Thurgauer Obergericht
Aktuell befindet sich noch ein Beschuldigter in Haft +++ Mord, Gewalt, Drogen: Der Berufungsprozess im Fall Kümmertshausen am Thurgauer Obergericht Frauenfeld beginnt im September

Am 15. September 2021 beginnt vor dem Obergericht das Berufungsverfahren im Fall Kümmertshausen. Die Verhandlungen sind öffentlich und dauern voraussichtlich bis Mai 2022. Die Anklageschrift umfasst 1200 Seiten.

Alain Rutishauser und Francesca Stemer
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In diesem Haus im Weiler Löwenhaus bei Kümmertshausen wurde im November 2010 eine Leiche entdeckt.

In diesem Haus im Weiler Löwenhaus bei Kümmertshausen wurde im November 2010 eine Leiche entdeckt.

Bild: Reto Martin

Das Berufungsverfahren im Fall Kümmertshausen startet am 15. September 2021. Der erste Verhandlungsblock zu den Vorfragen wird am 15., 21. und 22. September 2021 durchgeführt. Thomas Soliva, Kommunikationsbeauftragter Obergericht Thurgau, erklärt: «Aus Platzgründen wird der erste Verhandlungsblock im Casino Frauenfeld durchgeführt. Denn bei den ersten Verhandlungen werden alle Parteien anwesend sein.» Die Polizei werde entsprechende Kontrollen durchführen.

Für die weiteren Verhandlungsblöcke werden maximal vier Parteien anwesend sein, darum werden diese Verhandlungen um 8.30 Uhr im Obergericht in Frauenfeld durchgeführt.

Das Obergericht veröffentlicht die Daten fortlaufend im Internet. Die Verhandlungen sind öffentlich, der Zutritt ist aber beschränkt. Die interessierten Besucher müssen sich aus Sicherheitsgründen ausweisen und vorgängig anmelden.

Zwölf der 14 Angeklagten wurden bereits verurteilt

Nach 46 Verhandlungstagen sprach das Bezirksgericht Kreuzlingen mit Urteil vom 22. Januar 2017 respektive 12. März 2018, berichtigt durch den Beschluss vom 9. April 2018, zwölf der insgesamt 14 Angeklagten in verschiedenen Anklagepunkten schuldig. Gemäss der Medienmitteilung des Thurgauer Obergerichts wurden sie zu mehrmonatigen bis hin zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt. Die beiden übrigen Beschuldigten sprach das Bezirksgericht von allen Vorwürfen frei.

Acht der 14 Beschuldigten gelangten gegen das Urteil des Bezirksgerichts an das Obergericht. Aktuell befindet sich noch ein Beschuldigter in Haft. Die Beschuldigten beantragen zusätzliche Freisprüche sowie teilweise eine Entschädigung für die erstandene Haft. Die Staatsanwaltschaft erklärte in sieben Fällen Berufung oder Anschlussberufung. Sie fordert zusätzliche Schuldsprüche sowie die Erhöhung der Strafen und in einem Fall die Verwahrung.

Betreffend fünf Angeklagte ist das Urteil des Bezirksgerichts in der Zwischenzeit in Rechtskraft erwachsen. Ein Beschuldigter ist während des Berufungsverfahrens verstorben.

Vorgeschichte:

Im November 2010 wurde in Kümmertshausen ein Mann tot in seinem Wohnhaus aufgefunden. Die rechtsmedizinische Untersuchung ergab, dass sein Tod durch Fremdeinwirkung eintrat. Die Strafverfolgungsbehörden ermittelten, dass mehrere Personen an der Tötung beteiligt waren. Im Laufe der Ermittlungen wurde bei den im Zusammenhang mit der Tötung ermittelten Personen die Beteiligung an weiteren Delikten festgestellt. Dabei handelte es sich insbesondere um Drogen- und Gewaltdelikte sowie Menschenschmuggel. Die Staatsanwaltschaft fasste sämtliche Straftaten, die sie im Laufe der Untersuchungen ermittelte, in einem einzigen Verfahrenskomplex zusammen, der gemeinhin als Fall Kümmertshausen bezeichnet wird. 

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