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Nichts für Weicheier: Der erste Zombiefilm der Schweiz mit dem Herisauer Philipp Eugster wird demnächst im Kino gezeigt

Der Film «Nutshot» ist der «erste und beste Zombiefilm der Schweiz». Ende August wird er zum ersten Mal über die Kino-Leinwand flimmern. Auch in Herisau, dem Heimatort von Zombie-Darsteller und Co-Produzent Philipp Eugster, ist eine Vorführung geplant.
Claudio Weder
Der Herisauer Philipp Eugster hat sich mit seiner Rolle als Zombie im Film «Nutshot» einen Traum erfüllt. (Bild: PD)

Der Herisauer Philipp Eugster hat sich mit seiner Rolle als Zombie im Film «Nutshot» einen Traum erfüllt. (Bild: PD)

Mit «Nutshot» haben sich der Winterthurer Regisseur Heiko Muuss und der Herisauer Laienschauspieler Philipp Eugster Grosses vorgenommen: Es sollte der beste Zombiefilm der Schweiz werden. Und auch das kürzlich veröffentlichte Filmplakat verspricht viel: «Bildgewaltiges, grosses Schweizer Horrorkino», prangt in schwarzer Schrift auf feuerrotem Hintergrund, darunter der Satz: «Ein wahrhaftiger Tritt in die Eier, dieser Nutshot.»

Wer die Filmemacher kennt, weiss, dass sich in dieser Ankündigung mehr Ironie als Eigenlob verbirgt. Schliesslich ist «Nut­shot» allein schon deshalb der beste Zombiefilm der Schweiz, weil hierzulande bislang kein weiterer Film dieser Art realisiert wurde. Nach vier Jahren ist «Nut­shot» nun fertig – und soll den Horrorfans nicht länger vorenthalten werden: Ende August wird der Zombiestreifen in Winterthur vorgeführt. Die eigentliche Premiere soll aber in Herisau stattfinden, voraussichtlich an einem Sonntagabend im September. «Ein genaues Datum steht noch nicht fest, doch die ersten Gespräche mit dem Cinétreff-Inhaber verliefen positiv», erzählt Philipp Eugster aka Don Philippo, der in «Nutshot» einen Zombie spielt.

Das Filmplakat zu «Nutshot» verspricht viel. (Bild: PD)

Das Filmplakat zu «Nutshot» verspricht viel. (Bild: PD)

Nur etwas für Hartgesottene

Die Handlung des Films ist schnell erzählt: Im Zentrum stehen zwei vom Schicksal gebeutelte Anti-Helden, die mit einem Waffenhandel ihren finanziellen Totalabsturz abwenden möchten. Auf einem brachliegenden Industriegelände, auf dem früher illegal Chemikalien entsorgt wurden, treffen sich die beiden Möchtegerngangster mit einem Waffendealer, dem sie ein paar Knarren andrehen wollen. Doch just vor der Übergabe bricht auf dem Fabrikgelände eine Zombie-Epidemie aus.

Was folgt, ist ein aufwendig inszeniertes Gemetzel, das nur etwas für Hartgesottene ist: Rollende Köpfe, meterweit spritzender Blutmatsch und Eingeweide, die aus aufgeschlitzten Zombieleibern treten – dazu eine Portion Fäkalhumor, mit dem die Filmemacher dem Splatter-Genre alle Ehre machen. Mitten drin im Gemetzel: der Zombie mit dem weissen, blutverspritzten Kittel, gespielt von Philipp Eugster.

Zombie-Rolle hin oder her: Im normalen Leben ist Eugster ein friedlicher Typ. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Herisau und verdient sein Geld als Küchenchef. Mit seiner Rolle als Zombie in «Nutshot» hat sich der 35-Jährige einen Traum erfüllt. Seit früher Kindheit ist er bekennender Horrorfan und spielt nicht zum ersten Mal in einem Filmprojekt von Heiko Muuss mit. Einen Zombie zu spielen – und dies in einem Film mit Spielfilmlänge –, sei für ihn aber dennoch Neuland gewesen, erzählt Eugster. Wohl deshalb seien ihm die Dreharbeiten zu «Nutshot» positiv in Erinnerung geblieben – auch wenn er hie und da von Maden angeknabbert worden sei und die Erfahrung machen musste, dass Kunstblut widerlich schmeckt.

Eugster ist froh, dass das «Monsterprojekt» nun abgeschlossen ist. «Es war eine Zangengeburt», erzählt er. Immer wieder sei dem Filmteam das Geld ausgegangen, was die Dreharbeiten verzögerte. Insgesamt beliefen sich die Kosten des Films auf mehrere zehntausend Franken. Finanziert wurde das Projekt zum einen via Crow­­­­­­­d­­­­funding, zum andern durch private Investitionen von Heiko Muuss. Als Ende 2018 die letzte Szene im Kasten war, mussten noch weitere hundert Stunden in die Vertonung, das Coloring und die Spezialeffekte investiert werden. Auf Letztere legten die Macher von Anfang viel Wert.

«Besonders aufwendig war es, den Grindhouse-Look zu erzeugen, einen speziellen Retro-Look, der an Filme der 1970er- und 1980er-Jahre erinnert», sagt Eugster. Genauso viel Geduld sei bei der Produktion einer Szene gefragt gewesen, die komplett im Stil von «South Park» animiert ist, oder beim Ertüfteln neuartiger Kameraführungstechniken: «Um aussergewöhnliche Perspektiven zu erzeugen, wurde die Kamera auf einem Stück Toastbrot, einer Zahnbürste oder einem Gewehr positioniert.»

Bei den Dreharbeiten zu «Nutshot» floss viel Kunstblut. Links im Bild: Regisseur und Hauptdarsteller Heiko Muuss. (Bild: PD)

Bei den Dreharbeiten zu «Nutshot» floss viel Kunstblut. Links im Bild: Regisseur und Hauptdarsteller Heiko Muuss. (Bild: PD)

«Ein geschmackloser Gore-Kracher»

Eine Mühe, die sich auszahlte. Denn für die einfallsreichen Kameraeinstellungen gab es Lob vom Horror-Magazin «Virus», das dem ersten Schweizer Zombiefilm in seiner letzten Ausgabe eine Kurzkritik widmete. Darin findet der Renzensent jedoch auch weniger schmeichelhafte Worte:

«Das Endprodukt ist ein mit ohne Geld gedrehter, geschmackloser Gorekracher, dessen Drehbuch auf einem Blatt Klopapier Platz findet.»

Was zunächst nach einem gnadenlosen Verriss tönt, ist für die «Nutshot»-Macher aber ein genauso grosses Kompliment wie das Fazit der Rezension, das kurz und bündig lautet: «charmanter Megatrash!» Eugster ist stolz: «Das Geschmacklose gehört nun mal zu diesem Genre. Es zeigt, dass wir alles richtig gemacht haben.»

Ebenso erfreulich sei, dass auch einzelne Horrorfestivals Interesse an «Nutshot» bekundet hätten: In den kommenden Monaten soll der Film in Kroatien, Brasilien, Deutschland und Österreich über die Leinwand flimmern. Zudem wird er ab Ende Jahr auch auf Blue Ray erhältlich sein. In den offiziellen Handel wird «Nutshot» aber wohl nicht kommen: «Er würde mit grösster Sicherheit zensiert werden», sagt Eugster und lacht.

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