«O Premier» St. Gallen: klassisch-eigenwillige Kochkunst

Es gibt Restaurants, die sehr nach innen gerichtet sind, oder die zwischen innen und aussen eine Balance suchen. Das «O Premier» im Hotel Metropol dagegen schaut ganz nach aussen, was nicht weiter erstaunt.

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Es gibt Restaurants, die sehr nach innen gerichtet sind, oder die zwischen innen und aussen eine Balance suchen. Das «O Premier» im Hotel Metropol dagegen schaut ganz nach aussen, was nicht weiter erstaunt.

Blick auf den Platz

Man blickt hier nämlich aus grossen Fenstern von der ersten Etage auf den St. Galler Bahnhofplatz hinunter und wird unablässig unterhalten von Bussen und Postautos, die ein- und ausfahren, oder von Autos, die Passagiere und Gepäck zu den Zügen bringen. So ist stets etwas los, und auch jene, die allein an ihren Tischen sitzen und vermutlich Hotelgäste sind, dürften einen kurzweiligen Abend verlebt haben. Die Platzierung der Tische trägt den örtlichen Vorzügen Rechnung: fast alle stehen sie am Fenster, der Innenraum ist von ihnen durch Pfeiler abgetrennt.

Es ist also unterhaltsam hier oben, dazu gemütlich und von einigem kulinarischem Reiz. Die schon von wärmeren Temperaturen kündende Speisekarte verspricht einiges, zuallererst sticht die «Vorfrühlingsschlemmerei» ins Auge – in sechs (zu 88.–) oder drei Gängen (zu 60.–). Einiges davon findet sich auch auf der Karte, weiter Vorspeisen wie Pouletleberli mit Nüsslisalat (15.50) oder Winterravioli (21.80), Fischkreationen wie die Fischrhapsodie mit Crevetten, Jakobsmuscheln und Seeteufel (39.80) oder den Loup-de-Mer auf Lauchgemüsebett (39.–) oder Fleischgerichte wie Cordon-Bleu (36.–), Kalbsgeschnetzeltes (38.–), Mistkratzerli (36.–) oder Hackbraten (20.–).

Schöne Offenweine

Die «Vorfrühlingsschlemmerei» in ihrer Üppig-Version hat es uns rasch angetan, das zweite Menu stellen wir aus der Karte zusammen. Wir trinken dazu zuerst zwei Deziliter des angenehm dezenten Soave Classico Superiore IGT (Suavia) von 2004 (der Deziliter zu 7.50) und wechseln beim Lamm von weiss zu rot, das heisst zum kräftig-fruchtigen Chaminé Vinho Regional Alentejano (Cortes de Cima) von 2005 (7.– pro Deziliter).

Bohnensuppe und Nüdeli

Der Einstieg ist kräftig auf der einen, zart auf der andern Seite. Das Katersüppchen der «Schlemmerei» entpuppt sich als kräftige serbische Bohnensuppe mit Fleischwürfeln, während das indische Curryschaumsüppchen mit Riesencrevetten (9.50) mehr auf feine Zwischentöne setzt. Dann kommen die zart grillierten Jakobsmuscheln des Sechsgängers auf den Tisch und ein Wintersalat mit Matjes-Heringrollen und einer wundervoll luftigen Apfelquark-Mousse (16.50).

Nicht entgehen lassen sollte man sich die O-Premier-Nüdeli mit fein gehackten Oliven und Gemüse (15.80), sie bereiten den Hauptgang vor: Im Falle der «Vorfrühlingsschlemmerei» ein Kalbsmedaillon Piemonteser Art mit Haselnusskruste und Barolo-Jus, und wirklich sehr zarte, innen rosa und aussen kräftige Lammracks (36.–). Dazu werden eine wirklich sehr knusprige Rösti und Gemüse serviert. Den Abschluss machen nach einem Käse-Zwischenspiel «Nonnenfürzli» mit Vanille-Mohn-Mousse und ein Gratin von Ananas, Limetten, Rahmglace, Amarettistückchen und Cointreau-Schaum (12.50).

Unser Eindruck: Das «O Premier» im Hotel Metropol setzt aufs Saisongerechte und versieht die klassische Küche gern mit eigenwilligen Akzenten. Die Aussichtslage über dem Bahnhofplatz verleiht dem schönen Restaurant einen eigenen Reiz. (R.A.)


Visitenkarte

O Premier, St. Gallen

Bahnhofplatz 3, 9001 St. Gallen, Rico und Brigitte Bloch-Aeby, Tel. 071 228 32 32,

Fax 071 228 32 00,

info@hotel-metropol.ch

www.hotel-metropol.ch

Öffnungszeiten: Montag– Samstag 11.00–14.30 Uhr, 17.00–24.00 Uhr. Sonntag geschlossen.

Karte: Hauptspeisen 20.– bis 39.50

Besonderes: Das «O Premier» ist mit seinen 90 Plätzen Teil des Hotels Metropol.

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