Nächtlicher Kletterunfall in Vorarlberg: Bei besonders anspruchsvollen Einsätzen rettet die Rega auch im Ausland

Von ihrer Basis in Gossau fliegt die Schweizerische Rettungsflugwacht regelmässig Einsätze ins grenznahe Ausland. Vor allem bei besonders schwierigen Rettungen. Insgesamt verzeichnete die Rega diesen Sommer seit dem Ende des Lockdowns überdurchschnittlich viele Einsätze.

Elias Hostettler
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Die in Gossau stationierte Rega 7 ist auch im Ausland gefragt.

Die in Gossau stationierte Rega 7 ist auch im Ausland gefragt.

Bild: Raphael Rohner

Es ist 01:42 Uhr. Seit über acht Stunden versuchen drei Bergsteiger während eines Gewitter den Abstieg von der vorarlbergischen Zimba, rund sechs Kilometer nördlich der Bündner Grenze. Die drei Österreicher haben sich verirrt, müssen teilweise wieder zurücksteigen. Bei der Begehung eines selbst errichteten Quergangs stürzt einer der Männer ins Seil. Zwar können ihn seine Kameraden halten, trotzdem setzen sie nun einen Notruf ab.

Zunächst steigen zwei Trupps der Bergrettung zu den Verirrten auf. Gleichzeitig geht bei der Basis der Schweizerischen Rettungsflugwacht in Gossau ein Anruf ein. Trotz widrigster Wetterverhältnisse und sehr schlechter Sicht kann der dort stationierte Rettungshelikopter Rega 7 zwischen halb vier und halb fünf Uhr in der Nacht alle drei Bergsteiger in Notlage bis auf ein paar Schürfwunden praktisch unverletzt bergen.

Regelmässig Einsätze über die Landesgrenzen hinaus

Die geschilderte Rettungsaktion von Anfang September ist keine Ausnahme. Von der Basis in Gossau führt die Rega auch regelmässig Rettungseinsätze im grenznahen Ausland durch. Dafür muss die Rega von ausländischen Rettungsdiensten aufgeboten werden, etwa von den Leitstellen in Konstanz und Friedrichshafen für das Deutsche Grenzgebiet oder in Feldkirch für Vorarlberg.

In Österreich wird die Schweizerische Rettungsflugwacht jährlich zu rund 20 Einsätzen gerufen. Deutlich mehr sind es in Deutschland. 2019 flog die Rega ab Gossau 65 Einsätze ins nördliche Nachbarland. Bei gesamthaft 870 Einsätzen im letzten Jahr führte also fast jeder zehnte Einsatz der Rega 7 über die Landesgrenzen hinaus. Corina Zellweger, Mediensprecherin der Rega, sagt:

«Sofern sie von ausländischen Rettungsdiensten oder Behörden dafür aufgeboten wird und über die entsprechende Kapazität verfügt, hilft die Rega auch im Ausland.»

Regelmässige Aufgebote gibt es unter anderem für besonders anspruchsvolle Rettungseinsätze. Häufig handelt es sich dabei um Nachteinsätze, wie bei der Bergrettung von Anfang September. Oder solche, die den Einsatz einer Rettungswinde erfordern. Rega 7, ein Helikopter vom Typ H145, wurde erst im Juni 2019 in Gossau in Betrieb genommen und verfügt über die dazu erforderlichen Funktionen.

Seit Ende des Lockdowns vergleichsweise mehr Einsätze

Nach der Lockerung der Massnahmen flog die Rega im Vergleich zum Vorjahr mehr Einsätze. Im Mai, Juli und August verzeichnete die Rettungsflugwacht schweizweit mehr Helikoptereinsätze als im vergangenen Jahr, sagt Zellweger. Diese Beobachtung stimmt auch für die Ostschweiz. Vom ersten bis 17. September flogen die Crews der Gossauer Basis 60 Einsätze, in derselben Zeitspanne waren es letztes Jahr deren 40.

Gewissen natürlichen Schwankungen sei die Anzahl der Rega-Einsätze immer ausgesetzt, sagt Zellweger:

«Generell widerspiegeln unsere Einsatzzahlen die Wetterbedingungen, das Freizeitverhalten und die Reisetätigkeit der Bevölkerung.»

Besonders sticht dabei der 9. September hervor. In einer Medienmitteilung beschreibt die Rettungsflugwacht diesen Mittwoch als einen «intensiven Einsatztag». Mit schweizweit 65 Einsätzen an einem Wochentag ausserhalb der Ferienzeit sei dies eine sehr hohe Zahl. Allein die Basis in Gossau flog an diesem Tag sieben Einsätze.

Während der verschärften Massnahmen im März und April dieses Jahres verzeichnete die Rettungsflugwacht hingegen einen Rückgang bei den sogenannten Primäreinsätzen bei Unfällen. Doch auch in dieser Zeit war die Rega sehr gefragt. Vom 11. März bis zum 24. April transportierte man 88 Covid-19-Patienten, welche meist künstlich beatmet wurden mussten. Zudem half man bei der Repatriierung von Infizierten aus dem Ausland.