«Nein, nicht abschaffen»: Das Aus für die Gemeinde-Tageskarten stösst auf Kritik

Die Ankündigung, dass es die beliebten Gemeinde-Tageskarten der SBB nur noch bis Ende 2023 geben soll, wird von vielen Bahnbenützern bedauert. Man solle nicht alles digitalisieren und auch an die älteren Bahnfahrerinnen und -fahrer denken, heisst es etwa auf der sozialen Plattform Facebook. Einige haben aber auch Verständnis für die Veränderung.

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Die Gemeinde-Tageskarten werden durch ein neues Angebot ersetzt.

Die Gemeinde-Tageskarten werden durch ein neues Angebot ersetzt.

Bild: Barbara Hettich

(chs) Seit es SBB-Sparbillette gibt, die digital versierte öV-Benützer einfach auf dem Handy lösen können, werden die vergünstigten Tageskarten, die bei den Gemeinden gekauft werden können, weniger nachgefragt. Am Mittwoch machte die öV-Branchenorganisation Alliance SwissPass nun bekannt, dass es dieses Angebot deshalb nur noch bis Ende 2023 geben werde. Dannzumal würden die Gemeinde-Tageskarten durch ein neues Angebot ersetzt.

«Nein, nicht abschaffen!»

Obwohl die Branchenorganisation nicht von der Abschaffung, sondern von einer Veränderung im Vertrieb der beliebten, vergünstigten Tageskarten schreibt, gehen auf der sozialen Plattform Facebook die Wogen hoch und der Tenor ist klar: «Nein, nicht abschaffen!»

Sie finde es nicht gut, wenn es dieses Angebot nicht mehr gebe, schreibt etwa Katja Breit.

«Es kommen noch lange nicht alle mit einem Natel klar, vor allem ältere Leute.»

Sie nehme das Angebot der Gemeinde-Tageskarten immer wieder gerne in Anspruch. Auch Norika Junod-Micatek schreibt: «Es gibt Leute, die haben nicht mal eine Mailadresse.» Diese Form der Digitalisierung, also wenn vergünstigte Billette nur digital gekauft werden können, sei eine Diskriminierung. «Eine mehr.»

Sinnvoll, Angebot durch eine Alternative zu ersetzen

Alliance SwissPass begründet die Veränderung damit, dass neben der geringeren Nachfrage auch der Vertriebsaufwand gestiegen und der Verkauf deshalb oft nicht mehr kostendeckend sei. Der Branchenverband macht in der Ankündigung aber auch klar, dass per 2024 Städten und Gemeinden ein «neues attraktives Angebot» zur Verfügung stehen werde. Es sei möglich, dass analog zu Partnerschaften mit Coop oder der Post Gemeinden und Städte Billette des öffentlichen Verkehrs zu Sondertarifen verkaufen können. Dazu würden bereits verschiedene Varianten diskutiert.

Wenn ein Angebot nicht mehr kostendeckend und massiv weniger genutzt werde, mache es Sinn, es durch eine Alternative zu ersetzen, schreibt deshalb Alexander Müller in einem Kommentar auf Facebook. Ewig in der Vergangenheit verharren, mache keinen Sinn, die Dinge seien schon immer im Wandel gewesen. Und auch ältere Menschen seien fähig, mit der Digitalisierung mitzugehen.

«Was haben denn ältere Menschen in vergangenen Generationen gemacht, als TV, Telefon, etc. aufgekommen sind und als Kassetten die Schallplatten verdrängt haben?»

Diese Generation habe den Kopf auch nicht in den Sand gesteckt.

Kein Angebot der SBB

Cornelia Koch kritisiert die SBB für diese geplante Abschaffung: «Liebe SBB, ständig die Preise erhöhen, aber bei den Dienstleistungen happert es gewaltig.» Sie wird aber von Domi Costello AufderMaur, einem anderen Facebook-Nutzer, sogleich eines besseren belehrt: Die Gemeinde-Tageskarten seien kein Angebot der SBB und es werde weiterhin etwas angeboten, nur die Tageskarte, wie es sie heute gibt, nicht mehr.

Für Ernesto Schönenberger ist klar, dass sich die «EDVler jetzt dahinterklemmen und eine Lösung finden sollen. Sie haben uns die Digitalisierung schliesslich auch aufgedrängt.»

Nicht alle Leserinnen und Leser vertrauen darauf, dass das angekündigte neue Angebot gleich attraktiv sein wird: Den Kleinverdienern werde wieder eine Möglichkeit weggenommen, ärgert sich beispielsweise Maja Neuweiler.