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Wegen veruntreuter Gelder und mehrerer Abgänge: St.Galler Stiftung Business House in finanziellen Nöten

Die Stiftung Business House bietet seit 1994 Arbeitsplätze für Arbeitslose und Ausgesteuerte im Kanton St. Gallen. Nun kämpft sie wegen veruntreuter Gelder und mehrerer Abgänge in der Geschäftsleitung mit massiven Problemen.
Marcel Elsener
Im Werk von Business House in St. Gallen-Winkeln, einem der sieben Standorte der Stiftung, finden Ausgesteuerte eine sinnvolle Beschäftigung. (Bild: Michel Canonica)

Im Werk von Business House in St. Gallen-Winkeln, einem der sieben Standorte der Stiftung, finden Ausgesteuerte eine sinnvolle Beschäftigung. (Bild: Michel Canonica)

Mit einem Geschäftshaus hat das Business House entgegen seinem flotten englischen Titel nichts zu tun. Der Begriff benennt die 1994 gegründete St. Galler Stiftung, die Arbeitslosen und Ausgesteuerten in sieben Werken vom Rheintal bis ins Fürstenland befristete Arbeitsplätze bietet und sie bei der Stellenvermittlung unterstützt. Nun ist die Firma, die Not lindern hilft, selber in Not geraten: Das Business House kämpft mit einem dramatischen Loch in der Kasse und mit andauernden Problemen in der Geschäftsleitung. Dies zum Zeitpunkt, da die Konkurrenz auf dem Arbeitsintegrationsmarkt verschärft wurde – der Entscheid des Kantons, die Projekt-Werkstatt in der Stadt St. Gallen nicht mehr zu finanzieren, wurde vor einem Jahr in der Öffentlichkeit viel diskutiert. Es war ausgerechnet das Business House, das die populäre Veloreparatur­stätte im Güterbahnhof erfolgreich konkurriert, sprich einen günstigeren Preis für die 35 Arbeitsplätze geboten hatte. Jedoch wurde die Stiftung gleichzeitig im Rheintal ausgebootet: Sie verlor dort die Betriebe in Rheineck und Buchs und ­somit 70 ihrer 120 Einsatzprogrammplätze an einen anderen Anbieter.

Felix Bischofberger Präsident Stiftung Business House (Bild: Regina Kühne)

Felix Bischofberger Präsident Stiftung Business House (Bild: Regina Kühne)

Mit der Konkurrenz auf dem «Sozialmarkt» hat die Krise der Stiftung Business House nur am Rand zu tun: Es sind innerbetriebliche Probleme, die das Unternehmen in seiner Existenz bedrohen. Der Stiftungsrat mit Präsident Felix Bischofberger, CVP-Kantonsrat und christlicher Gewerkschafter, ist seit über einem Jahr mit Sofortmassnahmen beschäftigt. Die 52 Angestellten sind verunsichert und frustriert; sie müssen um ihre Arbeitsplätze bangen. Und die Vertragspartner wie der Kanton und die ­ 29 Gemeinden, die via Regionale Arbeitsvermittlungsbüros (RAV) und ihre Sozialämter arbeitslose und ausgesteuerte Personen schicken, sind zumindest teilweise besorgt, wie es mit der ­Institution weitergeht.

Staatsanwaltschaft untersucht «unerklärliche Geldabflüsse»

Was ist passiert? Das akute Problem ist die leere Kasse – aufgrund «unerklärlicher Geldabflüsse auf mehreren Konten», verursacht vermutlich von jenem Geschäftsleitungsmitglied, das der Stiftungsrat im Oktober freigestellt hatte. Begründet wurde die Entlassung mit nicht erfüllten Erwartungen und allgemeiner Unzufriedenheit, von veruntreuten Geldern war da noch nichts bekannt.

Nun fehlen Beträge in sechsstelliger Höhe, bestätigt Stiftungsratspräsident Felix Bischofberger:

«Wir wurden durch die kriminelle Handlung auf dem falschen Fuss erwischt.»

Die Stiftung hat im Dezember eine Strafanzeige eingereicht, die Staatsanwaltschaft untersucht den Fall. Zur Schadensumme kommt die Aufarbeitung der ungereimten Buchhaltung durch Treuhandfirmen hinzu. Warum die Revisionsstellen die – möglicherweise jahrelange – Veruntreuung nicht festgestellt haben, bleibt rätselhaft. «Es hiess stets, es gebe keine Indizien auf ­falsche Zahlen», erklärt Bischofberger. Ebenfalls erst nach dem erzwungenen Abgang des Buchhalters musste die Stiftung realisieren, dass infolge nicht berücksichtigter Budgetanpassungen ein strukturelles Defizit vorliegt.

Die Mitarbeiter wurden erstmals zu Weihnachten 2017, nachdem Gewissheit darüber bestand, über die veruntreuten Gelder informiert. Im Juni nun hat sich die Situation auch für sie zugespitzt: Sie müssen ab diesem Juli eine Lohnreduktion von 10 Prozent hinnehmen – per sofort oder nach Ablauf der Kündigungsfrist im aktuellen Vertrag und folglich einer Vertragsänderung. Wer dies nicht akzeptiert, muss mit der Kündigung rechnen. Die meisten Angestellten hätten die Einbusse zähneknirschend hingenommen, heisst es aus Belegschaftskreisen, obwohl die Löhne von knapp über 4000 Franken je nach Lebenssituation kaum Spielraum zuliessen.

Der Stiftungsrat, dem nebst Bischofberger der Steinacher Gemeindepräsident Roland Brändli, der St. Galler Rechtsanwalt Stephan Staub und der Bernecker Firmeninhaber Hanspeter Alge angehören, bedauert die «einschneidende Massnahme». Doch sei sie nötig, um den Fortbestand der Firma zu sichern, man wolle kein Werk schliessen müssen. Weitere Massnahmen sind etwa eine strikte Investitions- und Ausgabenkontrolle («bis hin zu kleinsten Beträgen, was Mitarbeiter natürlich frustriert») und Anträge bei den Liegenschaftsbesitzern um Mietreduktionen. Der Stiftungsrat, der zunehmend operativ gefordert ist, hat für die Sanierung der Finanzen und Strukturen die Beratungsfirma ­Daniel Fischer und Partner engagiert; ausserdem sind Treuhänder und Arbeitsrechtler beigezogen worden.

«Einen sechsstelligen Betrag zu überbrücken, geht an die Substanz», meint Bischofberger. Und man müsse damit rechnen, dass das abgeflossene Geld verloren sei. «Nun ist die Liquidität bis Oktober gesichert, und wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass wir im Hinblick auf die Leistungsverträge ab 2019 wieder solid unterwegs sind.» Im Sinne einer «Selbstanzeige» wurden nebst Vertragspartnern die Stiftungsaufsicht und die Steuerverwaltungen des Kantons und des Bundes (Mehrwertsteuer) frühzeitig über die Situation informiert, wie der Politiker betont.

Mehrere Kündigungen in der Geschäftsleitung

Ein zweites, ebenfalls akutes Problemfeld betrifft die Geschäftsleitung: Sie ist derzeit verwaist, nachdem beide Mitglieder im Mai respektive im Juli gekündigt haben. Seit dem Abgang der Gründerin, «Mrs Business House» Hedy Margelisch, die bis 2016 als Geschäftsleiterin die Zügel in der Hand hielt, hat in der GL niemand den Tritt gefunden. Dies aus unterschiedlichsten Gründen, die jüngste Finanznot trug zur Überforderung (oder Zermürbung) bei, ein Teufelskreis. Liegt es an den seit Jahren veralteten Strukturen, wie Insider behaupten? ­Felix Bischofberger weiss es nicht, «auf ­jeden Fall müssen wir das auch untersuchen». Dass der unverhoffte «Troubleshooter» und seine ebenfalls ehrenamtlichen Stiftungsräte in der vielgestaltigen Krise an ihre Grenzen kommen, erscheint unausgesprochen klar.

Fragwürdig bleibt die Ausschreibung arbeitsmarktlicher Massnahmen gemäss den Richtlinien des öffentlichen Beschaffungswesens, wie es der Kanton St.Gallen handhabt. Vertreter von Nonprofitorganisationen haben die Submission als unnötig oder destruktiv kritisiert («Geldvernichtungsmaschine»), doch sehen auch Gegner der Ausschreibung die verbesserte Qualität der Angebote. Wie viel Wettbewerb unter den Sozialfirmen sein solle, sei eine politische Frage, sagt Bischofberger:

«Klar ist es knallhart: Wenn du verlierst, musst du ein Werk rückbauen, das schmerzt.»

Und der Spardruck im Kanton werde wohl noch zunehmen, meint der Kantonsrat. Doch an den derzeitigen Problemen des Business House trügen nicht Konkurrenten wie die Dock-Gruppe (Stiftung für Arbeit) oder Fit4job (Heiden) die Schuld, sondern nur seine Institution selber.

Der Kanton vergibt derzeit von seinen – von der Arbeitslosenversicherung finanzierten – 290 Teilnehmerplätzen à 14 Wochen 85 Plätze im Auftrag des Business House, wie es beim Amt für Wirtschaft und Arbeit heisst. Die weiteren Anbieter, mit denen der Kanton Leistungsvereinbarungen abgeschlossen hat, sind der Verein kleika, fit4job GmbH, transitwerk GmbH, Verein Mensch – Natur, Verein Arbeitsstätte Casiprint und die Stiftung Arbeitsgestaltung. Man sei über den Business-House-Stiftungsrat «gut über die laufende Situation informiert», sagt Amtsmitarbeiter Adrian Schumacher. «Aus unserer Sicht gibt es aktuell keine Anzeichen, dass Business House den Vorgaben der Leistungsvereinbarung nicht nachkommen kann.»

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