Niemand kann richtig überzeugen

Gleich drei Personen kandidieren fürs Schulratspräsidium in Wil. Gewählt wird Mitte Mai. Die Kandidaten vermögen indes längst nicht alle Wiler zu überzeugen. Viele hoffen deshalb auf einen zweiten Wahlgang mit neuem Personal.

Richard Clavadetscher
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Jutta Röösli Parteilos

Jutta Röösli Parteilos

WIL. Die eine Kandidatin präsentiert sich als ehemalige Volleyballerin; sie spielte in den Nationalligen A und B. Die andere hatte es eher mit dem Fussball, verteilte dort im Mittelfeld die Bälle. Beide wollen aber nicht etwa Animateurin beim Club Méd werden; die frühere Volleyballerin Esther Spinas und die ehemalige Kickerin Jutta Röösli kandidieren fürs Schulratspräsidium der Stadt Wil. Dies, nachdem Amtsinhaberin Marlis Angehrn (CVP) vor Legislaturende demissioniert. Spinas (57) ist Mitglied der Grünen/Prowil, Röösli (50) ist parteilos.

Die beiden sportlichen Damen sind indes nicht die einzigen Kandidierenden. Für das mit jährlich 195 000 Franken dotierte Amt bewirbt sich auch noch Klaus Rüdiger (54), Präsident der SVP am Ort. Er hat bisher darauf verzichtet, sich auch noch als Sportskanone zu präsentieren.

Herausforderungen warten

Am 18. Mai sollen die Wiler Stimmbürgerinnen und Stimmbürger nun entscheiden, wer von den drei Kandidierenden künftig den Schulrat präsidiert und damit auch Einsitz im Stadtrat, der Wiler Exekutive, nimmt.

Die Wahl ist deshalb von Bedeutung, weil der Bereich Schule, nicht nur in der Stadt Wil aber dort ganz besonders, vor Herausforderungen steht. Es geht nicht nur darum, den Lehrplan 21 umzusetzen, es gibt auch noch Wil-spezifische Probleme: Zum einen sind durch die Fusion mit der Gemeinde Bronschhofen die Anforderungen an das städtische Departement Bildung und Sport sowie an den Schulrat gewachsen. Die heutigen Strukturen sind dem anzupassen. Zum andern muss die Oberstufen-Thematik bald gelöst werden. Es geht hier darum, ob und wie die Mädchensekundarschule St. Katharina (Kathi) ins Oberstufenkonzept der Stadt einzupassen ist. Die Fronten sind hier zurzeit verhärtet; zur Deblockierung ist wohl ein Kompromiss nötig.

An diesen Herausforderungen nun sind die Qualifikationen der Kandidierenden zu messen.

Illustres Kandidatenfeld

Da ist also einmal die ausgebildete Sekundarlehrerin Esther Spinas, die erst in Niederuzwil unterrichtete, dann ans Kathi wechselte, wo sie später die Schulleitung übernahm. Heute ist Spinas Schulinspektorin im Thurgau. Auch politisch ist die Kandidatin kein unbeschriebenes Blatt: Sie sass von 2004 bis 2010 im Wiler Stadtparlament und präsidierte dieses im Jahr 2007.

Kandidatin Jutta Röösli, gelernte Maschinenzeichnerin, studierte Psychologie am Institut für Angewandte Psychologie, machte in der Folge auch Abschlüsse an der FHS St. Gallen und der ZHAW Winterthur. Röösli arbeitete nicht nur als Berufsberaterin, sie hat im Bündnerland eine Berufsberatungsstelle aufgebaut und die Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung des Kantons St. Gallen gegen Widerstände erfolgreich reorganisiert. Zudem ist sie Präsidentin der Schulkommission der Förderschule Fischingen. Zurzeit führt sie die Personalentwicklung der Stadt Winterthur.

Bleibt Klaus Rüdiger. Der Doktor phil. I ist Mittelschullehrer für Geschichte und Staatskunde. Er ist nicht nur Präsident der örtlichen SVP-Sektion, sondern auch im Stadtparlament aktiv. Dort präsidierte er schon die Fraktion und auch die GPK. Zudem war er Präsident der Einbürgerungskommission.

Ein illustres Kandidatenfeld also, das Mitte Mai zur Ausmarchung antritt. Ein absoluter Überflieger ist allerdings nicht darunter.

SVP-Mann Klaus Rüdiger etwa ist eher schon das Gegenteil: Als ehemaliges Mitglied des Vereins für psychologische Menschenkenntnis (VPM) hat er gegen anonyme Heckenschützen zu kämpfen, die ihn als nicht wählbar bezeichnen. Sich vom längst aufgelösten VPM zu distanzieren, brachte auch nichts: Nun kritisieren ihn vermutete VPM-Sympathisanten per Leserbrief. Rüdiger sitzt also zwischen Stuhl und Bank. Trotz FDP-Unterstützung für ihn: Es wäre eine Überraschung, wenn die Stimmbürger dem Schulrat und dem Stadtrat mit der Wahl Rüdigers ein (VPM-)Problem bescherten, das beide ohne ihn nicht hätten.

Nicht ohne Makel

Aber auch die beiden Kandidatinnen sind in den Augen der Stimmbürger nicht ohne Makel: Bei Esther Spinas wird moniert, sie habe kaum Führungserfahrung und sei für das Gezerre, wie im Schulbereich oft üblich, zu sensibel. Spinas relativiert dies, indem sie darauf verweist, sie sei immerhin vier Jahre Schulleiterin des Kathi und zudem Captain einer Volleyballmannschaft gewesen. Und Gezerre sei sie sich auch als Schulinspektorin gewohnt. Aber es rümpfen auch einige die Nase, wenn sie daran denken, dass ausgerechnet die frühere Schulleitern des Kathi die Wiler Oberstufen-Problematik zu lösen hätte.

Bei Röösli wird als Manko empfunden, dass die parteilose Kandidatin zwar bei früheren Tätigkeiten Durchsetzungsvermögen und strategisches Denken bewiesen habe, dies relativiere sich aber durch die fehlende Hausmacht im Parlament. Dass die SP sich inzwischen klar für sie ausgesprochen habe, ändere nichts an dieser Tatsache.

Ein zweiter Wahlgang?

Angesichts der Zahl der Kandidierenden und der Ausgangslage sei ein zweiter Wahlgang nicht unwahrscheinlich, sagen Kenner der politischen Verhältnisse in Wil. Und sie fügen an, dass dies dann wohl die Stunde der CVP sei. Diese Partei hält sich heute noch zurück und hat Stimmfreigabe beschlossen, nachdem sich mit Marlis Angehrn ihre Vertreterin bei der Oberstufen-Thematik verschliessen hat.

Diese Zurückhaltung werde die CVP in einem zweiten Wahlgang jedoch aufgeben, meinen die Politauguren, und sie kennen auch schon den Namen des dann Kandidierenden: Roland Bosshart, Wiler Bürger, in der Stadt aufgewachsen, ausgebildeter Lehrer, heute Schulinspektor im Thurgau, Parlamentsmitglied und seit jüngst Präsident der CVP Wil-Bronschhofen.

Klaus Rüdiger SVP

Klaus Rüdiger SVP

Esther Spinas Grüne/Prowil (Bilder: pd)

Esther Spinas Grüne/Prowil (Bilder: pd)

Mädchensekundarschule St. Katharina: Der Konflikt ist eine der Herausforderungen im Schulratspräsidium. (Bild: Olivia Hug)

Mädchensekundarschule St. Katharina: Der Konflikt ist eine der Herausforderungen im Schulratspräsidium. (Bild: Olivia Hug)

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