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NATURNAH: Steinerne Liebe zur Natur

Dreieinhalb Kilometer Trockenmauern, die sich durch die Steilhänge des Buechbergs ziehen, machen ihn zum Lebensraum für Reptilien und Pflanzen. Das Aufwertungsprojekt geht in die sechste Etappe.
Rudolf Hirtl
Christian Herzog bringt Sandstein zur Baustelle am Rebberg, wo eine stabile und stützende Trockensteinmauer erstellt wird. (Bild: Rudolf Hirtl)

Christian Herzog bringt Sandstein zur Baustelle am Rebberg, wo eine stabile und stützende Trockensteinmauer erstellt wird. (Bild: Rudolf Hirtl)

Rudolf Hirtl

rudolf.hirtl@tagblatt.ch

Die südexponierte Lage des ­Buechbergs in Thal bietet ideale Bedingungen für den Weinbau. Der grösste Teil wird denn auch als Rebberg genutzt. Die von Winzern produzierten Weine haben mittlerweile nicht nur einen exzellenten Ruf. Von der hohen Qualität zeugen auch nationale und internationale Auszeichnungen. Schlechte Ernten wie im Vorjahr, als Frost und Hagel je nach Sorte bis zu 50 Prozent der Trauben vernichtet haben, führen dieses Jahr vor allen bei den Weissweinen gar zu Lieferengpässen. Beim Roten profitieren die Winzer hingegen vom hervorragenden 2016er-Jahrgang, von dem noch einiges in Fässern lagert.

Schon seit Jahren hegen und pflegen am Buechberg ansässige Winzer aber nicht nur ihre Rebstöcke. Ihr Augenmerk gilt auch der übrigen Tier- und Pflanzenwelt. Dabei spielt auch die Sanierung und der Neubau von Trockenmauern eine entscheidende Rolle. Diese zählen nämlich zu den wichtigsten potenziellen Lebensräumen von Reptilien.

Teil der sechsten Etappe des Ökoprojektes

Einer der Pioniere am Buechberg diesbezüglich ist Christian Herzog vom gleichnamigen Weingut in Thal. Als einer der Ersten hat er auf Querterrassierung gesetzt, was die Arbeit am Weinberg erheblich erleichtert. Oft wurden parallel dazu veraltete Trockensteinmauern saniert oder neue errichtet. So auch im oberen Bereich des Rebberges, wo Herzog diese Umgestaltungsarbeiten seit Januar dieses Jahres durchführt. «Statt zu erschrecken, wenn alte Stützmauern zusammenbrechen, erstellen wir sie lieber gleich neu», sagt Herzog, steigt auf seinen Miniraupentransporter und fährt mit 800 Kilo Sandstein im Gepäck den steilen Rebweg hinunter. Er spricht von einer Investition für die nächste Generation, zumal die Trockensteinmauern 60 bis 70 Jahre halten würden.

Investieren in seine vier neuen Mauern muss er übrigens nicht alleine, denn die Winzer bezahlen nur einen Teil der Kosten. Beiträge von Bund und Kanton, von Stiftungen für Landschaft und deren Schutz, aber auch regionale Geldgeber wie Naturschutzverein, Ortsgemeinde und Politische Gemeinde ermöglichen die Arbeiten, die Teil des 2003 lancierten ökologischen Aufwertungsprogrammes sind. Dieses sieht auf einer Fläche von 31 Hektaren neue Lebensräume für bedrohte Tiere und Pflanzen vor. Ausserdem wird eine nachhaltige Rebberg-Bewirtschaftung im Einklang mit ökologischen Zielsetzungen gefördert.

Gemäss Ignaz Hugentobler, der das Projekt mit seinem Ökobüro begleitet, läuft aktuell die sechste Etappe des Projektes. «Wir wollten mit der fünften Etappe abschliessen, doch wir haben derart viele Anfragen erhalten, dass die Arbeitsgruppe Buechberg eine Projektfortführung beschlossen hat.» Die im Januar angelaufene Etappe läuft während vier Jahren. Dabei werden nicht nur sieben weitere Trockensteinmauern (670 Quadratmeter) realisiert. «Wiesensanierungen, Begrünungen, neue Gebüschgruppen, Einzelbäume, Steinhaufen für Reptilien und der Ersatz von Blautannen durch einheimische Nadelbäume stehen ebenfalls auf dem Programm», zählt Ignaz Hugentobler auf.

Seltene Schlingnatter findet optimalen Lebensraum

Zwei Arbeiter vom Steinbruch Bärlocher in Staad schichten Blöcke und Bruchstücke des Rorschacher Sandsteins sorgfältig auf und achten darauf, möglichst keine Hohlräume entstehen zu lassen. «Je sorgfältiger diese Arbeit gemacht wird, umso kompakter und stabiler ist die Mauer», sagt Daniel Stoffer, Bereichsleiter der Firma. Diese Art des Mauerbaus ist eine alte Tradition und liefert vielen Tieren einen Lebensraum, da kein Mörtel verwendet wird und somit viele Ritzen entstehen. Insbesondere die seltene Schlingnatter, eine ungiftige und stark gefährdete Schlangenart, wird seit Umsetzung der Massnahmen vermehrt gesichtet. Auch zahlreiche Pflanzen, welche die Trockenheit und Wärme lieben, finden in der Mauer Unterschlupf.

Christian Herzog freut sich denn nicht nur an den guten Tropfen, die in seinem Weinkeller reifen. «Das Aufwertungs­programm und die Anstrengungen der hiesigen Winzer bilden eine optimale Kombination, die für das Ökosystem am Thaler ­Buechberg nur förderlich sein kann.»

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