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«Grün ist wieder da»: Die Klimaparteien und die Frauen sind die grossen Gewinner der St.Galler Nationalratswahlen

Im Kanton St.Gallen gewinnen die Grünen und Grünliberalen je einen Sitz. Das Nachsehen haben SVP und CVP, die je ein Mandat im Nationalrat verlieren.
Michael Genova
Die Grüne Franziska Ryser freut sich über ihre Wahl in den Nationalrat. (Bild: Ralph Ribi)

Die Grüne Franziska Ryser freut sich über ihre Wahl in den Nationalrat. (Bild: Ralph Ribi)

Die Klimawelle hat auch den Kanton St.Gallen mit voller Wucht erfasst: «Grün ist wieder da», rief die grüne Spitzenkandidatin Franziska Ryser gestern kurz nach Bekanntwerden ihrer Wahl in den Nationalrat. Die Grünen gewinnen den vor vier Jahren verlorenen Sitz wieder zurück. Ihren Wähleranteil können sie von 5,7 auf 10,5 Prozent steigern. Franziska Ryser interpretierte das Wahlergebnis auch als Aufforderung an die anderen Parteien, mit dem Klimaschutz endlich ernst zu machen.

Auch die Grünliberalen eroberten ihren Sitz zurück. Gewählt wurde allerdings nicht Pietro Vernazza, der auch für den Ständerat kandidierte. Das Rennen machte zur Überraschung vieler der eher unbekannte Thomas Brunner. Der Klimatologe sitzt seit 2009 im St.Galler Stadtparlament und präsidiert dort die GLP-Fraktion. Auch Brunner zeigte sich in einer ersten Reaktion überrascht über seine Wahl, zumal er einen «eher dezenten» Wahlkampf betrieben habe. Die GLP steigert ihren Wähleranteil von 4,9 auf 7,3 Prozent

Resultate Nationalratswahlen St.Gallen

*
bisher im Amt.
gewählt
Lukas Reimann *
SVP
51 584
Mike Egger *
SVP
44 107
Roland Rino Büchel *
SVP
43 906
Esther Friedli
SVP
39 540
Markus Ritter *
CVP
31 337
Marcel Dobler *
FDP
30 775
Barbara Gysi *
SP
29 509
Claudia Friedl *
SP
23 718
Susanne Vincenz-Stauffacher
FDP
22 951
Franziska Ryser
Grüne
22 189
Nicolo Paganini *
CVP
19 230
Thomas Brunner
GLP
12 506
Verfügbare Sitze: 12

FDP musste um zweiten Sitz zittern

Die SP kann ihre beiden Sitze halten. Barbara Gysi und Claudia Friedl schaffen die Wiederwahl. Die Sozialdemokraten verlieren allerdings 1,5 Prozentpunkte und kommen neu auf einen Wähleranteil von 12,7 Prozent.

Auch die FDP kann ihr zwei Sitze verteidigen. Gewählt wurden der Bisherige Marcel Dobler mit 30'755 Stimmen, und mit 22'951 Stimmen hat neu Susanne Vincenz-Stauffacher den Sprung nach Bundesbern geschafft. Einen kurzen Moment lang musste sie jedoch um ihre Wahl zittern, denn vorübergehend prophezeite eine SRF-Hochrechnung den Freisinnigen einen Sitzverlust. «Das war die längste Viertelstunde meines Lebens», sagt Susanne Vincenz-Stauffacher kurz nach Verkündung der definitiven Wahlergebnisse.

Esther Friedli will sich auf Nationalrat konzentrieren

Zu den grossen Verlierern zählt hingegen die SVP: Sie hat neu nur noch vier statt fünf Nationalratssitze. Und ihr Wähleranteil sinkt um 4,5 Prozentpunkte auf neu 31,3 Prozent. Damit ist die wählerstärkste St.Galler Partei wieder auf dem Niveau von 2011 angelangt.

Trotz dieser Einbussen wurde SVP-Parteisekretärin Esther Friedli neu in den Nationalrat gewählt. Das Nachsehen hatten zwei Bisherige: Barbara Keller-Inhelder und der Rorschacher Stadtpräsident Thomas Müller wurden abgewählt. Keller-Inhelder sass seit 2015, Müller seit 2006 in der Grossen Kammer.

Mit ihrer Wahl in den Nationalrat ist für Esther Friedli eine mögliche Kandidatur für den St.Galler Regierungsrat definitiv vom Tisch. Sie wolle sich nun seriös in ihr Nationalratsmandat einarbeiten.

«Es wäre nicht richtig, wenn ich mich parallel in einem anderen Wahlkampf engagieren würde.»

CVP verliert einen Sitz

Die zweite grosse Verliererin des gestrigen Tages ist die CVP. Sie büsste einen Sitz ein und hat neu nur noch zwei Nationalräte in Bundesbern: die beiden Bisherigen Markus Ritter und Nicolo Paganini. Nicht geschafft hat die Wiederwahl Thomas Ammann, der seit 2015 im Nationalrat sass.

Die Parteileitung zeigt sich gestern bitter enttäuscht über das Ergebnis. Obwohl die CVP insgesamt mehr Stimmen als vor vier Jahren erzielen konnte, habe sie ein Nationalratsmandat verloren, schrieb Parteipräsident Patrick Dürr in einer Mitteilung. Und tatsächlich: Die CVP konnte ihren Wähleranteil um 2,2 Prozentpunkt auf neu 18,8 Prozent steigern. Umso überraschender der Sitzverlust. Dazu Dürr:

«Diese Situation ist entstanden, weil die CVP bei der Verteilung der Restmandate alles andere als Glück hatte.»

Frauenanteil steigt auf 42 Prozent

Nicht nur das Klima dominierte am gestrigen Tag, er stand auch im Zeichen der Frauen. Bislang vertraten drei Frauen den Kanton St.Gallen im Nationalrat, neu werden es fünf sein. Damit steigt der Frauenanteil unter den Nationalrätinnen und Nationalräten von 25 auf 42 Prozent. Für die frisch gewählte Grüne Franziska Ryser ist das kein Zufall: «Frauen haben konsequent Frauen gewählt», sagte sie.

Der Kanton St.Gallen zählt 324'636 Wahlberechtigte, bei den Nationalratswahlen gingen gestern 136112 Wahlzettel ein. Die Wahlbeteiligung betrug somit 41,93 Prozent. Damit liegt sie deutlich tiefer als vor vier Jahren, als sie noch 46,5 Prozent betrug.

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