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Neapel sehen und Broccoli essen

Die Reisekultur der Mönche ist wenig bekannt. Das Stiftsarchiv St. Gallen widmet ihr erstmals eine Ausstellung «Vedi Napoli e poi muori – Grand Tour der Mönche» – und deckt überraschende Bezüge zu St. Gallen auf.
Regula Weik
Zeichnung und Beschreibung des Vesuvausbruchs im Jahr 1737, Stiftsbibliothek St. Gallen. (Bild: pd)

Zeichnung und Beschreibung des Vesuvausbruchs im Jahr 1737, Stiftsbibliothek St. Gallen. (Bild: pd)

ST. GALLEN. Neapel sehen und sterben. Johann Wolfgang Goethe? Gewiss, er hatte das Sprichwort in seiner «Italienischen Reise» publiziert. Was kaum bekannt ist: Bereits hundert Jahre früher, nämlich 1700, hatte der St. Galler Benediktinermönch Lukas Grass in seinem Tagebuch «Vedi Napoli e poi muori» festgehalten. Der St. Galler Stiftsarchivar Peter Erhart hat dies «entdeckt», als er sich mit den Reisetagebüchern St. Galler Mönche aus dem 17. und 18. Jahrhundert auseinandersetzte. Erhart stiess dabei auch auf die unbekannte ursprüngliche Version «Magna bruocoli, vedi Napoli e poi muori». Broccoli essen? Das Rätsel dürfte Dominik Flammer lüften. Der Stiftsarchiv hat den Food-Scout gebeten, sich auf kulinarische Entdeckungsreise ins barocke Neapel aufzumachen.

Erharts Entdeckung und Flammers Erklärung sind Teil der gestern abend eröffneten Ausstellung «Vedi Napoli e poi muori – Grand Tour der Mönche» und ihres Rahmenprogramms. Das Stiftsarchiv St. Gallen wirft damit erstmals einen Blick auf die überraschend grosse Mobilität der Mönche und ihre Reisekultur. Und zwar vom 8. bis ins 20. Jahrhundert.

Reicher Fundus

Benediktinermönche waren und sind – trotz grundsätzlichen Reiseverbots – viel unterwegs. Italien war schon früh eines ihrer Reiseziele, für Dienst- und Bildungsreisen. Sie mussten denn auch dem Fürstabt «Rechenschaft über Arbeit und Ausgaben» ablegen. «Doch Gründe für eine Italienreise, die eine Ausnahme rechtfertigten, gab es immer wieder», sagt Erhart. So besichtigten die Mönche längst nicht nur sakrale Orte und übernachteten nicht nur in Klöstern. «Ihre Reisetagebücher sind ein reicher Fundus der damaligen Lebensumstände.» Aber wenig bekannt. Aus gutem Grund: Sie mussten zuerst aus dem Lateinischen übersetzt werden. Erhart spricht denn auch von zwei Jahren Vorarbeiten – von der Idee bis zur Ausstellung.

Die St. Galler und der Vesuv

Dabei gibt es immer wieder Neues zu entdecken. Auch für Erhart. Das zeigen zwei Vesuv-Tafeln aus dem Bestand der Stiftsbibliothek, angefertigt von einem Schweizer Ingenieur. Er hatte den Berg zusammen mit drei Söldnern kurz nach dem Ausbruch von 1737 bestiegen, vermessen und detailliert beschrieben.

2008 hatte der Stiftsarchivar die Tafeln wissenschaftlich beschrieben. Doch erst bei der Vorbereitung der Ausstellung entdeckte er einen weiteren Bezug zu St. Gallen: Am Heck der Fregatte auf der einen Tafel ist der St. Galler Bär erkennbar – «sie segelte also unter der Flagge des St. Galler Fürstabtes», sagt Erhart. Und: Auf der Rückseite der einen Tafel findet sich zudem der Name Maria Sartory, Ehefrau des Söldner-Kommandanten Sartory aus Rorschach. Maria Sartory bestieg 1740 als erste Frau den Vesuv.

Der erste Reiseführer Roms

Auf ein Exponat – es sind insgesamt gut hundert – ist Erhart besonders stolz. Auf den ältesten Reiseführer durch die Stadt Rom, das «Itinerarium Einsidlense», eine Handschrift aus dem 9. Jahrhundert. Sie war ursprünglich in Pfäfers aufbewahrt worden, später war sie – «auf unbekannten Wegen» – in die Stiftsbibliothek Einsiedeln gelangt. Nun kehrt sie nach St. Gallen zurück – temporär. Die Ausstellung ist denn auch eine Kooperation mit dem Kloster Einsiedeln und der Erzabtei St. Peter in Salzburg. «So gelingt es, die benediktinische Reisekultur bis in die Gegenwart zu dokumentieren», sagt Erhart. Die eigenen Bestände des Stiftsarchivs enden nämlich um 1805.

Das Stiftsarchiv knüpft mit «Vedi Napoli» an seine Ausstellungstradition im Vierjahresrhythmus an; «Mensch und Schrift im frühen Mittelalter» (2006) und «Bücher des Lebens – Lebendige Bücher» (2010) hatten jeweils über 2500 Personen besucht. 2015 reist die neue Ausstellung – den dortigen Gegebenheiten und Beständen angepasst – nach Einsiedeln, 2016 wird sie in Salzburg gezeigt.

«Vedi Napoli e poi muori – Grand Tour der Mönche»: Ausstellung im Kulturraum am Klosterplatz St. Gallen, mit dem Film «Eine Grand Tour der Mönche im Jubeljahr 1700» von Andreas Baumberger und der Fotoinstallation «Napoli e poi» von Katalin Deér. Bis 30. November. Ausstellungskatalog, Peter Erhart und Jakob Kuratli Hüeblin (Hg.), ISBN 978-3-905906-11-0. www.vedinapoli.ch

Peter Erhart Stiftsarchivar St. Gallen (Bild: Urs Jaudas)

Peter Erhart Stiftsarchivar St. Gallen (Bild: Urs Jaudas)

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