Interview

«Nur Erdnüsse kommen uns nicht ins Haus»: Monica Müller, Chefin von Chocolat Bernrain, über neue Schoggi-Trends

Monica Müller führt das Familien­unternehmen Chocolat Bernrain in Kreuzlingen. Für den fairen Handel reist sie um die halbe Welt und stösst dabei immer wieder auf neue Schoggi-Kreationen.

Desirée Müller
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Chocolat-Bernrain-Chefin Monica Müller begutachtet die Hasen-Produktion.

Chocolat-Bernrain-Chefin Monica Müller begutachtet die Hasen-Produktion.

Bild: Reto Martin

Sie haben sicher schon als Kind viel Schokolade gegessen...

Monica Müller: Obwohl meine Eltern eine Schokoladenfabrik führten, hatten wir selten Schoggi zu Hause. Ab und zu brachte mein Vater eine neue Kreation mit und wir Kinder durften sie testen. Das Thema Schoggi war nicht so präsent im Alltag, wie man vielleicht vermuten würde.

War Ihnen früh klar, dass Sie einmal die Firma übernehmen werden?

Mein erster Berufswunsch war Bäuerin. Später begeisterte ich mich für den Beruf der Lehrerin. 15 Jahre lang habe ich mit Freude unterrichtet. Erst 2001 trat ich ins Familienunternehmen ein.

War es schwierig, den Posten Ihres Vaters zu übernehmen?

Es war wunderbar, dass wir noch einige Jahre zusammen die Firma führen konnten. Mein Vater führte mich Schritt für Schritt ins Unternehmen ein. Ich bin dankbar, dass er mir viele Jahre als Unterstützung und Gesprächspartner zur Verfügung stand.

Was haben Sie alles verändert?

Zum Beispiel duzen wir uns alle. Das war unter seiner Leitung kein Thema. 2013 konnten wir die Produktion unserer Tochterfirma im Tessin modernisieren. Aktuell realisieren wir einen Erweiterungsbau in Kreuzlingen.

Bisher wurden unzählige Schoggirezepte von Ihnen und Ihren Mitarbeitern entwickelt. Werden die Rezepturen so gut gehütet wie bei Coca Cola?

Früher war das in der Tat so – heute ist es jedoch schwierig, ein Rezept mit den strengen Deklarationsangaben geheim zu halten. Aber es kommt nicht nur auf die Zutaten an, sondern auch auf das Produktions-Know-how.

Chocolat Bernrain ist bekannt für spezielle Schoggi-Kreationen...

Da wir hauptsächlich Schokolade nach Kundenwünschen anfertigen, gibt es da wirklich sehr spezielle Kreationen. Ich denke an eine Schoggi mit Lila Kartoffelchips. Es sind wenig Grenzen gesetzt. Nur Erdnüsse kommen uns nichts ins Haus, da sie höchst allergen sind.

«Auch wollte ein Kunde einmal Hundeschoggi bei uns produzieren. Diesen Auftrag haben wir dann dankend abgelehnt. »

Chilli, Salz, Tee – wie entstehen Schokoladen-Trends?

Die Trends richten sich nach dem Bedürfnis der Kunden. Vegane Schokolade mit Kokos- oder Haselnussmilch statt Kuhmilch zum Beispiel, trifft seit einigen Jahren den Nerv der Zeit und verkauft sich sehr gut. Eine Linie mit fein verriebenen Teekräutern wie Minze konnte sich hingegen nicht durchsetzen.

Wie fühlen Sie sich, wenn Sie eine Schokolade aus dem Sortiment nehmen müssen?

Produkte abzusetzen ist immer schwierig. Wir investieren in jede Neukreation viel Zeit und Herzblut. Von der Idee über die Entwicklung zur Produktion vergeht meistens ein Jahr. Eine lange Zeit, während der man sich mit einem Produkt beschäftigt.

Monica Müller führt das Familienunternehmen in dritter Generation.

Monica Müller führt das Familienunternehmen in dritter Generation.

Bild: Reto Martin

Bald ist Ostern. Wann haben Sie mit der Produktion von Schoggihasen begonnen?

Ende Oktober letzten Jahres haben wir damit begonnen. Dadurch, dass sie bei uns optimal gelagert werden, bleibt die Qualität bis im Frühling ausgezeichnet. Wenn ein Schoggi­hase nicht mehr lichtgeschützt und kühl aufbewahrt werden kann, sollte er schnellstmöglich gegessen werden.

«Wie so oft haben wir auch für diese Ostern eine neue Form designt, eine Schoggi-Häsin, die einen Cupcake in der Hand hält. »

Auch hier gehen wir mit der Zeit. Doch die Klassiker bleiben natürlich im Sortiment.

Sie besuchen regelmässig Kakaobauern im Ausland. Ist dieses Jahr eine Reise geplant?

Wenn es die Situation zulässt, reise ich voraussichtlich nach Costa Rica, um dort eine Bauernkooperative zu besuchen, die wir aktuell dabei unterstützen über die eigene Herstellung von biologischem Dünger ihre Ernten zu verbessern. Wir arbeiten seit 2006 mit ihnen zusammen. Es sind indigene Bauern, die teilweise mitten im Regenwald wohnen und nur per Boot erreichbar sind.

Nachhaltigkeit und Fairtrade ist Ihnen bekanntlich sehr wichtig.

Ja, das stimmt. Bereits 1991 starteten wir als eine der ersten weltweit mit Fairtrade Schokolade. Auch bei der Produktion schauen wir auf umweltschonende Abläufe. Wir haben eine Solaranlage auf einem unserer nach Süden gerichteten Dächer. 1980 haben wir eine Wärmerückgewinnungsanlage installiert. Dank ihr kühlen und heizen wir unsere Maschinen seit 40 Jahren mit dem gleichen Wasser im internen Kreislauf. Dadurch sparen wir enorm viel Wasser.

Wie und wo entstehen im Hause Chocolat Bernrain die Ideen?

Es gibt ein Entwicklungsteam, das sich über aktuelle Trends informiert und Messen besucht. Daneben bringen alle unsere Mitarbeitenden Ideen ein. Viele Inputs kommen auch von unseren Kunden aus der ganzen Welt.

«Wir machen ein Loch in jeden Osterhasen»

Monica Müller ist seit 2007 Chefin der Chocolat Bernrain AG. Ihre Berufskarriere startete sie aber im Schulzimmer als Primarlehrerin. Ein Gespräch über unkonventionelle Karrieren, Schokolade zum Abnehmen und die Vorlieben einzelner Nationen.
Sebastian Keller/Silvan Meile