Nächster Schritt im Tötungsdelikt

Im Mordfall Kümmertshausen sind in getrennten Verfahren Strafen ausgesprochen worden. Das Bundesgericht hat dem mutmasslichen Täter betreffend Verfahrenstrennung Recht gegeben. Der Fall liegt wieder beim Obergericht Thurgau.

Ida Sandl
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Der Tatort mit polizeilichem Absperrband im November 2010. (Archivbild: Reto Martin)

Der Tatort mit polizeilichem Absperrband im November 2010. (Archivbild: Reto Martin)

KÜMMERTSHAUSEN. Dieses Verbrechen wird den Thurgau noch länger beschäftigen. Bei der Tötung eines IV-Rentners in Kümmertshausen sei vieles nicht klar. So sieht es zumindest Otmar Kurath, Verteidiger des Angeklagten, der in unserer Zeitung vom 20. Oktober als «mutmasslicher Haupttäter» bezeichnet wird. «Das ist falsch und eine unzulässige Vorverurteilung», sagt Kurath.

Aussagen widersprüchlich

Insgesamt sind sechs Männer angeklagt. Zwei sitzen in der Türkei in Haft; vieren wird in der Schweiz der Prozess gemacht. Die Aussagen der Beschuldigten seien unterschiedlich, teilweise würden sie sich gegenseitig belasten. Den Männern wird vorgeworfen, sie seien am Überfall auf den 53jährigen Rentner beteiligt gewesen. Das Opfer wurde geknebelt und gefesselt, es ist gemäss Obduktionsbericht an den Folgen der Knebelung gestorben. Die Tat geschah am 20. November 2010. Es sollen dabei Drogen und Menschen-Schleusungen im Spiel gewesen sein.

Zur möglichen Tatzeit fanden mehrere Fahrten zum Haus des IV-Rentners statt. Sein Mandant sei nur bei der letzten Fahrt als Fahrer beteiligt gewesen, sagt Kurath. «Das steht fest.» Möglicherweise sei der IV-Rentner zu diesem Zeitpunkt bereits tot gewesen. Der Anwalt betont: «Bei welcher Fahrt nach Kümmertshausen der Überfall stattgefunden hat und welcher der sechs Angeklagten diesen Überfall ausgeführt oder organisiert hat, ist unklar.» Es sei auch fraglich, ob der Tod des Opfers gewollt gewesen sei. Sein Mandant werde vor Gericht einen Freispruch verlangen.

Der Mann, den Kurath verteidigt, hat sich beim Bundesgericht erfolgreich gegen die separate Vor-Beurteilung eines Angeklagten gewehrt. Denn die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren gegen einen angeklagten Türken vom Verfahren gegen die übrigen Beschuldigten abgetrennt. Der Mann wurde im März allein in einem abgekürzten Verfahren zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt. Er sei nur Gehilfe bei der Tötung gewesen.

Das Obergericht ist am Zug

Das Bundesgericht hat dieses Vorgehen als sehr heikel beurteilt. Eine Verfahrenstrennung bei einem Fall, in dem sich die Beschuldigten gegenseitig belasten, sei unzulässig. Nun muss das Obergericht Thurgau beurteilen, ob die Trennung zulässig war oder nicht. Kuraths Mandant hatte die Beschwerde gegen die Trennung des Verfahrens bereits im März beim Obergericht eingereicht. Dieses hatte sie als gegenstandslos abgeschrieben. «Es beurteilte die Beschwerde materiell nicht», stellt Thomas Soliva klar, der Sprecher des Obergerichts. Man sei davon ausgegangen, das Bezirksgericht Kreuzlingen müsse darüber befinden, nachdem dort bereits Anklage erhoben worden war.

In den nächsten Wochen werde das Obergericht über die Zulässigkeit der Verfahrenstrennung entscheiden. Möglicherweise auch über Fragen, die damit zusammenhängen. Denn der Angeklagte, dessen Verfahren abgetrennt wurde, ist ja bereits rechtskräftig verurteilt.