Nur die Präsenz ist freiwillig

Was in Romanshorn mit einem Schulversuch begann, können nun auch andere Kantonsschulen anbieten: Den Offenen Unterricht. Bei diesem dürfen Schüler auch mal zu Hause lernen.

Sebastian Keller
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Beim Offenen Unterricht können Kantischüler in gewissen Fächern wählen, ob sie am Präsenzunterricht teilnehmen oder selbständig lernen. (Bild: Donato Caspari)

Beim Offenen Unterricht können Kantischüler in gewissen Fächern wählen, ob sie am Präsenzunterricht teilnehmen oder selbständig lernen. (Bild: Donato Caspari)

ROMANSHORN. Thurgauer Kantonsschulen erhalten ein neues Werkzeug für ihren Methoden-Koffer. Der Regierungsrat hat gestern mitgeteilt, dass sie das Modell Offener Unterricht anbieten können. Bei diesem wählen Schüler in vorgegebenem Ausmass und in gewissen Fächern – beispielsweise Mathematik und Deutsch –, ob sie den Unterricht besuchen oder selbständig lernen. Mit dem «Offenen Unterricht» soll die Eigenständigkeit gefördert werden. Dies im Hinblick auf ein Studium. «Offen heisst nicht freiwillig», betont Alois Krähenmann, Rektor der Kantonsschule Romanshorn, «es gibt einen festen Plan und vorgegebene Lernziele.» Diese Schule führte von 2007 bis 2012 einen Schulversuch mit dem Modell durch.

Quelle des Wissens

Der Versuch förderte viele Erkenntnisse zutage. «Schüler haben beispielsweise realisiert, dass die Lehrperson eine Quelle des Wissens ist», sagt Krähenmann. «Deshalb haben teilweise alle Schülerinnen und Schüler einer Klasse Lektionen besucht, für die es keine Präsenzpflicht gab.» Der Offene Unterricht wirke auch nach: Bei Befragungen werde dieser von vielen Absolventen als positiv und nützlich für das Studium gewertet. An der Kantonsschule Romanshorn soll nach dem Entscheid des Regierungsrates auch in Zukunft der Offene Unterricht angeboten werden. «Aber», betont Alois Krähenmann, «es muss der Lehrperson entsprechen, sonst macht es keinen Sinn.»

Den Thurgauer Kantonsschulen ist es freigestellt, ob sie den Offenen Unterricht anbieten oder nicht. Das sagt Urs Schwager, Chef des Amtes für Mittelschulen. Die Rektorenkonferenz werde dazu Rahmenbedingungen erarbeiten. Diese können etwa lauten, dass Offener Unterricht nur für die zwei letzten Klassen möglich ist. So war es auch beim Schulversuch in Romanshorn. Und so soll es dort auch in Zukunft bleiben, wie der Rektor sagt. Auch die Fächer bleiben beschränkt: «Im Sport zum Beispiel geht das nicht», sagt Alois Krähenmann.

Begrüssen den Entscheid

Die Rektoren der Kantonsschulen Frauenfeld und Kreuzlingen begrüssen den Entscheid. «Für uns ist es eine weitere didaktische Möglichkeit für das Repertoire der Lehrpersonen», sagt Arno Germann, Rektor in Kreuzlingen. Für ihn ist klar: «Der Erfolg des Modells hängt von den Lehrpersonen ab.» Auch in Kreuzlingen sammle man Erfahrungen damit. «Aber auf kleiner Flamme.» Hanspeter Hitz, Rektor in Frauenfeld, sagt: «Wir begrüssen es, dass die Mittelschulen mehr Freiheiten bezüglich Unterrichtsmethoden bekommen.» In Frauenfeld würde selbständiges Lernen unter anderem mit der Tablet-Strategie gefördert. Einen «Offenen Unterricht» schliesst er indes nicht aus. «Im Verlaufe der Weiterentwicklung unserer Tablet-Strategie könnte diese Unterrichtsmethode interessant werden.»