Neue Zonen machen Billett teuer

Eine Zugfahrt Kreuzlingen–St. Gallen kostet seit Dezember 30 Prozent mehr. Statt sechs werden nun acht Tarifzonen verrechnet. Der öffentliche Verkehr könne so nicht zulegen, kritisiert der Kreuzlinger Bahnfahrer Adrian Heeb.

Thomas Wunderlin
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Adrian Heeb wartet auf den Zug im Bahnhof Frauenfeld; mit seinem Billett darf er auch die Stadtbusse benützen. (Bild: Reto Martin)

Adrian Heeb wartet auf den Zug im Bahnhof Frauenfeld; mit seinem Billett darf er auch die Stadtbusse benützen. (Bild: Reto Martin)

KREUZLINGEN. Seine Tochter habe ihn auf das verteuerte Billett aufmerksam gemacht, sagt der Kreuzlinger Adrian Heeb. Um ihren Freund in St. Gallen zu besuchen, zahle sie seit Dezember 2014 für eine einfache Fahrt mit dem Halbtax-Abo 9.10 statt 6.90 Franken wie bisher – ein Aufschlag um 30 Prozent. Der Vater hat recherchiert, dass der Ostwind-Verbund seine Einnahmen um 5,5 Millionen Franken erhöhen will. Zur Kasse gebeten würden wohl viele Berufsschüler, die in St. Gallen die Schule besuchen, auch PH- und PMS-Absolventen, vermutet Heeb. Als Mitglied des Komitees zum Schutz des Seerückens bekämpft er die Strassenprojekte BTS und OLS und unterstützt den öffentlichen Verkehr. Wenn man diesen fördern wolle, seien die Erhöhungen kontraproduktiv.

Mehrere Zonen halbiert

Eine allgemeine Tariferhöhung habe es keine gegeben, sagt Urs Zingg von der Abteilung für öffentlichen Verkehr im Thurgauer Departement für Inneres und Volkswirtschaft. Der Tarifverbund habe jedoch vier grosse Zonen halbiert, nämlich Kreuzlingen, St. Gallen, Gossau/Herisau und Altstätten/Heerbrugg. Bei den Auswirkungen auf die Fahrpreise «ist Kreuzlingen–St. Gallen wohl ein Extrembeispiel». Statt sechs umfasst die Strecke nun acht Zonen. Bei den Abos gab es keine Erhöhung, da dort die Zonen Kreuzlingen und St. Gallen schon bisher doppelt zählten. Zingg hält die Tarifänderungen in diesen grossen Zonen für gerechtfertigt: «Der Preis war vorher zu tief.» In den Zentren sei das Angebot viel grösser als in einer Landzone, doch der Preis sei derselbe. Dass der öffentliche Verkehr so nicht gefördert werde – «das hören wir immer; andere sagen, er müsse selbsttragend sein.» Tatsächlich seien manche Linien nur zu 30 Prozent kostendeckend, andere über 50 Prozent. Den Rest zahlen Bund und Kanton je etwa zur Hälfte.

Gesenkt bei Einführung

Der Tarifverbund Ostwind begründete die Tarifänderungen bei der Ankündigung mit dem «konsequenten Ausbau des öffentlichen Verkehrs», an dessen Kosten sich die Nutzer beteiligen müssten. Bei der Einführung des Tarifverbunds 2009 seien die Zonen Kreuzlingen, St. Gallen und Gossau/Herisau zusammengelegt worden, um «überproportionale Preiserhöhungen gegenüber dem damaligen Streckentarif abzufedern». Fahrten in die Zentren seien günstiger geworden. Laut Ostwind-Geschäftsführer Werner Thurnheer wurden viele Preise «sehr stark verbilligt, zu stark, wie sich jetzt zeigte». Der Aufschlag würde nur 60 Rappen ausmachen gegenüber dem direkten Verkehr, wenn nur von Bahnhof zu Bahnhof gefahren würde. Bei den 50 Tarifkilometern für Kreuzlingen–St. Gallen ergebe sich ein Kilometerpreis von circa 18 Rappen, inbegriffen das dichte Busnetz in Kreuzlingen und St. Gallen.

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