ÖFFENTLICHER VERKEHR: Haltlos in Schmerikon

Nun steht es schwarz auf weiss: Das Seedorf wird vom Bahnverkehr abgehängt. Ein Trostpflaster sind die neuen Busverbindungen.

Fabienne Sennhauser
Drucken
Teilen
Ab dem Jahr 2020 wird der Voralpen-Express nicht mehr am Bahnhof Schmerikon halten. (Bild: Moritz Hager)

Ab dem Jahr 2020 wird der Voralpen-Express nicht mehr am Bahnhof Schmerikon halten. (Bild: Moritz Hager)

Schlechte Nachrichten für Schmerikon: Der Voralpen-Express-Halt im Seedorf wird gestrichen. Grund seien fehlende Reservezeiten und verkürzte Haltezeiten. Zu diesem Schluss kommen sowohl die SBB als auch die SOB unabhängig voneinander, wie der Kanton St. Gallen gestern mitteilte. Eine umfassende Prüfung zeige, «dass der Halt des Voralpen-Express in Schmerikon mit dem zukünftigen Angebotskonzept nicht mehr möglich ist». Die Nachteile für die ganze Region Zürichsee-Linth wären zu gross, die Stabilität des Fahrplans gefährdet. Ab 2020 wird der Voralpen-Express damit nicht mehr in Schmerikon halten. Stattdessen müssen die Schmerkner, die in die Kantonshauptstadt gelangen wollen, künftig den Bus nach Uznach nehmen.

«Schmerikon muss damit in den sauren Apfel beissen. Dafür überwiegen die Vorteile für den Rest der Region», sagt Patrick Ruggli, Leiter des Amts für öffentlichen Verkehr. Die Befürchtungen der Gemeinde haben sich damit bewahrheitet. Bereits Anfang Jahr kritisierte Schmerikon das Fahrplankonzept ab Dezember 2019 scharf. Mit einem offenen Brief hatte Gemeindepräsident Félix Brunschwiler den Kanton Anfang Jahr auf die Nachteile für die Gemeinde aufmerksam gemacht. Die Taktik, medienwirksam auf diesen Anschlussverlust aufmerksam zu machen, ging zumindest teilweise auf: Kanton, Region, Gemeinde, SBB und SOB haben sich daraufhin zu Gesprächen getroffen, um die Situation zu diskutieren. Die Sitzungsteilnehmer einigten sich damals, den Erhalt des Voralpen-Express-Halts in Schmerikon nochmals zu prüfen.

«Das ist und bleibt ein Leistungsabbau»

Geändert hat dies nichts, wie sich nun zeigt. Alle Varianten, bei denen der Voralpen-Express-Halt in Schmerikon berücksichtigt werde, würden entweder umfangreiche Infrastrukturmassnahmen nötig machen oder Stabilitätsprobleme wegen fehlender Reservezeiten und verkürzter Haltezeiten auslösen, schreibt der Kanton in seiner Mitteilung. Deshalb werde am geplanten Angebotskonzept festgehalten. Obwohl Schmerikon künftig auf den Schnellzughalt verzichten muss, verbessere sich die lokale Erschliessung der Gemeinde, hält der Kanton fest. Neu soll die Buslinie 630 Schmerikon halbstündlich mit Uznach verbinden. «Ob das geplante Angebot eine Verbesserung bedeutet, das ist ganz klar Interpretationssache», meint Gemeindepräsident Brunschwiler und betont: «Für Schmerikon ist und bleibt es ein Leistungsabbau.» Reisende von Schmerikon nach St. Gallen müssten in Uznach künftig innert drei Minuten das Perron wechseln. «Und wer in die Innerschweiz will, der muss einen halbstündigen Aufenthalt in Rapperswil in Kauf nehmen.» Bei aller Kritik: Brunschwiler kann den Entscheid des Kantons dennoch nachvollziehen. «Die Vorteile für die gesamte Region überwiegen. Wir nehmen dies zur Kenntnis.»

Fabienne Sennhauser

ostschweiz@tagblatt.ch