jahre und zwei Monate Freiheitsstrafe, davon sechs Monate unbedingt sowie eine bedingte Geldstrafe von 60 Tagsätzen à 90 Franken. Die Probezeit soll drei Jahre betragen.

Ganz anders die Verteidiger, die insbesondere in Bezug auf den Hauptanklagepunkt der Gefährdung von Personen in verbrecherischer Absicht Freisprüche forderten. Auch wenn die Folgen dieser Böllerwürfe verwerflich seien, könne ein Vorsatz für diese Tat nicht nachgewiesen werden. Es sei eine riesige Dummheit gewesen. Sie forderten für ihre jeweiligen Mandanten, das Strafmass auf Geldstrafen in Bezug auf die untergeordneten Anklagepunkte zu beschränken.

Nun liegt der Ball bei den drei Bundesstrafrichtern, welche diesen Fall beurteilen müssen. Das Urteil wird den Parteien schriftlich zugestellt.