Notwendigkeit für Kampfjets ist konstruiert

«Welcher Kampfjet soll’s denn sein?», Ausgabe vom 4. Juni

Matthias Graf
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Sie geht wieder los—die Diskussion, wie viele von welchen Kampfjets unsere Armee benötigt. Mir scheint, unsere Politiker wollen noch immer nicht sehen, dass der Kaiser keine Kleider trägt. Wozu braucht die Schweizer Armee Kampfjets, Kampfbomber? Weil zu einer guten Armee solche Geräte gehören, damit diese unseren Luftraum verteidigen kann, heisst es. Man wisse ja nie, ob sich unsere Bedrohungsanlage nicht plötzlich verändert. Luftraumverletzungen gibt es wohl täglich, kaum eine kann verhindert werden. Die Reduktion dieser Aufgabe auf Bürozeiten entlarvt deren konstruierte Notwendigkeit. Kampfjets für unseren kleinen Luftraum sind etwa so notwendig wie ein 400-PS-Bolide als Dienstfahrzeug für einen Manager.

Wozu benötigen wir also sonst Kampfjets? Vielleicht für Angeberveranstaltungen auf der Axalp oder seltsame Showein­lagen wie an der Ski-WM? Benötigen wir sie, um Flüchtlinge an unserer Grenze zu bombardieren, um Cyberattacken abzuwehren, Drohnen zu beschiessen oder vielleicht um Touristen im Berner Oberland mit ihrem Krach zu vertreiben? Die Bedrohungslage hat sich längst verändert – zu dieser passen Kampfjets in unserer Armee nicht mehr. In der Wirtschaft reagiert man auf veränderte Umstände. Es wäre Zeit, wenn das unserer Armeeführung auch gelingen würde. Geben wir der Armee das nötige Geld, sich den veränderten Bedrohungen anzupassen. Aber vermeiden wir es, Milliarden für nutzlose Prestige-Objekte zu verschleudern!

Matthias Graf

Franklinstrasse 22, 9400 Rorschach