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Nur noch ein Zeugnis pro Jahr: Kanton St.Gallen ändert die Beurteilung der Primarschüler

Der Kanton St. Gallen führt an den Primarschulen Jahreszeugnisse ein. Bei der Beurteilung der Schülerinnen und Schüler fällt nebst den Noten das Arbeits- und Sozialverhalten stärker ins Gewicht.
Adrian Vögele
(Bild: Hanspeter Schiess)

(Bild: Hanspeter Schiess)

Die Primarschülerinnen und Primarschüler im Kanton St. Gallen erhalten auch in Zukunft Zeugnisnoten – allerdings in grösseren Abständen als bisher. Ab dem Schuljahr 2020/21 wird ein neues Beurteilungskonzept angewendet – es ist Teil des neuen Lehrplans Volksschule, den der Kanton phasenweise einführt.

In der 3.  bis 6.  Klasse gibt es künftig Jahres- statt Semesterzeugnisse. Dieser Standard habe sich bei der 2. Klasse bereits bewährt, heisst es in einer Mitteilung des Bildungsdepartements. Im Zeugnis werden weiterhin Fachnoten verteilt. Für den Übertritt der Kinder in die nächste Klasse ist allerdings nicht mehr die Notensumme entscheidend, sondern «die Gesamtbeurteilung aller Schulleistungen und des Verhaltens». Die Zeugnisnote für die Arbeitshaltung entfällt, dafür werden die Lehrerinnen und Lehrer künftig eine «dokumentierte Beurteilung des gesamten Arbeits-, Lern- und Sozialverhaltens» ihrer Schüler abgeben. Stärken will der Kanton auch das Elterngespräch – und macht verbindliche, stufengerechte Vorgaben dazu, was im Gespräch thematisiert werden soll.

Oberstufe behält Semesterzeugnisse bei

Anders als in der Primarschule bleiben in der Oberstufe die Semesterzeugnisse bestehen. Auch stehen hier weiterhin die Fachnoten im Vordergrund: Für die Promotion der Schüler ist die Leistung in den Kernfächern zentral. «Der Erziehungsrat wird Fächer und Beurteilung bestimmen und zeitgerecht kommunizieren», heisst es im Communiqué des Kantons.

Dass die Volksschule die Kinder und Jugendlichen mit Noten beurteilt, ist im Kanton St.Gallen Gesetz: Das Kantonsparlament stimmte 2015 einer entsprechenden Motion der SVP zu. Mit der Einführung des Lehrplans 21 bestehe die Gefahr, dass dieses «bewährte Mittel der Leistungsbeurteilung» wegfalle und mit Wortzeugnissen ersetzt werde. Die SVP befürchtete statt der Noten «schwammige und schwer zu interpretierende Kommentare». Die anderen bürgerlichen Fraktionen unterstützten die Motion, gegen den Widerstand von SP und Grünen. Bei der Anpassung des Gesetzes vor zwei Jahren entschied das Parlament zudem, die Beurteilung mit ganzen und halben Noten vorzuschreiben. Damit steht es den Schulgemeinden nicht mehr frei, auf halbe Noten zu verzichten. Zuvor hatte der Entscheid der Stadt St. Gallen, nur noch ganze Noten zu setzen, Diskussionen ausgelöst.

Ethik-Unterricht beschäftigt den Erziehungsrat

Der neue Lehrplan wird an den St. Galler Schulen seit 2017 angewendet. Der Erziehungsrat hat die Rückmeldungen von Lehrpersonen und Schulleitungen analysiert und plant auf das Schuljahr 2020/21 erste Anpassungen. So seien im Fach Wirtschaft, Arbeit Haushalt (WAH) in der Oberstufe organisatorische Änderungen nötig. Ausserdem will der Erziehungsrat im Austausch mit der Regierung das umstrittene Fach Ethik, Religionen, Gemeinschaft (ERG) thematisieren. Heute können die Schülerinnen und Schüler wählen zwischen dem Fach ERG Kirche, das von Lehrkräften der Landeskirchen unterrichtet wird, und ERG Schule, für das die Lehrer der Volksschule zuständig sind. St. Gallen hat damit eine schweizweit einzigartige Lösung, die bei Eltern teils auf Irritation stiess. So gab es Werbeaktionen, mit denen die «Anbieter» der beiden ERG-Richtungen die Jugendlichen für sich gewinnen wollten.

Insgesamt läuft die Einführung des neuen Lehrplans aus Sicht des Erziehungsrats gut. Man nehme Impulse der Schulleitungen für die weitere Entwicklung auf. Ein «pragmatisches» Vorgehen sei auch deshalb vernünftig, weil Lehrmittelverlage ihre Produkte nicht auf einen Schlag umstellen könnten, sondern diese schrittweise modernisieren müssten.

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