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Die St.Galler Regierung will fünf Spitäler schliessen und die übrigen vier Standorte stärken: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Die St.Galler Regierung stellt ihre neue Spitalstrategie vor und betont deren Notwendigkeit. Für sie ist klar: Gelingt die Konzentration nicht, «wird es richtig teuer».
Regula Weik
Präsentieren die Spitalstrategie: die Regierungsmitglieder Benedikt Würth, Heidi Hanselmann, Marc Mächler und Stefan Kölliker (von links). (Bild: Urs Bucher)

Präsentieren die Spitalstrategie: die Regierungsmitglieder Benedikt Würth, Heidi Hanselmann, Marc Mächler und Stefan Kölliker (von links). (Bild: Urs Bucher)

Am Tisch sitzen vier Regierungsmitglieder: Präsidentin und Gesundheitschefin Heidi Hanselmann, Finanzchef Benedikt Würth, Bauchef Marc Mächler und Bildungschef Stefan Kölliker. Dies zeigt: Das Geschäft ist gewichtig. Und es ist ernst. Fünf Spitäler im Kanton sollen geschlossen und zu regionalen Gesundheits- und Notfallzentren umgebaut werden. So sieht es die neue Spitalstrategie vor. Die Regierung lässt dabei keine Zweifel aufkommen: Gelingt die Konzentration der stationären Angebote an den vier Spitälern Grabs, St.Gallen, Uznach und Wil nicht, steht nicht nur die künftige Gesundheitsversorgung im Kanton auf dem Spiel. «Dann wird es richtig teuer», sagt Finanzchef Würth. Die St.Galler Spitäler hätten ein gröberes strukturelles Pro­blem. «Wir müssen diese Realität anerkennen.» Eine Übersicht über die wichtigsten Fragen und Antworten:

Weshalb müssen Spitäler geschlossen werden?

Im Frühling 2018 hatte der Spitalverwaltungsrat Alarm geschlagen: Die Finanzen der St.Galler Spitäler liefen aus dem Ruder. Die Rede ist von jährlichen Löchern von 70 Millionen Franken. Die Regierung hat seither intensive Abklärungen getroffen und Berechnungen angestellt. Diverse Kommissionen, Arbeitsgruppen und Experten haben Fragen geklärt, Zahlen analysiert, Schlüsse gezogen. Mit dem ernüchternden Ergebnis: Es müssen Spitäler geschlossen werden.

Welche Spitäler trifft es?

Rorschach, Flawil, Wattwil, Walenstadt und Altstätten werden bald ohne Spital dastehen (Grafik unten).

Gibt es einen Ersatz?

Die Regierung plant an den betroffenen Standorten regionale Gesundheitszentren. Die Spitalverbunde sollen zusammen mit niedergelassenen Ärzten eine breite ambulante Grundversorgung sicherstellen. Ergänzungen mit Spezialsprechstunden, Spitex, Alternativmedizin oder Therapien sind möglich.

Verlieren die Regionen die Notfallversorgung?

Nein. Die Rede ist von regionalen Gesundheits- und Notfallzentren. So soll es künftig in Rorschach, Flawil, Wattwil, Walenstadt und Altstätten einen 24-Stunden-Notfallbetrieb geben, mit wenigen Betten zur Überwachung von Patienten über Nacht. Die jährlichen Kosten von 6,25 Millionen Franken trägt der Kanton.

Wann wird das erste Spital geschlossen?

Der ganze Prozess soll 2028 abgeschlossen sein. Die Spitäler Rorschach und Flawil werden als erste 2022 geschlossen und in regionale Gesundheits- und Notfallzentren umgewandelt. 2024 folgt Wattwil, 2027 dann Altstätten und Walenstadt.

Wie lang werden die Wege zum nächsten Spital?

Das Versprechen der Regierung: Es wird auch künftig im ganzen Kanton eine qualitativ gute Gesundheitsversorgung geben. Und eine gut erreichbare: Der Rettungsdienst soll überall in maximal 15 Minuten vor Ort sein, die Fahrzeit zum nächsten Notfallzentrum für alle 20 Minuten, jene zum nächsten Spital 30 Minuten betragen.

Wie viele Stellen gehen verloren?

Heute arbeiten 5800 Personen an den St.Galler Spitälern. Deren Umbau ­kostet 60 bis 70 Vollzeitstellen – bis 2028. Der Stellenabbau soll möglichst über natürliche Fluktuation geschehen. Fakt ist auch: Es wird zu Verschiebungen kommen; nicht jeder Mitarbeiter von Wattwil oder Altstätten wird auch künftig dort beschäftigt werden können.

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Weshalb wird Flawil nicht ­verkauft?

Für Flawil interessiert sich eine Privatklinikgruppe. Mit einem Verkauf an sie werden die stationären Angebote im Kanton nicht konzentriert, sondern lediglich von öffentlich zu privat verschoben. Dies führt zu einer Schwächung der «überlebenden» Spitäler. Diese sind dringend auf die Flawiler Patientinnen und Patienten angewiesen.

Weshalb braucht es in Grabs und Wil mehr Betten?

Während im ganzen Kanton die Zahl der Spitalbetten in den nächsten Jahren um insgesamt 330 reduziert werden soll, kommen in Grabs 60 und Wil 20 neue Betten dazu. Der Grund: Die ­Patienten werden mit den Spital­schliessungen andere Spitäler aufsuchen müssen.

Was passiert mit dem Konzept für das Spital Wattwil?

Die Regierung verwirft die Wattwiler Stiftungsidee. Der Kanton hätte das Spital gratis übertragen und sich als Stifter engagieren sollen – er hätte damit Defizite decken müssen, ohne ernsthaft mitreden zu können.

Wie viel Geld kostet die neue Strategie den Kanton?

Der Kanton erhöht seine gemeinwirtschaftlichen Leistungen um 20 Millionen – jährlich wiederkehrend. Und er leistet einen einmaligen «Sanierungsbeitrag» von 70 Millionen an die Spitalregion Fürstenland Toggenburg.

Was müssen die Spitäler beitragen ?

Der Kanton ist zwar Besitzer der Spitäler, aber als Unternehmen sind die Spitäler für ihren wirtschaftlichen Erfolg verantwortlich. Eine im Gesundheitsbereich geltende Regel besagt: Die Spitalunternehmen sollen eine Ebitda-­Marge von 10 Prozent erwirtschaften. Mit der Strategie der Regierung wird eine Marge von 7,3 Prozent erreicht. Die Spitäler müssen deshalb selber auch noch Einsparungen erzielen; die Rede ist von 19 Millionen Franken.

Was geschieht, wenn die Strategie nicht aufgeht?

«Untauglich», «unrealistisch», «dem Spitalverwaltungsrat unterwürfig»: Die Regierung muss für ihre Strategie bereits harte Kritik einstecken. Sie betont den hohen wirtschaftlichen Druck. Gelinge die Sanierung nicht wie vorgeschlagen, dann seien finanzielle Engagements des Kantons, wie Darlehen, von aktuell 550 Millionen nicht mehr gesichert.

Wann berät die Politik?

Bis Weihnachten dauert nun die Vernehmlassung. Im Februar soll dann die definitive Botschaft auf dem Tisch des Kantonsparlaments liegen. Die Beratungen finden in der Aprilsession und an einem zusätzlichen, ausserordentlichen Sessionstag im Mai 2020 statt.

Hat das Volk nichts zu sagen?

Setzt sich die Strategie durch, sind Gesetzesänderungen nötig, Nachträge zu den Volksabstimmungen von 2014 und ein finanzielles Engagement des Kantons. Einige dieser Beschlüsse müssen dem Volk vorgelegt werden. Die Abstimmungen dürften im Herbst oder Winter 2020 stattfinden.

Was sagt der Spital­verwaltungsrat?

Er unterstützt den Vorschlag der Regierung. Die Strategie sei der «richtige Weg», um die Gesundheitsversorgung im Kanton «nachhaltig, qualitativ sehr gut und finanziell tragbar zu gestalten», sagt Felix Sennhauser, Präsident des Spitalverwaltungsrats.

Das plant die Regierung mit den geschlossenen Spitälern

Das Spital Altstätten ist heute mit dem Pflegeheim verbunden. Der Standort kommt grundsätzlich für das vorgesehene Gesundheits- und Notfallzentrum in Frage. Da die Bausubstanz nicht mehr in allen Bereichen bestens ist, wäre laut Re­gierung allerdings auch ein Rückbau denkbar.

Die Spitalbauten sind schon heute mit dem Wohn- und Pflegeheim Flawil verbunden. Eine Teilnutzung als Gesundheits- und Notfallzentrum ist vorstellbar. Die bestehende Baulandreserve könnte für die städtebauliche Entwicklung genutzt werden, zum Beispiel für Alterswohnungen.

Für das Spital Rorschach sieht die Regierung ­keine weitere Verwendung vor. Aufgrund der schlechten Bausubstanz sei ein Abbruch angezeigt. Zudem sei die wenig zentrale Lage für das geplante Gesundheits- und Notfallzentrum nur bedingt geeignet. Denkbar sei dagegen eine Umnutzung in Wohngebiet.

Mit dem Neubau des ­Alters- und Pflegeheims Riva auf dem Spitalareal Walenstadt wird eine Verbindung zum Spitalgebäude hergestellt. Der Standort kommt grundsätzlich auch für das Gesundheits- und Notfallzentrum in Frage. Die Baulandreserve könnte für städtebauliche Entwicklung genutzt werden.

In Wattwil kann das künftige Gesundheits- und Notfallzentrum in die bestehenden Bauten integriert werden. Für die weitere Nutzung der Gebäude laufen derzeit Gespräche mit Dritten, die im Idealfall zu einer Ergänzung der Leistungspalette des Zentrums und der Spitalverbunde führen.

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