Nächster Hype um den Aescher

Im neuen Buch von «National Geographic» über die 225 wundervollsten Plätze der Welt ziert der Aescher das Cover. Das Berggasthaus unter der Ebenalp erlebt schon seit längerem einen Hype. Das junge Wirtepaar nimmt's gelassen.

Christa Kamm-Sager
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Der Aescher unter der Ebenalp schaffte es auf die Titelseite des neusten Buchs von «National Geographic». (Bild: Urs Jaudas)

Der Aescher unter der Ebenalp schaffte es auf die Titelseite des neusten Buchs von «National Geographic». (Bild: Urs Jaudas)

Es gibt auf Facebook eine Seite mit dem Namen «Places You must See before You Die». Unter diesen Plätzen, die man sehen muss, bevor man das Zeitliche segnet, ist auch das Berggasthaus Aescher aufgeführt. Das Bild wurde von Tausenden Facebook-Nutzern gesehen – und geteilt. Das ist nur ein Beispiel für Gratiswerbung für das Berggasthaus im Innerrhodischen, die sich im Internet verselbständigt. Der Schauspieler Ashton Kutcher postete beispielsweise letztes Jahr ein Foto des Aeschers im Abendlicht. Das Berggasthaus gehört für ihn zu den «20 geheimen Orten», die man sehen muss. Der Hollywoodstar erreicht auf Facebook und Twitter ein Millionenpublikum und löste einen weiteren Ansturm auf das Bergrestaurant aus.

Auch ein Foto des Altstätter Freizeitfotografen Peter Böhi wurde zum Selbstläufer: Der Frauenarzt und Fan des einzigartigen Berggasthauses postete auf Flickr mehrere Bilder des Aeschers. Eines davon kommt jetzt zu besonderen Ehren: Seit gestern ist ein neues Buch von «National Geographic» im Handel erhältlich. Der Bildband zeigt die 225 spektakulärsten Orte der Welt – auf der Titelseite: der Aescher.

Plötzlich Touristen aus aller Welt

Seit zwei Jahren wirten Nicole und Bernhard Knechtle auf dem Aescher. Sie haben den Rummel um das in den Fels gebaute Berggasthaus von Anfang miterlebt. Wie genau und wo was auf welchem sozialen Medium gepostet wird, verfolgen sie nicht im Detail – spüren aber die Auswirkungen: «Es geht jetzt etwa seit zwei, drei Jahren so, dass wir sehr viel mehr Touristen aus aller Welt bei uns zu Gast haben», sagt Nicole Knechtle in aller Seelenruhe kurz vor dem Grossansturm um die Mittagszeit. Sie verbindet das klar mit den auf diversen Kanälen geposteten Bildern. Vor allem Touristen aus dem asiatischen Raum und aus Amerika seien auffallend häufiger bei ihnen. «Das ist tatsächlich eine neue Erscheinung.»

Es gebe unter den Gästen auch solche, die kommen, schiessen ein Foto, posten es und gehen wieder. Oft sind sie bloss in Halbschuhen oder noch schlechterem Schuhwerk unterwegs. «Wir haben uns mittlerweile daran gewöhnt.» Freude hätten sie, wenn die Leute nicht nur den Aescher besuchen, sondern auch sonst noch im Appenzellerland unterwegs sind.

Gratisparkplätze

Das sagt auch Guido Buob, Geschäftsführer von Appenzellerland Tourismus AI: «Die grosse Nachfrage rund um den Aescher freut uns. Davon profitieren auch die anderen Ziele im Alpstein.» So, wie sich die Situation jetzt zeige, sei die Kapazitätsgrenze beim Aescher noch nicht erreicht. «Wir bauen weder den Wanderweg von der Ebenalp zum Aescher noch die Luftseilbahn-Kapazitäten aus.» Was aber ein Thema werden könne, sei die Parkplatzfrage. «In Appenzell Innerrhoden sind die Parkplätze gratis. Wenn die Nachfrage weiter so gross bleibt, müssen wir uns die Frage stellen, ob das so bleiben soll», sagt Buob. Er glaubt nicht daran, dass der neue Bildband wieder einen ähnlichen Hype auslösen wird, wie es letztes Jahr der Post von Ashton Kutcher getan hat.

Und wie bewältigt ein kleines Berggasthaus diesen enormen Ansturm? Die junge Wirtin sieht das gelassen: «Voll ist voll. Mehr geht einfach nicht.» Sie würden einfach ihr Bestes geben und versuchten, den Gästen gerecht zu werden.

Aber es sei schon wichtig, dass die Gäste Geduld mitbringen, wenn sie auf dem Aescher einkehren wollen, so Knechtle. Am Wochenende seien etwa zehn Leute in Küche und Restaurant am Arbeiten. Auf der Terrasse und drinnen im Stübli haben 140 Gäste Platz. «Oft ist wirklich jeder Stuhl besetzt. Aber nicht immer.»

Der Aescher ist nicht nur bekannt für seine atemberaubende Lage in der Felswand, sondern auch für seine Rösti. «Bei uns müssen einfach alle mal Kartoffeln schälen. Wer Zeit hat, schält», sagt die junge Wirtin. Die Frage, wie viele Kilogramm Gschwellti pro Tag das sind, bleibt unbeantwortet. «Wenn wir mehr Gäste haben, sind es mehr, wenn wir weniger haben, sind es weniger.»

Wirten im Blut

Bald können es die Knechtles wieder etwas ruhiger nehmen: Ab dem 1. November ist der Aescher zu und die Wanderwege sind geschlossen. «Wir ziehen dann wieder ins Tal, geniessen die Familie, erholen uns und mein Mann arbeitet den Winter über.» Am 1. Mai geht die neue Bergsaison dann wieder los. «Es ist vielleicht gar nicht schlecht, dass wir jetzt schliessen, wenn dieses Buch erscheint. So kann sich das zuerst etwas setzen, bevor die Leute wieder in Scharen zu uns pilgern.»