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Nichts ist mehr wie vorher bei Pauken-Didi

ST.GALLEN. Nach seiner Ausbootung als Pauken-Didi verfolgt der Arboner Dieter Reifler die Spiele des FC St.Gallen mittlerweile von einem Sitzplatz aus. Sein neues Motto: zuschauen statt schreien, klatschen statt jubeln.
Daniel Walt
Das war einmal: Pauken-Didi gibt Vollgas für Grünweiss auf seinem Instrument. (Bild: Vision Studios/zVg)

Das war einmal: Pauken-Didi gibt Vollgas für Grünweiss auf seinem Instrument. (Bild: Vision Studios/zVg)

Ausrangiert und abgeschoben: So fühlt sich der Arboner Dieter Reifler nach seiner Absetzung als Pauker im Espenblock des FC St.Gallen. "20 Jahre habe ich getrommelt, und nun darf ich das plötzlich nicht mehr. Das tut mir nach wie vor sehr weh", sagt er.

Weil das Leben aber weitergehen muss und Reifler nicht auf die Spiele seines Clubs verzichten will, geht der 36-Jährige trotz aller Enttäuschung weiter ins Stadion. Allerdings nicht mehr in den Espenblock – "dort zu stehen und nicht mehr pauken zu dürfen würde ich nicht aushalten." Der Arboner hat die ersten beiden Saisonheimspiele gegen YB und Luzern deshalb von einem Sitzplatz aus verfolgt – genauso wird er es im Match gegen Aarau von morgen Samstag halten.

Kein Kontakt mehr
Als Pauken-Didi Ende vergangener Saison seines Amtes enthoben wurde, gingen die Wogen in der FCSG-Fangemeinde hoch. "Im Stadion fragen mich die Leute nach wie vor, weshalb ich nicht mehr pauke. Ich antworte dann, das hätten einige wenige so entschieden", sagt Reifler. Mit "einigen wenigen" meint er Meinungsmacher in der Fanszene – Reifler spricht von Anhängern, die kaum 20 Jahre alt seien. Diese wollen offenbar nicht mehr auf ihren Entscheid zurückkommen, lieber mit kleinen Trommeln statt mit Didis Pauke für Stimmung zu sorgen. Zumindest haben sie Dieter Reifler nicht mehr kontaktiert – und er hat das Gespräch mit ihnen auch nicht mehr gesucht. "Das brächte auch nichts. Denn es ist wie im Militär: Bei denen mit der grössten Klappe steckt am wenigsten dahinter", so Reifler.

Den Espenblock vor Augen
War Dieter Reifler im Espenblock emotional noch voll mitgegangen, ist dies mittlerweile komplett anders. "Ich konzentriere mich aufs Spiel, schreie nicht – und bei Toren des FC St.Gallen klatsche ich einfach", hält er fest. Es sei halt etwas anderes, Fussballspiele sitzend und nicht mehr stehend zu verfolgen, begründet der Arboner. Zum anderen haben auch die Geschehnisse rund um seine Ausbootung als Pauker dazu beigetragen, dass Reifler seinen Emotionen weniger freien Lauf lässt als früher. "Ob sich das irgendwann wieder ändern wird, weiss ich nicht", sagt Reifler. Er ist nun auf den Sitzplätzen direkt gegenüber vom Espenblock, also hinter dem Tor auf der Ostseite der AFG Arena, anzutreffen. Die Begründung dafür ist simpel: "Die Sitzplätze sind dort am billigsten", sagt Reifler. Den St.Galler Fanblock hat er dort permanent vor Augen – "da denke ich manchmal schon daran, wie es wäre, wenn ich jetzt dort stehen würde", sagt er.

"Weder Hass noch Wut"
Obwohl es momentan nicht danach aussieht: Ein Comeback als Pauken-Didi im Espenblock möchte der 36-jährige Arboner nicht kategorisch ausschliessen. "Ob es nochmals so weit kommen wird, kann ich nicht beurteilen. Eine entsprechende Anfrage würde ich aber bedingungslos akzeptieren", sagt Dieter Reifler.
Welche Gefühle hegt der Arboner jenen Anhängern gegenüber, die ihn nicht mehr trommeln lassen? "Ich bin ein friedlicher Mensch und empfinde weder Hass noch Wut", antwortet er. Dieter Reiflers Ausbootung als Pauken-Didi: die ganz persönliche Tragödie eines Mannes, der 19 FCSG-Tattoos hat, dessen Kinder die Vornamen der früheren Espen-Stars Ivan Zamorano und Ionel Gane tragen – und der an seinem eigenen Hochzeitsessen in einem Nebenraum ging, um einen Match seines Vereins im Fernsehen zu verfolgen.

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