Weltmeisterin Martina Wick aus Arnegg: Niemand serviert so gut wie sie

Wie die Arneggerin Martina Wick zur besten Restaurationsfachfrau der Welt wurde.

Leonie Noger
Drucken
Teilen
«Es ist schön, den Kopf wieder frei zu haben»: Martina Wick an ihrem Arbeitsort im Hotel Hof Weissbad. (Bild: Ralph Ribi)

«Es ist schön, den Kopf wieder frei zu haben»: Martina Wick an ihrem Arbeitsort im Hotel Hof Weissbad. (Bild: Ralph Ribi)

Wie eine Königin sitzt sie in dem edlen Holzstuhl, genannt «Der Greif». Die kunstvollen Armlehnen, die sonst den Mächtigen zu weisen Entscheidungen verhelfen sollen, gehören für einen Tag ganz ihr. Selbst das Goldbesteck wurde ihr zu Ehren aufgetischt. Ein ungewöhnliches Bild, da Martina Wick sonst selber diejenige ist, die den Gästen Rotwein serviert und das Essen bringt.

Gastro St.Gallen, der Kantonalverband für Hotellerie und Restauration, hat nun ein ausgesuchtes Mittagessen veranstaltet, um die 21-Jährige aus Arnegg zu ehren. Durch viel Übung errang Martina Wick bei den World Skills in Russland den Titel als Berufsweltmeisterin in der Kategorie Restaurationsfachfrau. Seit September ist sie wieder zurück und steigt nach dem grossen Trubel wieder in ihren Alltag ein.

«Eigentlich bin ich Minimalistin»

Viel verändert hat sich nicht: Wick arbeitet wieder im Hotel Hof Weissbad in Appenzell und wohnt bei ihren Eltern. Ihr bliebe aber endlich mehr Freizeit. Die vielen Trainings und Auslandspraktika haben ein Ende. «Es ist schön, den Kopf wieder frei zu haben», sagt Wick. Über ein Jahr lang hat sie intensiv auf ihr Ziel hingearbeitet. Aber selbst wenn es nicht für den Sieg gereicht hätte, wäre ihre Enttäuschung bald wieder verflogen, glaubt sie. Schliesslich wären ihre Erfahrungen vom Wettkampf und neue Kontakte auch dann geblieben.

Eine besonders wichtige Rolle spiele für sie ihr ehemaliger Berufsschullehrer Martin Erlacher. Er begleitete sie nicht nur als Coach während der Wettkämpfe, sondern motivierte sie auch zur Teilnahme. «Ich bin eigentlich Minimalistin», meint Wick. Sie tue sonst so wenig wie möglich für ein gutes Resultat. Erlachers Vorschlag konnte Wick aber nicht ausschlagen, sie fand sogar Gefallen daran.  

Mit ihrem Sieg tritt Martina Wick in die Fussstapfen von Sabrina Keller, die ebenfalls ihr Coach für die World Skills war und im Jahr 2011 Berufsweltmeisterin in der Sparte "Restaurant - Service" wurde. Den beiden seien unter anderem die Praktika an Orten mit gutem Namen zu verdanken, die Wick absolvieren durfte. Auch für die zukünftige Laufbahn bleiben Erlacher und Keller wichtige Ansprechpersonen und grosse Vorbilder, so die 21-Jährige. 

«Ein cooles Bild, das die Jungen erreicht»

Einige hätten sie aber für ihren Titel zuerst belächelt. Ganz nach dem Motto: «Serviertochter sein kann doch jeder.» Doch laut Wick gehört viel mehr dazu, als nur einen Teller zu bringen und ein Glas einzuschenken. Man benötige viel Fachwissen über Speisen und Weine, aber vor allem auch die richtige Persönlichkeit für engen Kundenkontakt.

Auch Walter Tobler, Kantonalpräsident von Gastro St. Gallen, sagt, dass mehr hinter dem Beruf stecke, als Trinkgeld einzusammeln. Er ist froh über Wicks Auszeichnung. Das unterstütze die Branche und vermittle ein «cooles Bild, das die Jungen erreicht». Laut Tobler hat das Gewerbe insgesamt Mühe, genügend Stellen zu besetzen. Durch diese Goldmedaille sei im Sommer trotzdem nicht gleich ein Anstieg der Anzahl Lehrlinge zu erwarten. «Ausnahmetalente können vielmehr jungen Berufsleuten ein Ansporn sein, sich höhere Ziele zu setzen und an ihrer Qualität zu arbeiten», sagt Walter Tobler.

Gourmet-Restaurants und Übungskurse

Der Präsident ist sich sicher, dass Martina Wick Karriere machen wird. «Das sind Leute, die wollen und Gas geben», so Tobler. Die junge Berufsweltmeisterin hat dann auch bereits weitere Pläne: Sie wolle nicht ewig im Hotel Hof Weissbad bleiben, irgendwann werde es sie weiterziehen. Ein edles Gourmet-Restaurant würde sie ansprechen, wenn möglich in der Region.

«Schliesslich habe ich jetzt lange meine Fähigkeiten trainiert und dort ist diese Perfektion gefragt.» Ins Ausland zieht es die 21-Jährige mit der Goldmedaille aber nicht. Vor den Auslandspraktika sei sie noch nie alleine in den Ferien gewesen und eigentlich habe sie starkes Heimweh gehabt. Irgendwann will sie ihr Wissen und die praktische Erfahrung an Lehrlinge weitergeben.