Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

NEUANFANG: Endlich frei und verrückt sein

Nadine Schwizer träumt von einem Leben als Musikerin. Vor kurzem hat sie ihre ersten Songs herausgebracht. Jetzt bricht sie nach Lissabon auf, um auf der Strasse zu singen und Songs zu schreiben.
Ursula Wegstein
«Jetzt bin ich nur noch Musikerin!», sagt die Künstlerin Mad Nad Bo. (Bild: Urs Bucher (Zürich, 4. Januar 2018))

«Jetzt bin ich nur noch Musikerin!», sagt die Künstlerin Mad Nad Bo. (Bild: Urs Bucher (Zürich, 4. Januar 2018))

Ursula Wegstein

ursula.wegstein@ostschweiz-am-sonntag.ch

Die Idee, während des Zigarettenholens spontan aufzubrechen, besingt Udo Jürgens in seinem Gassenhauer «Ich war noch niemals in New York». Bei Nadine Schwizer ist es zwar nicht New York, sondern Lissabon. Doch das Lied trifft auch ihre Situation: Die Idee reift, eine Auszeit zu nehmen. Einmal verrückt sein. Sich aus der Enge befreien. «Mein Nachname ist nun einmal Schwizer», sagt die 24-jährige Journalistin und Musikerin aus dem Rheintal mit einem Lachen. Sie erzählt von ihrer Schulzeit, Hänseleien und dem «sehr schweizerischen Szenario ihres Aufwachsens», wie sie es nennt, in dem die Musik keine Option war. «In der Musik fühle ich mich verstanden. Ohne Musik würde ich eingehen!» Jetzt sei der richtige Zeitpunkt gekommen. Sie fühlt sich jung und stark. Sie ist neugierig auf das Ungewisse. Ein Herzensmensch.

Den Master in Journalismus der Universität Edinburgh frisch in der Tasche hat sie ihren Job als Journalistin bei der «Schweizer Illustrierten» kurzerhand an den Nagel gehängt, die Wohnung in Zürich aufgelöst und einen One-Way-Flug nach Lissabon gebucht. Das Ende ist offen. Im Gepäck die Gitarre, etwas Erspartes, eine Charakterstimme, die man der zierlichen jungen Frau nicht ansehen würde, und ein Kopf voller Lieder. Vor allem aber die Entschlossenheit, ihr Glück als Musikerin zu versuchen. Und vielleicht auch zu finden. Als Strassenmusikerin neue Erfahrungen zu sammeln und noch mehr Songs zu schreiben.

Verletzlich, aber nicht verletzt

In den vier Songs ihrer ersten CD «Things Left Unsaid», die am 22. Dezember erschienen ist und auf Spotify, iTunes, Google Play sowie manchen Radiostationen in England läuft, verarbeitet die quirlige Blues- und Jazzsängerin ausschliesslich selbst Erlebtes: Zerbrechlich und doch zuversichtlich, verletzlich, aber nicht verletzt, singt Nadine Schwizer von Liebe und Leiden. Von den Höhen und Tiefen ihres nach ihren Worten «schon immer sehr unterhaltsamen Lebens». Vom Feuerwerk der Emotionen, die, auch wenn sie als negative Erfahrung daher kommen, ihr Leben am Ende immer bereichert haben. «Vielleicht ist es mein Leben, das mich zu einer so guten Musikerin gemacht hat», erzählt die Sängerin mit dem Künstlernamen Mad Nad Bo an diesem grauen Januartag und strahlt. «Ich habe einfach so viele Geschichten zu erzählen: Bestimmt einmal pro Monat habe ich ein Erlebnis, das mich völlig aus der Bahn wirft. Daraus kann ich wieder ein neues Lied machen!»

Auch wenn Nadine Schwizer und ihre Musik in mancher Hinsicht an Amy Winehouse erinnern, ist ihr melancholischer Grundton am Ende heiterer: So singt sie in «I Just Like Men» voller Selbstironie von der Kraft weiterzumachen. Oder in «Anger» davon, Wut zuzulassen. Der Entstehungsprozess ihrer Lieder ist unterschiedlich: Mal entwickelt sich einen Song in einem Band-Setting. Andere entstehen morgens um zwei zwischen Tränen und Whiskey mit Gitarre und Notizbuch innerhalb einer halben Stunde im Badezimmer. «Wenn ich einen Gefühlsschwall zulasse, sprudelt es richtig aus mir heraus. Dann bin ich eins mit der Musik.»

Konzerte in Jazzbars und florierende Alben

Wegen der guten Akustik im Badezimmer hat Nadine ihre Songs zuerst dort aufgenommen. Im Dunkeln. Damit die Lüftung nicht angeht. Ihr Ziel ist, eines Tages von der Musik leben zu können: Viermal in der Woche ein Konzert vor höchstens 300 Leuten in einer rauchigen Jazzbar, Alben, die sich gut verkaufen, und die Freiheit, nichts anderes mehr arbeiten zu müssen. Vielleicht ein Platz irgendwo in den Top 100, jedenfalls aber kein riesiger Star. «Eine Attraktion ‹Mad Nad Bo› möchte ich nicht sein. Auf keinen Fall will ich für ein Label kommerziellere Musik machen. Nur meine authentische Musik. Ehrlich und echt.»

Warum Lissabon? «Weil das Fifty-Shades-of-Grey-Wetter hier von November bis März für mich die absolute Kreativitätsbremse ist. Da entstehen keine Songs.» Im Gegensatz zum Lied, in dem der Träumer sich am Ende doch nicht traut aufzubrechen, ist Nadine Schwizer fest entschlossen, ihren Plan kommende Woche in die Tat umzusetzen. «Ich freue mich auf Freiheit», sagt Mad Nad Bo – und strahlt wieder.

In der Serie «Neuanfang 2018» stellen wir Menschen vor, in deren Leben sich zum Jahreswechsel weit mehr verändert als nur eine Zahl.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.