Stillstand in Thurgauer Museumspolitik ist beendet: Neue Grundlage für Erweiterung des Ittinger Kunstmuseums

In Ittingen sollen mit einem Studienauftrag Lösungen für eine Erweiterung des kantonalen Kunstmuseums ausgelotet werden. Der Planungsstopp in Sachen Historisches Museum wurde aufgehoben.

Christian Kamm
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Neuigkeiten aus der Museumslandschaft: Kantonsbaumeister Erol Doguoglu, Kulturamtschefin Martha Monstein, Regierungsrätin Monika Knill und DEK-Generalsekretär Paul Roth. (Bild: Andrea Stalder)

Neuigkeiten aus der Museumslandschaft: Kantonsbaumeister Erol Doguoglu, Kulturamtschefin Martha Monstein, Regierungsrätin Monika Knill und DEK-Generalsekretär Paul Roth. (Bild: Andrea Stalder)

Grossaufmarsch der Medien zum Frühlingsbeginn: Sie alle wollten die Aufbruchstimmung in der Thurgauer Museumspolitik live miterleben, die in den letzten Jahren immer wieder für negative Schlagzeilen gesorgt hatte. Und kamen an der Medienorientierung nur zum Teil auf ihre Kosten. Denn das Wichtigste fehlte (noch).

Der Lenkungsausschuss, den die Regierung nach dem gescheiterten ersten Anlauf für eine Erweiterung des Ittinger Kunstmuseums eingesetzt hatte, wollte kein pfannenfertiges Projekt auf den Tisch legen. Kantonsbaumeister Erol Doguoglu, der den Ausschuss präsidierte, sagte:

«Es ist nicht möglich, heute den grossen Wurf zu präsentieren.»

Man sei zur Auffassung gelangt, dass es falsch wäre, «sich zum Vorneherein für eine spezifische Variante zu entscheiden», heisst es im Bericht. Wenn eine Museumserweiterung noch gelingen solle, dann in einer Art Verbundlösung aus unterirdischer Erweiterung im Bereich des Nordhofes, teilweiser Umnutzung oder Ersatz der Nordzellen und einer massvollen Erweiterung im Bereich der Gärtnerei, sagte Doguoglu.

Dialog und Diskussion erwünscht

Wie das architektonisch gelöst werden könnte, soll die Durchführung eines Studienauftrags klären. Darunter ist ein nicht anonymisierter Planungswettbewerb zu verstehen. Im Gegensatz zum klassischen Wettbewerb sind hier Dialog und Austausch ausdrücklich erwünscht. «Es wird Treffen und Diskussionen geben.» Rund ein Dutzend Büros werden laut Doguoglu, der die künftige Planungskommission leiten wird, zum Teilnehmerfeld gehören. Das Ergebnis ist für die zweite Hälfte 2020 terminiert. In der Expertenjury ist auch das Bundesamt für Kultur vertreten.

Hat sich in der Projektfrage noch wenig Konkretes ergeben, haben die Verantwortlichen dafür bei Trägerschaft und Finanzierung Nägel mit Köpfen gemacht. Immer wieder standen die verwickelten Verhältnisse in Ittingen in der Kritik, mit einer Stiftung und dem Kanton als Bauherr, der alles finanziert. Nun soll es, mit dem Segen der Stiftung, den grossen strukturellen Befreiungsschlag geben. Der Bericht empfiehlt, alle Gebäude in der Kartause, die nach 1977 erbaut worden sind, auf die Grundlage eines unselbstständigen Baurechts zu stellen. Das bedeutet: Der Kanton kauft diese Bauten, zahlt einen Baurechtszins und erhält Investitionssicherheit. Für die übrigen, vom Kanton mitgenutzten Flächen wird ein Miet- und Gebrauchsleihevertrag abgeschlossen. Alle weiteren Aspekte der Zusammenarbeit zwischen Stiftung und Kanton werden per Leistungsvereinbarung geregelt.

Historisches Museum: Die Suche geht weiter

Wieder in Gang kommt auch die Suche nach einem neuen Standort für das Historische Museum, nachdem die Regierung 2017 einen Planungsstopp verhängt hatte. Hier war eine Lösung mit dem Massivlagerhaus in Romanshorn kurz vor dem Ziel gescheitert.

Man gehe jetzt aber nicht auf Feld eins zurück, versicherte Regierungsrätin Monika Knill. Dennoch müsse die Chance genutzt werden, die Bedürfnisse zu überprüfen. «Den Katalog der Standortmöglichkeiten nehmen wir mit», sagte Projektleiter und DEK-Generalsekretär Paul Roth. Auf die Erwartungshaltung aus dem Oberthurgau angesprochen, sagte Knill:

«Die spüren wir.»

Und es sei doch grossartig, wenn um den Standort eines Museums ein Wettbewerb entbrenne.

Kommentar: Quantensprung in Ittingen

Fehler zu machen, ist keine Schande. Peinlich oder gar ärgerlich wird es, wenn man nichts daraus lernt. Die Thurgauer Regierung hat bei der Aufgleisung des ersten und grandios gescheiterten Erweiterungsprojektes für das Ittinger Kunstmuseum schwerwiegende Fehler gemacht. Sie musste dafür ausführlich und bitter büssen. Und hat jetzt die richtigen Konsequenzen gezogen.

Der Kanton der kurzen Wege hat eben nicht nur Vorteile. Im Fall von Ittingen war es gerade diese auch persönliche Nähe zwischen Stiftung und Kanton, die für die Irrungen und Wirrungen der jüngsten Vergangenheit mitverantwortlich zeichnete. Weil sie dazu verleiten konnte, in angeblich naheliegenden Lösungen nur Vorteile zu sehen und die Pferdefüsse zu übersehen.

Sicher: Die Kartause Ittingen gehört zum Kanton Thurgau wie das Kind zur Mutter. Sie zu hegen und zu pflegen, müsste eigentlich in der Kantonsverfassung stehen. Nur gilt auch hier: Der (gute) Zweck an sich heiligt noch lange keine problematischen Mittel.

Tempi passati. Es ist bezeichnend, dass mit dem Kantonsbaumeister als Troubleshooter nun jemandem von aussen der Durchbruch gelungen ist, der mit den damaligen Vorgängen nichts zu tun gehabt hatte – weil er noch gar nicht im Amt gewesen ist. Vor allem die strukturelle Entflechtung der Kartause Ittingen, mit klaren Eigentumsverhältnissen und geklärten Rollen der verschiedenen Beteiligten, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Das ist für den Kanton Thurgau, wie er einmal war und in Zukunft eben nicht mehr sein kann, nichts weniger als ein Quantensprung. (ck)

Die Planungsleiche an der Ittinger Klostermauer

Neun Jahre nach Planungsbeginn ist vom Neubau des Thurgauer Kunstmuseums nicht einmal der genaue Standort klar. Der Regierungsrat ist in Begleitung des Stiftungsrats der Kartause Ittingen auf die schiefe Bahn geraten. Ein Rückblick vor dem Neustart.
Thomas Wunderlin