Interview

Neo-Ständerat Benedikt Würth: «Es werden keine Dossiers in Schieflage kommen»

Zu seiner Doppelrolle als Regierungsrat und neu gewählter Ständerat sagt der 51-jährige Benedikt Würth, dass er mehr als das übliche Pensum arbeiten werde. Aus St.Galler Sicht will er in Bern vor allem Infrastrukturfragen aufs Tapet bringen.

Christoph Zweili
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Beni Würth mit seiner Ehefrau Susanne. (Bild: Michel Canonica)
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Im Zentrum des medialen Interesses: Benedikt Würth. Bild: Michel Canonica
Ständerat Beni Würth mit Susanne Vincenz-Stauffacher und Paul Rechsteiner.  (links) Bild: Michel Canonica
Beni Würth mit Tochter Francesca. Bild: Michel Canonica
Beni Würth mit Susanne Vincenz-Stauffacher, Mike Egger (ganz links) und Paul Rechsteiner. Bild: Michel Canonica
Susanne Vincenz-Stauffacher mit Stadtpräsident Thomas Scheitlin. Bild: Michel Canonica
Stadtpräsident Thomas Scheitlin. Bild: Michel Canonica
Beni Würth mit Mike Egger von der SVP. Bild: Michel Canonica
Der neu gewählte Ständerat Beni Würth mit Paul Rechsteiner von der SP. Bild:Michel Canonica
Der neu gewählte Ständerat Beni Würth. Bild Michel Canonica
Ständerat, 2. Wahlgang im Pfalzkeller  in St.Gallen. Bild: Michel Canonica
Die unterlegene Ständeratskandidatin Susanne Vincenz-Stauffacher. Bild:Michel Canonica

Beni Würth mit seiner Ehefrau Susanne. (Bild: Michel Canonica)

Sind Sie zufrieden mit dem Wahlergebnis?

Ich bin ausserordentlich zufrieden. Ich war beim ersten Wahlgang unter 40 Prozent, jetzt liege ich bei 41,2 Prozent. Die höhere Stimmbeteiligung war nicht zu meinem Nachteil.

Finanzchef und Ständerat: Bis zu den Erneuerungswahlen der Regierung im März 2020 haben Sie eine Doppelbelastung zu meistern. Sind Sie dafür gerüstet?

Als ich Ja gesagt habe zur Ständerats-Kandidatur habe ich gewusst, dass dieses Szenario eintreffen kann. Ja, ich bin gerüstet. Ich habe mich mit meinem Stellvertreter Fredy Fässler abgesprochen – er wird etwas mehr zum Zuge kommen. Es wird kein Dossier, das ich mitverantworten muss in diesem Kanton, zeitlich oder inhaltlich in Schieflage geraten wegen dieser Situation.

Rechnerisch kommen sie mit dem Regierungsrat-, dem Ständerats-Mandat und dem Präsidium der Kantonsregierungen auf mehr als 170 Stellenprozent: Wie lange werden Ihre Arbeitstage sein?

Sie werden lang, das ist jetzt schon so. Wenn ich im Frühling 2020 aus der Regierung ausscheide, kann ich mich neu organisieren. Darauf freue mich.

Das neue St.Galler Ständerats-Gespann: Paul Rechsteiner (SP, links) und Benedikt Würth (CVP). (Bild: Michel Canonica)

Das neue St.Galler Ständerats-Gespann: Paul Rechsteiner (SP, links) und Benedikt Würth (CVP). (Bild: Michel Canonica)

Die FDP sieht den zweiten St.Galler Ständeratssitz in Frauenhand. Mit Ihnen ist nun aber ein Mann gewählt. Kommt die CVP dafür mit einer Frau als Nachfolgerin für Sie in der Regierung?

Das zu entscheiden ist Aufgabe der Partei.

Paul Rechsteiner und Karin Keller-Sutter waren ein fester Wert: Geht es mit dem Duo Würth-Rechsteiner so weiter?

In regionalen Fragen haben wir schon jetzt intensiv zusammengearbeitet. Ein Beispiel ist der Vollknoten St.Gallen, den uns Alt Bundesrätin Doris Leuthard nach gemeinsamen Vorbereitungen in St.Gallen zugesprochen und den Paul Rechsteiner im Parlament weiter vorangetrieben hat. Das wird weiterhin so bleiben.

Was sind die wichtigsten St.Galler Themen, die in Bern aufs Tapet sollen?

Es sind schon diese Infrastrukturfragen. Ferner geht es darum, den Bildungsraum St.Gallen in Bern besser zu positionieren. Im Zusammenhang mit Bildung, Forschung und Innovation werden mit dem entsprechenden Rahmenkredit wichtige Entscheide gefällt. Da ist es wichtig, dass unsere hervorragenden Institutionen partizipieren und profitieren können.

Das Ständeratsmandat gilt als dasjenige mit der höchsten politischen Reputation. Ihr Eindruck: Lässt sich in Bern tatsächlich mehr für den Kanton St.Gallen bewirken als hier in der Region?

Unmittelbar für die kantonalen Dossiers ist man als Regierungsrat stärker drin. In Bern sind aber neben den nationalen Themen auch die regionalen Anliegen ein Thema, die man als Ständerat vertritt. Hinsichtlich Rahmenbedingungen verbinden sich aber nach meinem Verständnis nationale und regionale Perspektive.

Ein Beispiel?

Wenn ich an die Wirtschaftspolitik denke, an unsere Industrie, die stark gefordert ist, dann sind die nationalen Themen immer wieder auch regionale Themen. Man wird alles daransetzen müssen, dass unsere Unternehmen weiterhin gute Rahmenbedingungen haben im Kanton. Das bestimmt massgeblich auch die Bundespolitik.

Ihr neues Amt ist kein Vollzeitjob. Welches wird Ihr zweites berufliches Standbein sein?

Da laufen verschiedene Gespräche. Wo ich mich beruflich positioniere, wird sich im Laufe des Jahres klären.

Als Präsident der Kantonsregierungen verfügen Sie bereits über ein funktionierendes Netzwerk in Bundesbern – wie werden Sie es einsetzen?

Ich werde weiterhin sehr stark auf die Kantone zugehen. Ich bin überzeugter Föderalist – das ist mir sehr wichtig. Es ist wichtig, dass man in diesem Land nicht immer mehr Themen zentralisiert, sondern schaut, dass die Kantone weiterhin finanziell und wirtschaftlich leistungsfähig bleiben können.

Das KdK-Präsidium behalten Sie?

Nein, das werde ich abgeben. In den laufenden Wochen und Monaten wird sich entscheiden, welches der richtige Zeitpunkt dafür ist: Ob Ende Jahr oder im März 2020, das ist noch offen.

Das Videointerview nach der Wahl

Die Stimmen in der Übersicht

Ständerats-Ersatzwahlen, 2. Wahlgang

gewählt
Benedikt Würth
CVP
50 669
Verfügbare Sitze: 1
Susanne Vincenz-Stauffacher
FDP
36 550
Mike Egger
SVP
27 146
Andreas Graf
parteilos
8 113