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Neuer Anlauf für ein einstiges Wunderkind: Guillemenot muss beim FC St.Gallen durchstarten

Jérémy Guillemenot galt einst als Versprechen für die Zukunft, Barcelona holte ihn einst in seine Jugendabteilung. Beim FC St.Gallen will der 21-Jährige die ins Stocken geratene Karriere neu lancieren. Dafür muss er spielen – um jeden Preis. Es könnte sonst nicht gut kommen.
Christian Brägger
Jérémy Guillemenots Blick schweift in die Ferne. (Bild: Benjamin Manser)

Jérémy Guillemenots Blick schweift in die Ferne. (Bild: Benjamin Manser)

Wer im selben Flieger sitzt wie Neymar, Messi und Suarez, ist schon einmal nah dran bei den Stars. Und doch weit weg. Wer mit Barcelona B auf dem Fussballplatz neben Barcelona A trainiert und auf Iniesta, Piqué und Rakitic schielt, denkt:

«Dort, mit diesen Grössen, will ich dereinst Fussball spielen.»

Jetzt spielt Jérémy Guillemenot Fussball für St.Gallen. Alain Sutter hat ein Faible für junge Akteure, deren Karrieren ins Stocken geraten, deren Biografien wechselhaft sind. Solche «schwierigen» Spieler sind seine Projekte, sie haben für den St.Galler Sportchef einen besonderen Reiz. Als Sutter noch selbst aktiv war, haben nicht wenige Aficionados ihn ähnlich gesehen, als besonders und reizvoll, und vielleicht auch als «schwierig».

Dabei galt Guillemenot mit 17 Jahren als eines der grössten Schweizer Talente, wenn nicht als grösstes. Der FC Barcelona, der ihn im Sommer 2016 in seine sagenumwobene Jugendabteilung «La Masia» holte, war mit diesem Urteil nicht allein. Auch der Schweizer Fussballverband SFV listete den Mittelstürmer als Footuro-Spieler auf, der nach all den Länderspielen mit den Nachwuchsauswahlen dereinst in der A-Nationalmannschaft aufzulaufen hat. Und Fredy Bickel, damals Sportchef bei den Young Boys.

Guillemenot – das Talent aus der Schmiede Servettes

Da seither sehr vieles nicht nach Wunsch verlief, weiss Guillemenot nicht einmal mehr, ob er auf dieser SFV-Liste steht; er tut es. Heute kann Guillemenot gewiss noch ein guter Fussballer werden, obwohl ihm die Spiele fehlen, die ein 21-Jähriger normalerweise in den Beinen hat. Hierfür müssen die nächsten Monate und Jahre gelingen, hierfür muss er nun unbedingt beim FC St.Gallen Fuss fassen. Sonst komme das nicht gut, sagt Bickel.

Jérémy Guillemenot (sprich: «Schijemeno»), der Sohn einer portugiesischen Lehrerin und eines französischen Bildtechnikers, wuchs wohl behütet in Genf auf. In einer Stadt, in der Sport nichts zähle, wie er sagt. Der Bub galt als etwas furchtsam und scheu, auf dem Fussballplatz mit Servette aber, da war er ein anderer Mensch, frecher und aggressiver.

Früh setzte der überaus talentierte Guillemenot alles auf die Karte Fussball, er brach die Kantonsschule nach einem Jahr ab, später in Barcelona, wo er in der Akademie von jetzt auf gleich das Leben eines Profis führte, war der Spagat zwischen seinem Sport und der Fachmittelschule ebenfalls zu gross; das fehlende Jahr will er noch nachholen.

Das Angebot, das den Kopf verdrehte

Dabei hatte Guillemenot noch lange über das Angebot der Katalanen nachgedacht, das ihm so sehr schmeichelte. Die bodenständigen Eltern rieten von der Zusage ab, auch der Berater war nicht begeistert. «Aber wer kann so etwas Einmaliges von so einem einmaligen Club ausschlagen?», sagt er.

Schwierig. Und Servette zementierte den Ruf als Talentschmiede der Schweiz, da gab es ja schon Kevin Mbabu, Denis Zakaria, François Moubandje. Oder einst Philippe Senderos. In den zwei Jahren in Spanien hatte Bickel, nun Sportchef bei Rapid Wien, Guillemenot nie aus den Augen verloren. Im vergangenen Sommer griff der Zürcher zu, als er eine Möglichkeit sah, den immer unglücklicheren Westschweizer zu verpflichten. Bickel sagt:

«Natürlich verdreht die Offerte eines Topclubs den Kopf jedes jungen Spielers. Ich rate von solchen frühen Transfers ins Ausland ab, das kommt selten gut. Man ist dort Massenware, es herrscht ein Kommen und Gehen im Dutzend. Jérémy hätte lieber den Schweizer Weg gewählt.»

Tatsächlich stellt Johan Djourous Laufbahn, der als Jugendlicher zu Arsenal wechselte und es direkt schaffte, eine Ausnahme dar. In Rapid fand Guillemenot mit 108 Einsatzminuten nicht den Tritt, die Wiener fanden ihn ebenfalls nicht. Als er die Hypothek des fehlenden Rhythmus endlich aufgeholt hatte, tauschte Bickel den Trainer. Doch Dietmar Kühbauer, der neue Mann an der Seitenlinie und vom Wesen her ein impulsiver Giftzahn, hielt wenig vom ruhigen Stürmer, der bald einmal als Fehleinkauf galt. Man passte und fand nicht mehr zueinander, St.Gallen und Sutter kamen da gerade recht.

Die Gedanken an Barcelona sind präsent

Die Gedanken an Barcelona sind noch präsent. Die Zeit mit Barcelona könne ihm niemand nehmen, sagt Guillemenot. Er sei auf dem Platz und in allen Dingen des Lebens so sehr gereift, wie er nirgends sonst hätte reifen können. «Und ja, Messi ist letztlich auch nur ein Mensch, er hat Füsse und Hände, wie ich.»

Am 16. Februar gegen Thun spielte Guillemenot erstmals in einem Pflichtspiel für den FC St.Gallen. (Bild: Marc Schumacher)

Am 16. Februar gegen Thun spielte Guillemenot erstmals in einem Pflichtspiel für den FC St.Gallen. (Bild: Marc Schumacher)

Noch sind Guillemenots Gedanken an frühere Tage oft präsent. Und wenn er zum Einschlafen klassische Musik hört, denkt er vielleicht auch ein wenig ans Jetzt, an St.Gallen, wo das einstige Wunderkind mit dem unschuldigen Blick das verloren gegangene Ich wieder finden will.

St.Gallen wohl ohne Barnetta

Letzte News: In Sitten geht es heute für den FC St.Gallen ab 19 Uhr darum, aus einem grundsätzlich passablen Rückrundenstart keinen schwachen zu machen. Es gilt, die Niederlage gegen Thun zu korrigieren sowie den Zweipunktevorsprung auf die Walliser mindestens zu wahren, wobei die Ostschweizer auf Sieg spielen wollen. Nicht zum Aufgebot gehören unter anderen Slimen Kchouk, Milan Vilotic und Philippe Koch, der den Platz auf der Kontingentsliste behalten hat, weil es bis zum 15.Februar keinen Transfer mehr gab; Koch ist als rechter Verteidiger derzeit im St.Galler Kader der einzige Ersatz für Nicolas Lüchinger. Simone Rapp bekundete in diesen Tagen Mühe mit dem Rücken, ist im Tourbillon aber wie Leonidas Stergiou einsatzfähig. Wegen einer Gelbsperre fehlt dafür Majeed Ashimeru.

Und erneut ausfallen dürfte Tranquillo Barnetta – sein Knie hatte auf die Belastung der Partien gegen Zürich und Basel reagiert, nur einmal konnte er unter der Woche voll trainieren. Überdies sagte Sportchef Alain Sutter, er tausche sich mit Alain Wiss aus, es sei wichtig, dass der Spieler in Ruhe die Reha absolviere und sich nach dem Kreuzbandriss und Auslaufen des Kontrakts keine Sorgen um die mittelbare Zukunft machen müsse. Eine Option scheint, dass der FC St.Gallen Wiss einen neuen Halbjahresvertrag bis zum Ende der nächsten Vorrunde anbietet und dann schaut, wie sich die Dinge entwickeln. Sutter hat auch mit Barnetta Gespräche geführt, dessen Vertrag ausläuft. Hier ist die Ausgangslage offen, massgebend wird sein, wie viel Energie im 33-jährigen Körper noch steckt. Und für Barnetta wohl auch, wie der FC St.Gallen der nächsten Saison aussehen wird. In der aktuellen gehört der abwanderungswillige Nassim Ben Khalifa weiter zum Kader, aber sie zählen in St.Gallen nicht auf ihn. (cbr)

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