Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Nur 28 Prozent haben eine Arbeit: Der langwierige Weg von Flüchtlingen in den St.Galler Arbeitsmarkt

Seit einem Jahr gilt im Kanton St.Gallen das Teillohnmodell. Es soll Flüchtlingen den Weg in den Arbeitsmarkt erleichtern. Genutzt wird es noch wenig. Ein massiver Abbau der administrativen Hürden soll das nun ändern.
Kaspar Enz
Seit Anfang Jahr gibt es auch Flüchtlingsvorlehren für landwirtschaftliche Berufe. (Bild: ky/Patrick Straub, 2016)

Seit Anfang Jahr gibt es auch Flüchtlingsvorlehren für landwirtschaftliche Berufe. (Bild: ky/Patrick Straub, 2016)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Oft haben sie bereits eine lange Flucht hinter sich. Doch an der Grenze ist der Weg vieler Flüchtlinge noch lange nicht zu Ende. Bis sie im Schweizer Arbeitsmarkt angekommen sind, kann es Jahre dauern: Von den Flüchtlingen und vorläufig aufgenommenen Personen, die weniger als sieben Jahre in der Schweiz leben, hatten Ende 2018 im Kanton St.Gallen nur 28 Prozent eine Arbeit.

Zu wenig, auch wenn die Quote im Lauf des Jahres um fünf Prozentpunkte stieg. Den Weg in die Festanstellung ebnen soll im Kanton seit Anfang letztem Jahr das Teillohnmodell. Denn das Praktikum allein reicht meist nicht, dass die Flüchtlinge sprachlich und fachlich im Betrieb mithalten können. Im Teillohnmodell können sie eineinhalb Jahre lang zu einem tieferen Lohn beschäftigt werden. Der steigt in drei Schritten von mindestens 500 auf 2500 Franken, während die Flüchtlinge ihr Handwerk besser kennen lernen.

Teillohnmodell noch wenig genutzt

Doch genutzt wurde das Modell erst selten. Neun solche Einsätze gab es im Verlauf des letzten Jahres, sagt Claudia Nef, Leiterin des Kompetenzzentrums für Integration und Gleichstellung beim Kanton St. Gallen. Wenig, angesichts der Zahl von 3000 erwerbsfähigen Flüchtlingen und vorläufig aufgenommen Personen im Kanton.

«Scheinbar war das Bewilligungsverfahren immer noch recht langwierig», sagt Nef. Zusätzlich zu den üblichen Verfahren ist beim Teillohnmodell noch eine Zustimmung der tripartiten Kommissionen nötig, die die Einhaltung der Gesamtarbeitsverträge überwachen. Eine weitere Hürde, auch wenn die Zustimmung in der Regel erteilt werde, sagt Nef.

Modell soll Lücke schliessen


«Wir haben mit dem Teillohnmodell gute Erfahrungen gemacht», sagt Serge Baumgartner. Er leitet die REPAS-Stellen, die im Auftrag des Trägervereins Integrationsprojekte der St. Galler Gemeinden (TISG) die Flüchtlinge auf der Jobsuche begleiten. Das Teillohnmodell ist kein Allheilmittel, vielmehr soll es eine Lücke schliessen. Schon länger können Flüchtlinge Praktika absolvieren, unentgeltlich. Ein halbes Jahr dauern diese gewöhnlich, eine Verlängerung ist möglich. Baumgartner sagt:

«Für uns steht bei diesen Einsätzen im Vordergrund, die Klienten in eine Ausbildung zu bringen, gewöhnlich eine Berufslehre.»

Dann würde eine Vorlehre ans Praktikum anschliessen. Solche Vorlehren bietet die TISG in Zusammenarbeit mit verschiedenen Branchen an: im Gastgewerbe, für Bauberufe und die Holzbranche, neuerdings auch in der Landwirtschaft. Eine Kombination aus Sprachkursen, Arbeit im Betrieb und Schule führt die jungen Flüchtlinge an die eigentliche Lehre heran. «Doch nicht für jeden Flüchtling ist dieser Weg sinnvoll.» Gerade für ältere Klienten sei ein Einstieg in eine Festanstellung über einen Teillohneinsatz oft besser.

Es besteht durchaus Hoffnung, dass dies auch häufiger geschieht. Der Bund hat die administrativen Hürden für eine Anstellung von Flüchtlingen auf Anfang Jahr auf ein Minimum eingedampft. An die Stelle eines kostenpflichtigen Bewilligungsverfahrens trat ein einfaches Meldeformular. Die Rahmenverträge, die früher zwischen den Betrieben, die Flüchtlinge einstellten, und dem Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) unterzeichnet werden mussten, fallen weg. Mussten Arbeitgeber und der arbeitswillige Flüchtling bisher auf etliche Unterschriften warten, soll es jetzt schnell gehen: Ist das Blatt abgeschickt, kann der Arbeitseinsatz beginnen. Auch die Bewilligung der Teillohneinsätze durch die tripartiten Kommissionen soll einfacher werden. Dazu würden demnächst Gespräche aufgenommen, sagt Claudia Nef.

Schon 500 Meldungen

Die neuen Meldeformulare sind scheinbar begehrt. Rund 700 Bewilligungsverfahren für Arbeitseinsätze von Flüchtlingen habe sein Amt im vergangenen Jahr bearbeitet, sagte Walter Ebert vom Amt für Wirtschaft und Arbeit an einer Informationsveranstaltung vergangene Woche. «Seit Anfang Jahr sind schon 500 solche Meldungen bei uns eingegangen». Mehr, als das Amt bis jetzt bearbeiten konnte. Die hohe Zahl sei erfreulich, sagt Claudia Nef. Sie will die Zahl aber auch nicht überbewerten. Ohne Auswertung lasse sich nicht sagen, um was für Einsätze es sich handle. Ob sich die Erwerbsquote der Flüchtlinge nun deutlich steigere, müsse sich noch zeigen.

Zu hoffen ist zumindest, dass Arbeitgeber so Flüchtlingen eine Chance geben. «Es ist klar, dass die Betriebe eher ja sagen, wenn wir ihnen diesen Aufwand abnehmen», sagt REPAS-Leiter Serge Baumgartner. Seine Job-Coaches füllen den Arbeitgebern auch noch das verbliebene Formular aus.

Nicht jeder Job ist ein guter Job

Klar ist, die Erwerbsquote muss steigen. Die Integrationsagenda des Bundes verlangt, dass nach sieben Jahren die Hälfte der Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommenen nachhaltig in den Arbeitsmarkt integriert sind. Zwar waren im Januar 2019 47 Prozent der vorläufig Aufgenommenen im siebten Jahr erwerbstätig. «Die Frage ist, ob sie auch nachhaltig im Arbeitsmarkt etabliert sind», sagt Claudia Nef. «Nur Praktika oder Hilfsarbeiten sind nicht ideal», sagt sie. Denn wenn es dem Betrieb mal nicht so gut läuft, seien Tellerwäscher und Handlanger die ersten, die rausfliegen.

Flüchtlinge nicht günstig versorgen

Eine Gefahr, die auch Patrik Müller, Präsident des TISG, sieht. «Es besteht das Risiko, dass man die Flüchtlinge in einer schnellen Massnahme versorgt.» Doch das zahle sich für die fallführenden Sozialämter langfristig nicht aus. Eine erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt ist zwar nicht ganz billig: Die notwendigen Sprachkurse und weiteren Massnahmen kosten im Schnitt 18'000 Franken, so errechnete es der Bund. So viel zahlt der Bund ab diesem Jahr auch den Gemeinden zurück – wenn diese das Geld für geeignete Integrationsmassnahmen ausgegeben haben. Das ist drei mal mehr als bis anhin.

Dass aber manche Gemeinden nicht einmal diese deutlich tieferen Pauschalen ausgeschöpft haben, macht Patrik Müller Sorgen. «Scheinbar haben manche noch nicht gemerkt, dass sich das lohnt», sagt er. Denn bleiben die Flüchtlinge auf Sozialhilfe angewiesen, kosten sie rund 25'000 Franken pro Jahr.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.