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Inländervorrang bei Praktikumsstellen: Studenten und Flüchtlinge sind kaum betroffen

Ab dem Sommer tritt die Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative in Kraft: In Branchen mit hoher Arbeitslosigkeit sollen inländische Arbeitslose einen Vorsprung erhalten. Manche meldepflichtigen Berufe werfen aber Fragen auf.
Kaspar Enz
Für Studenten bieten Praktika erste Erfahrungen in der Berufswelt. (Gaetan Bally/Keystone)

Für Studenten bieten Praktika erste Erfahrungen in der Berufswelt. (Gaetan Bally/Keystone)

Dies ist ein Artikel der "Ostschweiz am Sonntag". Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: www.tagblatt.ch/epaper

Am ersten Juli ist es so weit: Dank des sanften Inländervorrangs sollen inländische Arbeitslose Zugang zu offenen Stellen bekommen, von denen sie vorher nichts wussten. Offene Stellen in Berufsgruppen mit besonders hoher Arbeitslosigkeit müssen neu den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren gemeldet werden – und zwar bevor die Stelle öffentlich ausgeschrieben wird. Die RAV können in dieser Zeit den Firmen passende Stellensuchende vorschlagen.

Rund 260 Tätigkeiten in 19 Berufsgruppen sind künftig meldepflichtig. Stark vertreten sind Bau- und Gastgewerbe: Isolierer oder Küchenpersonal, Portiers oder Verputzer. Doch auch Unternehmen, die nicht in diesen Branchen tätig sind, lässt die Meldepflicht nicht kalt. «Wir bereiten uns darauf vor», sagt Jolanda Meyer, Mediensprecherin der St. Galler Kantonalbank. Banker und Kaufleute stehen zwar nicht auf der Liste. «Aber wir haben auch Telefonisten, Receptionistinnen oder Mitarbeitende im Bereich Marketing – alles Berufsgruppen, die auf der Liste stehen.»

Solche Stellen muss die SGKB künftig noch vor der öffentlichen Ausschreibung melden, und sie muss die Vorschläge der RAV prüfen. Das sei mit zusätzlichem Aufwand verbunden, sagt Meyer. Keinen zusätzlichen Aufwand erwartet die Bank aber bei den angebotenen Praktikumsstellen: Auch Praktika sind im Prinzip meldepflichtig. Doch wenn diese im Zusammenhang mit der Ausbildung stehen, sollten sie von der Meldepflicht ausgenommen sein.

Erschwerte Berufserfahrung?

Davon geht man auch bei Bildungsinstitutionen aus. Praktika seien gerade für Studenten sehr wichtig, sagt Gerd Winandi-Martin, Leiter des Career Service Centers der Universität St. Gallen, das die Studenten bei der Berufswahl unterstützt. Durch Praktika könnten Studenten Kontakte knüpfen und Erfahrungen sammeln. Viele Praktika kommen auch über informelle Kontakte zustande – was mit einer Meldepflicht komplizierter würde. Wie die Praxis wirklich aussehen wird, erfährt Winandi-Martin an einer Tagung im Juni.

Ausnahme für Schüler und Studenten

Zuversichtlich dürfte ihn die Auskunft des Amtes für Wirtschaft und Arbeit (AWA) des Kantons St. Gallen stimmen. Zwar be­stehe bezüglich der Umsetzung der ­Regeln noch ein gewisser ­Interpretationsspielraum. Aber ­Praktika, die sich an Schüler und Studenten richten, seien von der Meldepflicht ausgenommen, sagt ein Sprecher des AWA.

Auch bei der Integration von Flüchtlingen und vorläufig auf­genommenen Personen spielen Praktika eine Rolle – oft werden sie dabei Gewerbebetrieben in ihrer Wohnregion vermittelt. Da Flüchtlinge, die arbeiten dürfen, in der Regel beim RAV angemeldet seien, sei dies auch in Zukunft möglich, heisst es beim AWA. Denn wer eine offene Stelle direkt mit beim RAV gemeldeten Arbeitslosen besetzt, ist nicht zur Meldung verpflichtet.

Schauspieler übers RAV engagieren

Doch diese Pflicht bringt manche Branchen dazu, mit dem RAV Bekanntschaft zu schliessen. So gehören auch Schau­spieler zu den meldepflichtigen ­Berufsgruppen. Bisher suchte man in der Branche Schauspieler meist über Plattformen, die die Darsteller im ganzen deutschsprachigen Raum vermitteln. Oft werden sie aber auch direkt berufen.

«Ab dem 1. Juli gilt für uns, dass wir Vakanzen oder neu zu besetzende Stellen im Schauspielensemble dem RAV St. Gallen melden müssen», sagt Monika Stiefel, Personal- und Lohnfachfrau beim Stadttheater St. Gallen. Das sei eine markante Neuerung und bedeute auch einen administrativen Aufwand. «Es bleibt aber abzuwarten, wie der Austausch zwischen Theater und RAV funktioniert und wie viele Vorschläge tatsächlich eingehen und zu prüfen sind», sagt Stiefel.

Die Arbeitgeber sind nicht verpflichtet, die Vorschläge des RAV zu berücksichtigen. Sie ­müssen einen abschlägigen Entscheid auch nicht begründen, heisst es beim AWA. Doch es würde sich durchaus lohnen: Die vorgeschlagenen Dossiers seien in der Regel prüfenswert. Falls keine passenden Stellenlosen beim RAV angemeldet seien, schicke dieses auch keine Vorschläge, so der AWA-Sprecher. «Niemand hat ein Interesse an Leerläufen.»

Meldepflicht soll Zuwanderung bremsen

Lange rang die Politik, wie die Masseneinwanderungs-Initiative umgesetzt werden soll. Eine sanfte Lösung obsiegte schliesslich: Das Bundesparlament wollte die bilateralen Verträge mit der EU nicht gefährden. Statt direkt die Zuwanderung zu beschränken, sollen inländische Arbeitslose einen Vorsprung auf allfällige Bewerber aus dem EU-Raum bekommen – zumindest in Branchen, in denen die Arbeitslosigkeit hoch ist. Das sind vorerst Berufsgruppen mit einer Arbeitslosenquote von mindestens acht Prozent. Ab 2020 soll diese Grenze auf fünf Prozent sinken.

Wer in den betroffenen Berufsgruppen eine Stelle besetzen will, muss diese erst den RAV melden. Diese schlagen dann innert drei Tagen geeignete Kandidaten vor. Erst nach fünf Tagen darf die Stelle dann öffentlich ausgeschrieben werden. Die Arbeitgeber sind nicht verpflichtet, die Vorschläge des RAV zu berücksichtigen. Ein Ablehnung müssen sie auch nicht begründen. (ken)

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