«‹Neger› hat für mich keine negative Bedeutung»: Rassistische Äusserung auf einem Wagen an der Fasnacht Wangs – jetzt redet der Betreiber

Am Fasnachtsumzug von Wangs am vergangenen Wochenende fuhr ein Wagen, auf dem eine rassistische Äusserung prangte. Jetzt rechtfertigt sich der Gestalter des Wagens.

Stephanie Martina
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Auf diesem Foto ist die Aufschrift des Wagens noch nicht zensiert.

Auf diesem Foto ist die Aufschrift des Wagens noch nicht zensiert.

Bild: pd

Am Fasnachtsumzug von Wangs hat ein Wagen am Sonntag Aufregung provoziert: Weiss auf blau stand auf einem Anhänger: «Wie viele ‹Neger› brauchen wir in St.Gallen?» Dazu Plakate von FDP-Regierungsratskandidat Beat Tinner, der regionalen Jungfreisinnigen sowie von Nirosh Manoranjithan, Kantonsratskandidat und Gemeinderat von Wangs. Manoranjithan ist dunkelhäutig, seine Eltern stammen aus Sri Lanka. Er selber ist 1992 in Wangs geboren und Bürger der Gemeinde.

Dass das Wort «Neger» auf dem Wagen stand, wurde erst kurz vor Beginn des Umzugs festgestellt. Die Kantonspolizei St. Gallen erhielt einen Tipp und forderte den Betreiber des Wagens, den Sarganser Walter Brandstetter, auf, das Wort vor dem Umzug abzudecken. Statt des Wortes war dann ein gelbes Rechteck zu sehen.

Der Fasnachtswagen mit dem überklebten Wort «Neger».

Der Fasnachtswagen mit dem überklebten Wort «Neger».

Bild: pd

«Es ging mir keinesfalls um eine negative Darstellung»

Jetzt meldet sich Walter Brandstetter zu Wort. Es sei alles ganz anders gewesen, sagt er: «Die Polizei war nicht vor Ort. Es war mein persönlicher, kurzfristiger Entscheid, das Wort ‹Neger› zu überkleben.» Dies aufgrund der ersten Reaktionen vor dem Umzug. Am Umzug selbst habe er jedoch festgestellt, dass sehr viele Leute «mehr als nur begeistert» waren. Und auch im Nachhinein hätten ihm viele Leute gesagt, dass sie seinen Wagen sehr geschätzt hätten, und ihm zu seinem Mut gratuliert.

Auch bestreitet Brandstetter den Vorwurf der FDP Sarganserland, die Plakate illegal entwendet zu haben. Er habe stets jemanden von der Partei gefragt, ob er das Plakat haben dürfe, oder sie letzten Herbst nach den Nationalratswahlen aus Umweltschutzgründen eingesammelt.

Vor allem aber wehrt sich der ehemalige SVP-Politiker gegen den Vorwurf, Schwarze rassistisch angegriffen zu haben. «‹Neger› hat für mich keine negative Bedeutung.» Den Begriff «Neger» habe er noch aus der Sonntagsschule in guter Erinnerung, sagt er. «Es ging mir keinesfalls um eine abwertende Darstellung», betont Brandstetter. Er habe keine Volksgruppe rassistisch angegriffen, sondern Kantonsräte, «die zum Teil Fehlentscheide fällen, auf die Schippe genommen». 

FDP Sarganserland und Manoranjithan prüfen rechtliche Schritte

Bereits am Montag hatte sich die FDP Sarganserland zum Sujet geäussert. In einer Mitteilung hiess es: «Der Urheber des Fasnachtswagens hat mit der dummen und blöden Darstellung eine rote Linie überschritten.» Die FDP Sarganserland verurteile den auf dem Fasnachtswagen veröffentlichten Inhalt in aller Schärfe und prüfe nun rechtliche Schritte und eine Strafanzeige wegen Ehrverletzung gegen den Urheber der diskriminierenden Formulierung.

Auch der angegriffene FDP-Politiker Nirosh Manoranjithan überlegt sich, juristische Schritte einzuleiten. Dies, nachdem er vergeblich das Gespräch mit Brandstetter gesucht habe, wie er am Montag sagte. «Ich wollte wissen, was die Motivation dahinter ist», erklärt er. Aber er habe schnell gemerkt, dass man mit Brandstetter nicht diskutieren könne.

Die Angelegenheit ist so oder so noch nicht abgeschlossen. Brandstetter muss am Mittwochmorgen auf dem Polizeiposten Mels erscheinen. Dort soll er sich zum Vorfall äussern. 

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