Nah an Chur, gelobt von Ingenieuren: Die NTB Buchs ist mit Abstand die kleinste Fachhochschule im Ostschweizer Verbund 

Um die neue Fachhochschule Ost ist eine regionalpolitische Debatte entstanden. In deren Fokus stehen Rapperswil und St.Gallen. Welche Rolle nimmt dabei die Fachhochschule in Buchs ein?

Katharina Brenner
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Studenten im Labor für Mess- und Simulationstechnik an der Interstaatlichen Hochschule für Technik Buchs. (Bild: Hanspeter Schiess)

Studenten im Labor für Mess- und Simulationstechnik an der Interstaatlichen Hochschule für Technik Buchs. (Bild: Hanspeter Schiess)

Wer die aktuelle Debatte um die neue Fachhochschule Ost verfolgt, kann den Eindruck gewinnen, sie bestehe aus zwei Standorten: St.Gallen und Rapperswil. Die einen, vor allem SP und Grüne, hätten das Rektorat und die Leitung des Departements Informatik lieber in St.Gallen gesehen. Andere, wie der Leiter der IHK St.Gallen Appenzell, finden Rapperswil als Rektoratsstandort «folgerichtig und nicht anzugreifen».

Was hält man in Buchs, dem dritten Standort, von der Debatte und den Entscheiden, die sie auslösten? Lothar Ritter, Rektor der Interstaatlichen Hochschule für Technik Buchs (NTB), sagt zum Rektoratsstandort:

«Für uns macht es keinen Unterschied, ob wir nach St.Gallen oder Rapperswil fahren.»

Dass das Rektorat nach Buchs kommen könnte, darüber habe man sich in der Region nie Gedanken gemacht. Das sei aber auch in Ordnung so.

Höchster Anteil an ausländischen Studenten

Die NTB Buchs ist mit Abstand der kleinste der drei Standorte der neuen Fachhochschule Ost. St.Gallen zählt 1757 Studenten, Rapperswil 1543, Buchs 390. Bei den ausländischen Studenten hat die NTB Buchs den höchsten Anteil – das nahe Fürstentum nicht mitgerechnet. In St.Gallen studieren 45 Personen aus dem Ausland, in Rapperswil 8, in Buchs 48.

Mit dem Departement Technik wird künftig eines von sechs in Buchs geleitet. Seine Organisation ist jedoch speziell. Die Leitung der Abteilungen liegt an verschiedenen Standorten: «Maschinentechnik», «Erneuerbare Energien und Umwelttechnik» sowie «Elektrotechnik» in Rapperswil, «Wirtschaftsingenieurwesen» in St.Gallen, «Systemtechnik» in Buchs. Damit wird gemäss Trägerkonferenz «den Anliegen der heutigen Standorte, namentlich von Rapperswil» Rechnung getragen.

Rektor betont den starken Austausch

Kommt diese Aufteilung am Ende einer Schwächung des Standorts Buchs gleich? Ritter betont den starken Austausch, der bereits heute herrsche. Zudem werde jede Departementsleitung an allen drei Standorten tätig sein.

Daniel Gut, der Stadtpräsident von Buchs, sagt, er habe in der aktuellen Debatte «für alle Seiten» Verständnis. Sie verlaufe ähnlich der Spital- oder Kantidiskussion – jede Region mache sich für ihren Standort stark. So hatte sich auch Gut für Buchs stark gemacht.

Der Stadtpräsident von Buchs zeigt sich glücklich

Als vor ein paar Monaten Gerüchte aufkamen, die Technik solle von Rapperswil aus geleitet werden, reichte Gut, damals noch SP-Kantonsrat, gemeinsam mit FDP-Kantonsrat Beat Tinner aus Wartau einen entsprechenden Vorstoss ein. Die beiden befürchteten eine «entscheidende» Schwächung des Standorts Buchs innerhalb der neuen Fachhochschule. Diese Sorgen sind passé. Er sei «glücklich», dass die Technik in Buchs geleitet wird, sagt Gut.  

Der Berufsverband der Ingenieure und Architekten Swiss Engineering nennt den Entscheid «folgerichtig» und den Praxisbezug im Rheintal «herausragend». NTB-Absolventen erhielten in der Industrie meist einen «Bonus aufgrund ihrer Skills». 

«Die Disziplin der Studenten liegt höher als anderswo, nicht zuletzt aufgrund wenig Ablenkung der ländlich geprägten Gegend und Kultur.»

Auch die Liechtensteiner Industrie- und Handelskammer hatte sich für ein Departement Technik in Buchs stark gemacht. Das Fürstentum war 1968 mit den Kantonen St.Gallen und Graubünden Gründer des «Neu-Technikum Buchs NTB», das 1970 eröffnet wurde. Seit 20 Jahren ist die NTB Buchs nun Teil der Fachhochschule Ostschweiz. Weil deren Struktur nicht mehr gesetzeskonform ist, erfolgt derzeit eine Bereinigung.

Zusammenarbeit mit Chur noch ungeklärt

Die NTB Buchs liegt nah an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur (HTW) – nicht nur geografisch, sondern auch beim gemeinsamen Studiengang Systemtechnik. Gemäss Jahresbericht 2017 hat sich der Kanton Graubünden mit 8,1 Prozent an der Gesamtrechnung der NTB Buchs beteiligt. Als Träger der NTB hat sich Graubünden jedoch verabschiedet: Die HTW Chur wird nicht Teil der neuen Fachhochschule Ost, die im Herbst 2020 den operativen Betrieb aufnehmen soll.

Was bedeutet das für die künftige Zusammenarbeit? Über Details kann Jürg Kessler, Rektor der HTW Chur, keine Auskunft geben. Derzeit würden Gespräche mit den Rektoren der Teilhochschulen geführt, «um Kooperationsmöglichkeiten auszuloten». Die HTW Chur müsse «nicht alles alleine machen.» Kooperationen seien für «eine hochstehende Qualität» der Angebote «zentral».

Worte, die NTB-Rektor Lothar Ritter gerne hören dürfte. Denn er betont die «erfolgreiche Zusammenarbeit» mit Chur, sagt aber auch: «Wie diese in Zukunft aussieht, muss sich erst zeigen.»

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