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NEWSROOM: «Wir werden Geschichten besser erzählen»

Die Redaktion des «St. Galler Tagblatts» hat an der Fürstenlandstrasse ein neues Grossraumbüro bezogen. Chefredaktor Stefan Schmid über die Hintergründe des Umzugs und die Auswirkungen auf die Leserschaft.
Katharina Brenner
«Der Austausch und das Gemeinschaftsgefühl werden im neuen Newsroom gefördert», sagt Stefan Schmid, Chefredaktor des «St. Galler Tagblatts» und seiner Regionalausgaben. (Bilder: Urs Bucher (St. Gallen, 6. April 2018))

«Der Austausch und das Gemeinschaftsgefühl werden im neuen Newsroom gefördert», sagt Stefan Schmid, Chefredaktor des «St. Galler Tagblatts» und seiner Regionalausgaben. (Bilder: Urs Bucher (St. Gallen, 6. April 2018))

Interview: Katharina Brenner

katharina.brenner@tagblatt.ch

Stefan Schmid, warum ist die Tagblatt-Redaktion umgezogen?

Wir waren zunehmend unzufrieden mit den Einzelbüros an der Fürstenlandstrasse. Ressorts, die zusammenge­hören, wie etwa Infografik und Layout, waren räumlich getrennt. Das entspricht nicht einem modernen Redaktionsalltag. Sparmassnahmen haben auch eine Rolle gespielt: Wir brauchen im Grossraumbüro insgesamt weniger Platz und zahlen weniger Miete.

Du sprichst von Unzufriedenheit mit den Einzelbüros. Wir Redaktoren waren damit aber zufrieden.

Ein Einzelbüro hat gewisse Vorteile. Man kann in Ruhe telefonieren und eigene Bilder aufhängen. Unzufriedenheit hat es vor allem auf der Führungsstufe gegeben. Es ist uns nie gelungen, den alten Newsroom zum pulsierenden Herzen der Zeitung zu machen. Der neue Newsroom schafft optimale Voraussetzungen für ressortübergreifendes, Print und Online verbindendes Arbeiten.

Profitieren davon auch die Leser?

Heute kommen die Leser nicht mehr automatisch zu uns. Wir müssen unsere Geschichten dort publizieren, wo die Leser sind. Das heisst: besser erzählen, besser planen, im richtigen Moment am richtigen Ort ausspielen. Wir werden versuchen, das optimal zu machen.

Kannst Du ein Beispiel nennen?

Die Einbürgerung des Imams Bekim Alimi. Das Thema lief vorerst und zu lange ausschliesslich in der «Wiler Zeitung» und nicht im Ostschweizteil. Die Wiler Kollegen haben sehr gute Arbeit gemacht, aber diese Geschichte interessiert eigentlich die ganze Ostschweiz. Solche Abläufe werden wir verbessern.

Wie wichtig ist dem Tagblatt der Lokaljournalismus?

Sehr wichtig. Der Grossteil unserer Journalisten arbeitet im Regionalen und Lokalen. Das zeigt, wie entscheidend für uns die Nähe zur Leserschaft ist.

Die Stadtredaktion musste das Zentrum allerdings verlassen und an die Fürstenlandstrasse zügeln – obwohl sie sich dagegen wehrte.

Ich habe Verständnis für die Skepsis. Die Stadtredaktion hatte eine eigene Identität – auch in Abgrenzung zur Zentrale an der Fürstenlandstrasse. Es war uns aber ein grosses publizistisches Anliegen, die grösste Lokalredaktion des Tagblatts von Anfang an in den Newsroom zu integrieren. Die Region St. Gallen ist das Zentrum der Ostschweiz. Die Journalisten, die sich täglich mit ihr beschäftigen, gehören deshalb ins Zentrum der Tagblatt-Redaktion. Hinzu kommt: Wir können das Redaktionsgebäude am Oberen Graben verkaufen. Das gibt wieder Geld.

Die Redaktoren sind jetzt weiter weg vom innerstädtischen Geschehen.

Das ist ein Nachteil, keine Frage. Umso wichtiger ist es, dass unsere Redaktorinnen und Redaktoren oft in der Stadt unterwegs sind, ihre Freizeit dort verbringen, neugierig und kreativ bleiben. Das ist viel entscheidender, als dass sie im Büro jedes Polizeiauto hupen hören.

Wenn der Standort nicht so wichtig ist, wird dann bald auch über das Toggenburg oder das Appenzellerland von der Fürstenlandstrasse aus berichtet?

Die Medienwelt wandelt sich so schnell, dass ich keine Prognose wage, was in drei oder fünf Jahren ist. Was ich aber sagen kann: Es gibt im Moment keine Pläne, weitere Redaktionen hierher zu holen.

Der Newsroom ist nicht die einzige Veränderung: ein neues Layout, die Umstellung auf die Zweibundzeitung, die Zusammenarbeit mit Luzern, bald mit dem Aargau. Muten wir den Lesern zu viel zu?

Wir muten sowohl unseren Lesern als auch uns selber sehr viel zu. Aber wir können den Strukturwandel nicht stoppen. Nicht nur in den Medien, auch in anderen Branchen werden diejenigen überleben, die sich anpassen. Die verkaufte Printauflage nimmt ab, die ­Onlinenutzung zu. Darauf müssen wir reagieren. Und wir müssen selbstbewusster werden. Guter Journalismus hat einen Preis.

Noch sind unsere Onlineangebote gratis. Wird sich das ändern?

Ja, das ist in Planung. Es wird verschiedene Angebote geben. Klar ist: Guter Journalismus ist teuer. Gratis ist er auf Dauer nicht zu haben.

Welche Reform kommt als nächste?

Radio FM1, die Online-Plattform FM1Today und TVO ziehen auch an die Fürstenlandstrasse. Darüber freue ich mich sehr. Es entsteht ein richtiges Ostschweizer Medienhaus mit Radio, Fernsehen, Print und Online unter einem Dach. Tagblatt.ch wird dabei intensiver mit FM1Today zusammenarbeiten, wir werden uns aber inhaltlich stärker unterscheiden als heute. Tagblatt.ch richtet sich an ein anspruchsvolleres, auch politisch interessiertes ­Publikum, FM1Today soll primär ein Unterhaltungsportal für junge Ostschweizer sein.

Du lobst die Nähe im neuen Newsroom. Studien belegen jedoch, dass Mitarbeiter in Grossraumbüros häufiger krank sind, dass Lärm und Ablenkung belasten.

Wir sollten nicht verallgemeinern. Jede Bürosituation ist anders. Ich habe nach den ersten Tagen einen guten Eindruck von unserem Newsroom. Der Austausch und das Gemeinschaftsgefühl werden gefördert. Ich bin zuversichtlich, dass sich dies positiv auf die journalistische Qualität auswirken wird.

Sind heikle Telefongespräche möglich, wenn 70 Kollegen zuhören?

Dafür haben wir separate Räume geschaffen, und es gibt Sitzungszimmer. Meine Erfahrung in anderen Grossraumbüros zeigt: Das spielt sich schnell ein.

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