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«Nicht jede Kita ist eine gute Kita»

Nadine Hoch, die Geschäftsführerin des Verbandes Kinderbetreuung Schweiz, ist der Meinung, dass die Ostschweiz in Sachen Regulierung von Praktikumsstellen anderen Kantonen hinterherhinkt.
Nina Rudnicki
Nadine Hoch, Geschäftsführerin des Verbandes Kinderbetreuung Schweiz (Kibesuisse). (Bild: PD)

Nadine Hoch, Geschäftsführerin des Verbandes Kinderbetreuung Schweiz (Kibesuisse). (Bild: PD)

Nadine Hoch, Kitas stehen in der Kritik, Praktikanten als billige Arbeitskräfte auszunutzen. Wie geht der Verband Kibesuisse mit fehlbaren Mitgliedern um?

Wir empfehlen unseren Mitgliedern, von Vorlehrpraktika abzusehen, wenn sie nicht im Rahmen eines Berufsvorbereitungsjahres angeboten werden. Wir machen zudem Lohn- und Anstellungsempfehlungen. Auch fordert der Verband, dass nicht mehr Praktikanten und Praktikantinnen eingestellt werden, als es Lehrstellen gibt. Für die Bewilligungsvorgaben zuständig sind allerdings die Kantone. Sie haben es in der Hand, zu den Praktika Regelungen zu definieren.

Gerade wurde darüber im St. Galler Kantonsrat diskutiert…

Ja, allerdings stellt mich die Antwort der St.Galler Regierung nicht ganz zufrieden. So sagt die Regierung, dass sie das Spielen des freien Marktes befürwortet, so lange Praktikantinnen und Praktikanten fair entlöhnt würden. Der Kanton könnte solche Praktikumsstellen regulieren, scheut sich jedoch vor der Kostenfolge, da die öffentliche Hand die Elterntarife in den Kitas ja auch gleichzeitig subventioniert. Ich fände es deshalb wichtig, dass sich auch die Kantone an der Subventionierung der Elterntarife beteiligen und dies nicht nur den Gemeinden überlassen. Die Ostschweiz hinkt diesbezüglich hinterher.

Wie ist die Situation in anderen Kantonen?

Der Kanton Bern investiert beispielsweise ab 2019 mittels Betreuungsgutscheinen in die Kinderbetreuung und in der Romandie ist die Investitionsteilung zwischen Gemeinden und Kanton schon längst der Fall. Zudem werden in der Romandie die Praktikantinnen und Praktikanten nicht in den Betreuungsschlüssel mit eingerechnet. Für die Kantone ist dieser Schritt allerdings mit Mehrkosten verbunden.

Von wie viel sprechen wir?

Im Durchschnitt kostet ein Platz in einer Kindertagesstätte 110 Franken. Ohne Praktikanten würde der Tagesansatz um 20 Prozent ansteigen. Wer also soll diese Mehrkosten bezahlen? Die Eltern werden bereits mehr als genug belastet. Auch die Gemeinden investieren viel. Es braucht drum die zusätzliche Bereitschaft der Kantone. Gleichzeitig muss die Öffentlichkeit sensibilisiert werden: Nicht jede bewilligte Kita ist eine gute Kita. Eltern sollen daher Fragen zum Personal und zum Betreuungsschlüssel stellen.

Wie hoch ist die Zahl der Jugendlichen, die trotz Praktikum keine Lehrstelle bekommen?

Wir kennen die Zahlen nicht. Was ich sagen kann, ist, dass fast 90 Prozent der Lernenden, die eine Lehrstelle bekommen, zuerst ein Praktikum gemacht haben. Erfreulich ist, dass diese Zahl seit einigen Jahren zwar nur leicht, aber kontinuierlich abnimmt.

Wie konnte das Praktikum vor der Lehre in den Betreuungsberufen zur Selbstverständlichkeit werden?

Genau wie bei den Krankenschwestern konnten Berufe in der Betreuung früher erst ab 18 Jahren erlernt werden. Zudem war es obligatorisch, dass die Jugendlichen vor Lehrbeginn ein Praktikum absolvierten. Die Jugendlichen sollten dadurch einen Einblick darin erhalten, was es bedeutet, für Kinder Verantwortung zu übernehmen. Diese Regelung wurde jedoch mit der Einführung des eidgenössischen Fähigkeitszeugnisses vor rund zehn Jahren abgeschafft. Einige Kita-Leiterinnen haben aber das alte System noch verinnerlicht.

Mit dem Fähigkeitszeugnis ist der Beruf für Jugendliche also attraktiver geworden?

Ja. Fachperson Betreuung ist der viertbeliebteste Beruf. Vielen Jugendlichen ist aber nicht bewusst, mit welchen Herausforderungen er verbunden ist und sie haben falsche Erwartungen. Das Praktikum ist für die Kitas also auch eine Möglichkeit, die Bewerberinnen und Bewerber auf ihre Ernsthaftigkeit hin zu testen. Dazu braucht es allerdings nicht ein Jahr!

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