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NAZI-VORWÜRFE GEGEN HÜLSNERBUBEN: "Am Stammtisch reden sie ziemlich rechts"

Der Eklat um den ausländerfeindlichen Fasnachtswagen der Hülsnerbuben zieht immer weitere Kreise. Die "S" auf einer der Blachen erinnern stark an SS-Runen und der Cliquenchef ist Facebook-Fan von Adolf Hitler. Nun stellt sich die Frage, ob die Hülsnerbuben an Umzügen überhaupt noch erwünscht sind.
Marlen Hämmerli
Die Hülsnerbuben Dietschwil zogen mit Wagen «Asylparadies Schweiz» durch Aadorf. (Bild: Andri Rostetter)

Die Hülsnerbuben Dietschwil zogen mit Wagen «Asylparadies Schweiz» durch Aadorf. (Bild: Andri Rostetter)

"Wir meinen das Ganze satirisch und sind weder rechtsradikal noch radikal." Diesen Satz sagte T. H. am vergangenen Montag gegenüber Tagblatt Online. Tags zuvor hatten T. H. und seine Kollegen von den Hülsnerbuben mit einem Wagen am Umzug in Aadorf teilgenommen. Daran hatten die Toggenburger eine Blache befestigt, die die schwarzen Händen von ertrinkenden Flüchtlingen zeigte.

Das Sujet mit den schwarzen Händen geriet in die Kritik. Damit konfrontiert, sagte der Präsident der Hüslnerbuben, sie seien nicht rechtsradikal. Ein Blick auf das Facebookprofil des Präsidenten T. H. zeichnet indes ein anderes Bild des jungen Toggenburgers. Er entpuppt sich als Fan von Adolf Hitler: T. H. hat unter anderem eine Fanseite des nationalsozialistischen Diktators gelikt. Einen Like haben zudem die Partei national orientierter Schweizer (Pnos) und die Seite der umstrittenen Südtiroler Deutschrock-Band "Frei.Wild" erhalten. Zu den Inhalten seines Profils wollte sich T H. auf Anfrage nicht äussern; das Profil hat er inzwischen gelöscht.

"Die an SS-Runen erinnernden S wurden nur schlecht übermalt"

Wie rechtsradikal sind die Hülsnerbuben also? Auf einer der Blachen am Fasnachtswagen stand "Asylparadies Schweiz". Zwei der S sind deutlich herausgehoben und erinnern an SS-Runen. Ein Toggenburger, der die Gruppe entfernt kennt, sagt: "Mit T. H. hatte ich noch nie zu tun. Von einigen Mitgliedern weiss ich, dass sie am Stammtisch manchmal ziemlich rechts reden." Als rechtsradikal würde er sie aber nicht beschreiben. Den Vorfall in Aadorf findet der Bekannte aber ebenso empörend wie erstaunlich: "Neben dem indiskutablen Inhalt hat mich das plumpe, dumme Vorgehen erstaunt. Die zackigen, an SS-Runen erinnernden S wurden ja nur schlecht übermalt."

Auf die gelikten Seiten von T. H. angesprochen sagt Tobias Metzger, Mitglied der Hülsnerbuben: "Mir und dem Verein war das nicht bekannt. Wir sind politisch neutral." Weiter möchte sich Metzger nicht äussern, doch hat er gehandelt und noch am Montagabend Vivian Thoma vom "Brandlöscher Fasnachtsgaudi" angerufen - auch an jenem Anlass vom 10. Februar wollen die Hülsnerbuben mitmachen. Die ganze Sache tue ihm leid, sagte Metzger: "Mit der politischen Thematik haben die Hülsnerbuben nichts am Hut."

Die Toggenburger überlegten, nicht am Gähwiler Umzug - einem Teil des "Brandlöscher Fasnachtsgaudis" - teilzunehmen. Organisatorin Thoma findet das schade: "Sie hatten ja auch einen Aufwand und Kosten für den Wagen. Und nun wollen sie die Teilnahme abblasen, um unsere Fasnacht und sich selbst zu schützen." Man habe sich dann darauf geeinigt, dass die Hülsnerbuben ihren Wagen ändern. Sie haben alle Blachen entfernt. Für Thoma ist die Angelegenheit damit erledigt. "Es ist schade, dass die Medien das Ganze nun so aufbauschen. Wir wollen uns auf einen schönen und ruhigen Fasnachtsumzug mit den Hülsnerbuben freuen können."

Die Hülsnerbuben entfernen alle Blachen

Die Toggenburger Gruppe hatte sich auch für den Nachtumzug vom 3. Februar in Bütschwil angemeldet, der von der Guggenmusik Sprengkommando organisiert wird. Deren Präsident Daniel Martin hatte inzwischen Kontakt mit einem Mitglied der Hülsnerbuben. "Er hat mir gesagt, das Motto bleibe, doch sie würden den Wagen ändern." Er warte nun das kommende Wochenende ab. Dann findet in Ganterschwil ein Fasnachtsumzug statt, an dem die Hülsnerbuben ebenfalls mitlaufen. "Sie werden mir ein Foto von ihrem Wagen senden. Dann entscheiden wir, ob sie beim Nachtumzug in Bütschwil mitlaufen dürfen", sagt Martin.

Für ihn ist es das erste Mal, dass um ein Sujet eine solche Kontroverse entsteht. "Ich bin nun seit 17 Jahren bei der Guggenmusik und habe es noch nie erlebt, dass eine Gruppe wegen eines Sujets nicht mitlaufen konnte." In Ganterschwil müssen die Gruppen bereits bei der Anmeldung sagen, was für einen Auftritt sie planen. "Der Nachtumzug ist zur Unterhaltung da und nicht für irgendwelche politischen Aktionen. Falls nötig, stoppen wir einen Wagen auch noch beim Aufreihen und laden ihn von der Veranstaltung aus", sagt Martin.

Auf dieselbe Weise läuft es beim Fasnachtsumzug in Ganterschwil. Für dessen Organisation ist der dortige Fasnachtsverein zuständig. Dessen Präsidentin Monika Brändle sagt: "Bei zu radikalen oder rassistischen Motiven würden wir einschreiten. Bisher war das aber nie notwendig." Die Hülsnerbuben hätten sich bereits vor einigen Wochen fristgerecht angemeldet, ebenfalls mit dem Motto "Asylparadies Schweiz". Seither hatte Brändle keinen Kontakt mehr mit der Gruppe. "Ich finde es aber gut, dass sich auch Junge die Mühe und den Aufwand machen, bei einer Fasnacht mitzumachen." Das sei nicht selbstverständlich.

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