Interview

Festival-Chef Christof Huber zum neuen Programm des Open Air St.Gallen: «2018 waren wir mit den Headlinern zu alt»

Seit dem 1. Januar veröffentlichen die Organisatoren des Open Air St.Gallen täglich einen neuen Act. «Die Leute sollen sich auch mit den kleineren Künstlern auseinandersetzten», sagt Festival-Chef Christof Huber.

Tim Naef
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Die Organisatoren des Open Air St.Gallen wollen das Programm für das kommende Festival verjüngen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Organisatoren des Open Air St.Gallen wollen das Programm für das kommende Festival verjüngen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Sie veröffentlichen nun jeden Tag einen neuen Act für das Open Air St.Gallen. Weshalb die neue Ankündigungsform?

Christof Huber: Die Besucher haben so Zeit, sich mit den Bands auseinanderzusetzen. Die Leute sollen über das Programm sprechen. Am 24. Januar haben sie einen Überblick, um sich ein Urteil zu bilden.

Das wäre aber auch mit einer klassischen Ankündigung gegangen.

Das kann sein. Wir hätten das Programm auf jeden Fall nicht vor dem  24. Januar angekündigt und den Vorverkauf am 4. Februar gestartet. Die Leute sollen eine gewisse Vorlaufzeit haben. Sie sollen wissen, für was sie ein Ticket kaufen.

Christof Huber, Chef des Open air St.Gallen. (Bild: Mareycke Frehner)

Christof Huber, Chef des Open air St.Gallen. (Bild: Mareycke Frehner)

Das Ganze hat also nichts mit Sparmassnahmen im Marketing zu tun?

Im Gegenteil. Für unser Marketing und Social-Media-Team ist der Aufwand mit der jetzigen Ankündigungsform um einiges grösser. Wir müssen uns mit jeder einzelnen Band absprechen, wann wir was bekannt machen dürfen.

Schaut man sich bei Social Media um, dann stösst dieses Vorgehen nicht auf grosse Gegenliebe. 

Die Sozialen Medien sind so eine Sache. Leute, die sich beschweren gibt es immer. Würden wir uns jedes mal anpassen, wenn sich jemand beschwert, müssten wir das Festival wohl gar nicht mehr durchführen.

Knöppel, Rin und Leoniden. Die ganz grossen Brüller sind das aber noch nicht. War es ein bewusster Entscheid, mit eher kleinen Band zu beginnen?

Wir setzen auf Abwechslung. Da kann es schon mal sein, dass zuerst regionale und kleinere Bands veröffentlicht werden. Gleichzeitig ermöglichen wir den eher unbekannteren und regionalen Acts mehr Aufmerksamkeit. Die Leute sollen sich auch mit den kleineren Künstlern auseinandersetzten.

Die grossen Headliner kommen aber noch?

Die Ärzte sind ja bereits bestätigt und die Reaktionen auf Rin sind sehr gross. Aber wie gesagt, wir setzen auf Abwechslung. Natürlich werden wir in den nächsten Tagen auch grössere Namen veröffentlichen.

Inwieweit steht das Programm denn schon?

Ende Januar wird in etwa die Hälfte des Line-ups bekannt sein. Wir werden am 24. Januar also kein komplettes Programm veröffentlichen. Das würde auch keinen Sinn machen.

Sie wissen aber natürlich schon mehr.

Wir verhandeln laufend mit neuen Künstlern. Das «Booking» ist ein stetiger Prozess. Im Verlauf des Januars werden bestimmt noch neue Künstler dazukommen und auch zu einem späteren Zeitpunkt.

Fix ist der Auftritt von Rin. Wollten Sie mit dem Rapper, welcher mit Autotune (Stimmverzerrer) arbeitet, ein jüngeres Publikum ansprechen?

Das hat schon sein Wahres. Wir müssen zugeben: Im vergangenen Jahr waren wir mit den Headlinern vermutlich zu alt. Unser Publikum ist sehr durchmischt. Eine Verjüngung des Programms ist deshalb sicher angebracht, damit wir auch die 16- bis 20-Jährigen noch klarer ansprechen. 

Die Ärzte, Knöppel, Rin und Leoniden

Die Ärzte aus Deutschland sind der bislang bekannteste Act am Open Air St.Gallen 2019. Dass die Punkband ins Sittertobel kommt, weiss man seit längerem. Seit dem 1. Januar 2019 veröffentlichen die Organisatoren nun täglich einen neuen Künstler; dies bis zum 24. Januar. Gleich zu Jahresbeginn wurde bekannt, dass  Lokalmatador Jack Stoiker mit seiner Band Knöppel sich die Ehre geben wird. Mittlerweile sind zwei weitere Acts bekannt: Der deutsche Rapper Rin und die Indie-Rock-Band Leoniden. (tn)