Notplätze in der Marienburg

BUCHS. Die Anzahl Asylbewerber, die in Buchs die Schweiz erreicht, dürfte in den nächsten Tagen ansteigen. Der Kanton St. Gallen und die Grenzwacht bereiten sich vor. Das Staatssekretariat für Migration zieht Notunterkünfte in Betracht.

Thomas Schwizer
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Derzeit nehmen die Grenzwächter in Buchs wöchentlich rund 200 Asylbewerber in Empfang, die per Zug aus Österreich einreisen. Bald dürfte die Zahl aber ansteigen. (Bild: Thomas Schwizer)

Derzeit nehmen die Grenzwächter in Buchs wöchentlich rund 200 Asylbewerber in Empfang, die per Zug aus Österreich einreisen. Bald dürfte die Zahl aber ansteigen. (Bild: Thomas Schwizer)

Eine Arbeitsgruppe bereitet sich im Grenzkanton St. Gallen auf eine deutliche Zunahme der Anzahl Asylbewerber vor. Nach der Wiedereinführung von Grenzkontrollen in Deutschland und Österreich stellt sich St. Gallen auf dieses Szenario ein – wie auch das benachbarte österreichische Bundesland Vorarlberg.

In der Arbeitsgruppe wirkt auch die Vereinigung der St. Galler Gemeindepräsidentinnen und -präsidenten (VSGP) mit. Als Sofortmassnahme hat die VSGP gestern über 50 Asylbewerber, die über den Grenzbahnhof Buchs eingereist sind, im ehemaligen Gymnasium Marienburg in Rheineck einquartiert. Hier würden sie vorübergehend «würdig untergebracht», sagt VSGP-Präsident Beat Tinner. «Wir haben die Unterbringung der Asylbewerber im Griff.»

Auch beim Grenzwachtkorps heisst es, man habe die Situation unter Kontrolle. Die Grenzwacht hat Personal aus anderen Regionen an die Ostgrenze verlegt. Der «Hot Spot» liege zurzeit im Bahnverkehr und im Bahnhof Buchs, insbesondere auf dem «Wiener Walzer», wie Mediensprecher Attila Lardori von der Oberzolldirektion in Bern sagt. Das ermögliche hier eine höhere Kontrolldichte und einen effizienten Einsatz.

Für Ansturm gerüstet

Und wenn die Zahl der in Buchs eintreffenden Asylbewerber – aktuell sind es rund 200 pro Woche – massiv anstiege? Auch dafür sei das Grenzwachtkorps gerüstet, sagt Lardori. Es könne innert kurzer Zeit zusätzliches Personal an betroffene Grenzabschnitte verschieben. Zudem arbeite es eng mit den kantonalen Behörden zusammen, in Buchs speziell mit der Kantonspolizei, die über einen eigenen Grenzpolizeidienst verfügt. Die Grenzwacht hat gestern am Bahnhof Buchs zwei Gebäude in Betrieb genommen, um den Empfang der per Zug einreisenden Flüchtlinge logistisch effizienter abwickeln zu können – darunter das alte Postgebäude.

Ausserordentliche Situationen erfordern spezielle Massnahmen. Dies weiss das Staatssekretariat für Migration (SEM), das die Asylverfahren in der Schweiz durchführt. Weil sich abzeichne, dass die Zahl der Asylgesuche rasch und stark steigen könnte, zieht das SEM laut Mitteilung Unterbringungsmöglichkeiten in Betracht, «die nicht den üblichen Anforderungen an Grösse und Infrastruktur entsprechen». Im Vordergrund stehen Erweiterungen der bestehenden Asylzentren. Asylsuchende, die in Buchs einreisen, leitet die Grenzwacht an das Empfangs- und Verfahrenszentrum des Bundes in Altstätten zur Registrierung weiter.

Lukmanier entlastet Altstätten

Das Zentrum in Altstätten hat eine Kapazität für 176 Personen. Als «Erweiterung» wurden laut SEM 100 Plätze in der Gebirgsunterkunft Lukmanier zur temporären Nutzung geschaffen. Mit den Kantonen arbeite der Bund sehr eng zusammen. Diese seien gebeten worden, vorsorgliche Massnahmen bei der Unterbringung zu treffen; die Zahl der Zuweisungen könnte in den nächsten Wochen erhöht werden. Bisher habe man alle neu eintreffenden Asylsuchenden in den bestehenden Strukturen «wie vorgesehen registrieren, befragen und unterbringen können». Es wurden aber zusätzliche Dolmetscher rekrutiert, um die zügige Registrierung zu gewährleisten, so das SEM. Das gilt auch für das Empfangs- und Verfahrenszentrum in Altstätten.

Westbalkan wird rasch erledigt

Es werde konsequent an der prioritären Behandlung von Personen aus dem Westbalkan und Ländern mit einer sehr tiefen Anerkennungsquote festgehalten. Für sie werde das 48-Stunden- und Fast-Track-Verfahren umgesetzt, das an einzelnen Standorten konzentriert ist. Das betrifft auch «Dublin-Fälle» und schwach begründete Asylgesuche.