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OBERBÜREN: In der heilen Welt der Chöre

2500 Sängerinnen und Sänger haben das Kantonale Gesangsfest zu einem wunderbaren Anlass unter Gleichgesinnten gemacht. Nur: Ist das noch zeitgemäss?
Michael Hasler
Mitglieder des Männerchors Mühlrüti bei ihrem Auftritt vor Jury und Publikum. (Bilder: Benjamin Manser)

Mitglieder des Männerchors Mühlrüti bei ihrem Auftritt vor Jury und Publikum. (Bilder: Benjamin Manser)

OBERBÜREN. Ein Plakat am Dorfladen in St. Gallen-St. Georgen wirbt am Samstagmorgen mit einem spannenden Reiseangebot: «Freies Chorsingen in der Wüste». Eine Überlegung wäre dies wert. Die Menschen, die vier Stunden später am St. Galler Kantonalgesangsfest in Oberbüren ihre Lieder vortragen, wollen mehrheitlich nicht in die Wüste. Sie wollen hier sein – genau hier – so, wie das schon immer war.

Vor Ort am Gesangsfest wird einem als urbanem Mittvierziger mit durchaus offenem Kulturbegriff schon innert weniger Minuten klar: Dies ist ein Anlass, dessen Spielregeln man sich erschliessen muss oder den man ansonsten so rasant wie möglich hinter sich lassen muss. Unglaublich, wie akribisch die Organisatoren dieses grossangelegte Chorfest durchgetaktet haben. Der über 200 Seiten mächtige Festführer hält auch beim zweieinhalbstündigen Rundgang, was die minutiösen Planungsarbeiten versprechen.

Blazer, Gilets und Foulards

Für jemanden, dem das traditionelle Chorsingen etwa so fern liegt wie die Imkerei, stellen sich hier zuerst einmal eine Reihe von Fragen: Wieso trägt das Gros der Gospelchorsängerinnen schwarze Grundkleidung und dazu einen pastellfarbenen Foulard? Und wieso sehen die Uniformen bei etlichen traditionellen Männerchören noch immer so aus, wie sie dies schon vor 30 Jahren im Saal der «Krone» Marbach taten? Und wieso müssen die Chormitglieder bei schwülen 25 Grad unter den oft arg traditionell geschnittenen Blazern zusätzlich ein Gilet tragen? Vielerorts scheint die Zeit in Oberbüren stillgestanden zu sein. Vielerorts sind Sozialromantik und Tradition die Säulen dieser Veranstaltung – die Welt mit ihren komplexen Fragen und soziokulturellen Umbauarbeiten bleibt aussen vor. Natürlich kann und soll man genau diese Illusion einer heilen Schweizer Welt an solchen Kantonalgesangsfesten lieben – wenn da nur nicht überall dieses nagende, unbequeme Chorsterben wäre.

Gesangsfest (Bild: Benjamin Manser)Gesangsfest (Bild: Benjamin Manser)
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Dreitägiges Gesangsfest in Oberbüren

Wöchentliche Probe

Die Spurensuche danach, wieso beispielsweise im Kanton Zürich in den vergangenen zehn Jahren rund ein Viertel der Männerchöre weggebrochen ist, beginnt beim Schulhaus Brühlacker. Dort hat der Chlustobelchor Brülisau/Weissbad gerade eben seinen Vortrag gehalten. Die Männer seien bereits in der Festwirtschaft, erklärt eine besonders offene Sängerin augenzwinkernd und ruft ihre Präsidentin herbei. Natürlich tragen beide Frauen eine schwarze Grundkleidung, dazu einen orangen Schal. Präsidentin Regula Fritsche ist eine aufgestellte Frau, die sich altersmässig nur schwer schätzen lässt. Offen sagt sie, dass es nicht einfach sei, Nachwuchs für den Verein zu finden und auch finanziell stehe ihnen nicht einfach ein Beitrag zur Verfügung. «Wir proben wöchentlich, und das aktuelle Gesangsfest ist schon so etwas wie ein Jahreshöhepunkt», erklärt sie.

Überalterung als Hauptproblem

Im Vortragssaal des Schulhauses Brühlacker ist die Luft weggeatmet und gegen 30 Grad warm. Auf der Bühne kämpft gerade ein Männerchor gegen die Hitze und die nicht berauschende Akustik des Saals an. Auch Verena Niedermann, die im Gospelchor Stäfa singt, gehört zu den Zuhörerinnen. Der Kampf gegen die Hitze ist das eine, der Kampf mit der Rhythmik und der Intonation das andere. Dann und wann schmerzt es im Ohr, wie auch Verena Niedermann durchblicken lässt. Sie selber singt in einem grossen Chor, der nebst Gospels auch Musicals und allerlei zeitgenössische Musik aufführt. Klar ist die Nachwuchsförderung auch in Stäfa ein Thema, aber lange kein so virulentes wie bei vielen traditionellen Männerchören. Als Argument für das Männerchorsterben wird immer wieder das nicht unbedingt aktuelle Repertoire aufgeführt; ein zweiter Diskussionspunkt ist die Überalterung. Beim Chor, der gerade auf der Bühne steht, dürfte das Durchschnittsalter um die 60 liegen und ja, das Répertoire ist abenteuerlos und brav.

Nach über zweistündigem Erkunden dieser eigenen Welt sind die Regeln klar, die Fragen indes sind geblieben. Jene etwa, wieso die Chöre gefühlt (natürlich ist das nicht empirisch belegt) zu 95 Prozent aus Schweizerinnen und Schweizern bestehen, obwohl doch gerade Musik eine grandiose integrative Kraft hätte. Oder: Wieso muss die Tradition musikalisch und visuell noch immer diesen ungeheuren Stellenwert haben? Oder: Für welche jungen Menschen funktioniert die Vereinsstruktur mit wöchentlichen Proben im Jahr 2016 tatsächlich noch?

Temporäre Chöre haben Zulauf

Chorsterben hin oder her: Fakten belegen, dass Chöre mit einem klaren musikalischen Profil oder solche, die projektartig und auf Zeit formiert werden, sogar Wartelisten aufweisen. Christian Theilkäs, Präsident des Zürcher Kantonal-Gesangsvereins, sagte 2014, dass bis in dreissig Jahren das Gros aller traditionellen Männerchöre verschwunden sein könnte. Trotz grandioser Organisation, liebenswürdiger Menschen und viel Herzblut dürfte das Gesangsfest in Oberbüren keine Antworten auf diese drängendste Frage nach dem Fortbestand von traditionellen Chören geliefert haben.

Drei Tage im Zeichen des Singens: 94 Chöre nahmen am St. Galler Kantonalgesangsfest in Oberbüren teil. Am Festakt am Samstagnachmittag sang auch das Publikum mit. (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

Drei Tage im Zeichen des Singens: 94 Chöre nahmen am St. Galler Kantonalgesangsfest in Oberbüren teil. Am Festakt am Samstagnachmittag sang auch das Publikum mit. (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

OBERBÜREN 28.05.16 - Das 29. St. Galler Kantonale Gesangsfest in Oberbüren. IM BILD: Mitglieder des Männerchors Mühlrüti während ihrem Auftritt im Brühlackersaal in Oberbüren. © Benjamin Manser / TAGBLATT (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

OBERBÜREN 28.05.16 - Das 29. St. Galler Kantonale Gesangsfest in Oberbüren. IM BILD: Mitglieder des Männerchors Mühlrüti während ihrem Auftritt im Brühlackersaal in Oberbüren. © Benjamin Manser / TAGBLATT (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

OBERBÜREN 28.05.16 - Das 29. St. Galler Kantonale Gesangsfest in Oberbüren. IM BILD: Der Festakt. © Benjamin Manser / TAGBLATT (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

OBERBÜREN 28.05.16 - Das 29. St. Galler Kantonale Gesangsfest in Oberbüren. IM BILD: Der Festakt. © Benjamin Manser / TAGBLATT (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

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