Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

HSG-Affären: Nun gerät auch Regierungsrat Kölliker unter Druck

Die Fälle fragwürdigen Verhaltens von Professoren der Universität St.Gallen mehren sich. Jetzt fordern auch die bürgerlichen Parteien den St.Galler Erziehungschef auf, seine Führungsverantwortung wahrzunehmen.
Regula Weik
Nach den zahlreichen Vorfällen fordern die Parteien Transparenz. (Bild: Urs Bucher (Universitätsbibliothek St.Gallen, 18. Sept)

Nach den zahlreichen Vorfällen fordern die Parteien Transparenz. (Bild: Urs Bucher (Universitätsbibliothek St.Gallen, 18. Sept)

«Ethik und Verantwortung gehören zum Kern der Universität St.Gallen.» Und weiter: «Die Universität St.Gallen ist sich ihrer Verantwortung für die Ausbildung zukünftiger Fach- und Führungskräfte bewusst und setzt alles daran, die Studierenden während ihrer Zeit an der HSG auch in gesellschaftlicher Verantwortung und ethischen Fragestellungen zu schulen.» Diese Aussagen machte Rektor Thomas Bieger vergangene ­Woche an der Jahresmedienkonferenz der Universität St.Gallen. Heute muten sie leicht befremdlich an. Rektor Bieger ist inzwischen mit einem privatwirtschaftlichen Mandat selber ins Zwielicht geraten. Die Finanzmarktaufsicht hat die Jungfraubahn Holding AG wegen Verstössen gegen das Verbot der Markt­manipulation aufsichtsrechtlich gerügt. ­Bieger ist Verwaltungsratspräsident des Unternehmens. Eine weitere negative Schlagzeile für die renommierte Bildungsinstitution aufgrund fragwürdigen Verhaltens eines Professors, diesmal des Mannes an ihrer Spitze.

Zunehmend drängender stellen sich zwei Fragen: Wie glaubwürdig sind Professoren, die mit ihrem Verhalten gegen die selber gepredigte Lehre verstossen? Und welchen Reputationsschaden erleidet die Universität durch die aktuellen Vorkommnisse?

«Wir verlangen Transparenz und klare Kommunikation»

Für CVP-Präsident Patrick Dürr ist klar: «Die fragwürdigen Vorfälle mit Führungspersonen und Exponenten der Universität wiegen schwer. Sie schaden dem Image und der Ausstrahlung der HSG massiv.» Zunehmend unter Druck gerät auch Bildungschef Stefan Kölliker als Präsident des Universitätsrats. «Er muss zwingend seine Führungsverantwortung wahrnehmen», fordert Dürr. Seine Partei verlange nun «Transparenz und eine klare Kommunikation».

Die Freisinnigen gehen noch einen Schritt weiter: In einem Brief an den Bildungschef drücken sie ihre Besorgnis über «den aktuellen, weiteren Skandal in einer zwischenzeitlich langen Reihe» aus. Sie fordern Kölliker auf, «die Spitzen der Kantonsratsfraktionen rasch zu einem klärenden Gespräch einzuladen». Eine transparente und klare Kommunikation tue nun not, ansonsten komme es zu einen nachhaltigen Vertrauensverlust der Bevölkerung sowie der politischen Kräfte in die Universität. Unbestritten ist für die FDP: Die aktuellen Fälle schaden der Reputation der HSG; wie stark, ­könne noch nicht abgeschätzt werden. Umso zwingender sei nun «eine rasche und lückenlose Aufarbeitung aller Vorfälle und eine Berichterstattung über ­Erkenntnisse und Massnahmen».

Die Universität hat bereits erste Konsequenzen aus den Vorfällen gezogen: Sie überprüft das Reglement für Neben­tätigkeiten ihrer Professorinnen und Professoren (Ausgabe vom 15. September). Kölliker hatte vergangenen Freitag vor den Medien von einer «ausser­ordentlichen Überprüfung» gesprochen. Es soll geklärt werden, «ob es Bereiche gibt, in denen Anpassungen nötig sind». Wie diese konkret aussehen könnten, liessen Kölliker und Bieger offen. Als Wirtschaftsuniversität, die auf eine ­aktuelle und praxisorientierte Lehre Wert lege, sei die HSG auf Erfahrungen und Kontakte ihrer Professorinnen und Professoren mit der Praxis angewiesen. «Nebenaktivitäten sind nicht nur erlaubt, sondern erwünscht», so Bieger.

Die Universität müsse sämtliche Prozesse und Abläufe überprüfen, fordert CVP-Präsident Dürr. Der Vorfall mit den falschen Spesenabrechnungen habe deutlich aufgezeigt, dass in einem Unternehmen in der Grössenordnung der HSG «das Controlling nicht vernachlässigt werden darf».

«Verstösse müssen sanktioniert werden»

Als einzige Partei war die SP bereits im Frühsommer politisch aktiv geworden und hatte Fragen zur Nebentätigkeit von Professorinnen und Professoren aufgeworfen. Ihr Vorstoss im Kantonsparlament ist noch nicht beantwortet. «Das ist natürlich unbefriedigend», sagt Guido Berlinger-Bolt, Politischer Sekretär der SP. «Wäre er schon beantwortet und wären entsprechende Massnahmen ergriffen worden, wäre der Schaden wohl nicht so gross oder gar nicht entstanden.» Die SP beurteilt den Reputationsschaden als «sehr gross»; dies sei für eine Universität mit dem Anspruch an Qualität und Exzellenz, wie ihn die HSG habe, «nicht akzeptabel».

Und wie schätzt die Partei von Bildungschef Kölliker den Imageschaden für die Universität ein? Die aktuellen Einzelfälle schadeten dem Ruf der HSG «im Moment nicht, sind aber unschön», hält die SVP auf Anfrage fest. «Die Verantwortlichen der Universität sind gefordert, die Fälle transparent aufzuarbeiten und zu kommunizieren.» Interne Verstösse wie in der Spesenaffäre seien klar zu sanktionieren; der Kanton sei in der Pflicht, genau hinzuschauen, dass Vorgaben und Spielregeln eingehalten würden. Kein Pardon kennt die SVP auch, wenn sich Professoren im Rahmen ihrer Nebentätigkeiten fragwürdig verhalten. Auch da gelte: Verstösse müssten untersucht und sanktioniert werden.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.