Neun Monate für Betrüger

Nach dem Mammutprozess vor dem Appenzeller Bezirksgericht wegen Kinderpornographie, versuchten Betruges und Urkundenfälschung sind gestern die Urteile bekanntgegeben worden.

Martina Brassel
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Appenzell. Die Urteile fielen härter aus als von der Staatsanwaltschaft gefordert. Am glimpflichsten kam der Angeklagte davon, der einen grossen Teil der Dokumentenfälschungen veranlasst und selber vorgenommen hatte. Der 50jährige Mann aus dem Sarganserland wurde wegen mehrfacher Urkundenfälschung und versuchten Betruges schuldig gesprochen und mit einer bedingten Gefängnisstrafe von 24 Monaten bestraft. Die Probezeit beträgt drei Jahre.

Schuldig in allen Punkten

Härter traf es den zweiten Angeklagten. Der 53-Jährige aus Wil wurde zwar wegen derselben Delikte schuldig gesprochen und erhielt ebenfalls eine 24monatige Gefängnisstrafe, muss davon aber sechs Monate absitzen. Der Grund: Der Mann ist wegen ähnlicher Delikte bereits vorbestraft.

Der dritte Angeschuldigte, ein 56jähriger Geschäftsmann aus Appenzell, muss für neun Monate hinter Gitter. Dazu kommt eine bedingte Strafe von 26 Monaten unter Ansetzung einer vierjährigen Probezeit.

Der Mann wurde in allen Anklagepunkten – mehrfache Urkundenfälschung, mehrfacher versuchter Betrug, Betrug und Kinderpornographie – schuldig gesprochen. In Bezug auf den versuchten Betrug mit gefälschten Kunstgemälden wurde der Mann «in dubio pro reo» freigesprochen.

Das grosse Geld gerochen

Die gefällten Urteile fielen härter aus als von der Staatsanwaltschaft beantragt. Diese hatte bedingte Strafen zwischen 12 und 18 Monaten gefordert.

Alle Beteiligten hätten das grosse Geld gerochen und gewusst, dass die getätigten Geschäfte nicht legal sein konnten, so der Gerichtspräsident. «Beim dritten Angeschuldigten hatte man das Gefühl, er sei zu den Kinderpornos gekommen wie Maria zum Kind», erklärte der Gerichtspräsident. Der Mann sei nicht etwa aufgeflogen wegen dem laufenden Betrugsverfahren, sondern zu dem Zeitpunkt, als ein ganzer Kinderporno-Ring gesprengt worden sei.

«Seine Kreditkartennummer tauchte in diesem Zusammenhang unzählige Male auf», so der Gerichtspräsident.

Die Verfahrenskosten von über 170 000 Franken gehen trotz Schuldsprüchen über die Hälfte zu Lasten des Staates. Bestimmte Untersuchungen waren unnötig, sagte das Gericht. Die beiden ersten Angeschuldigten müssen je rund 25 500 Franken bezahlen, der dritte rund 41 000 Franken.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidiger kündigten nach dem Prozess an, gegen das Urteil Berufung einzulegen.

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